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»Innendämmung ist knifflig«

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Von: Thomas Wißner

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Torben Schmitt Foto: Wißner © Wißner

Linden (twi). »Natürliche Dämmstoffe haben den Vorteil, der Dämmstoff selbst heizt sich nicht auf. Innendämmung ist knifflig, wenn irgend möglich dämmen Sie von außen«, empfahl Energieexperte Torben Schmitt den zwei Dutzend Zuhörern bei seinem Vortrag zum Thema »Keine Angst vor’m Dämmen! - Dämmstoffe und Dämmsysteme, die Ihr Haus fit für die Zukunft machen«.

Es war der zweite Vortrags- und Informationsabend der Workshopreihe »Energiesparen und Klimaschutz«, zu dem Lindens Klimamanager Michael Kauer in Kooperation mit der Klimainitiative Linden eingeladen hatte. In den städtischen Jugendräumen des Erlebnisparks begrüßte Klimainitiativen-Vorsitzender Pfarrer Axel Zeiler-Held die Zuhörer und überließ sodann dem Impulsberater der Landesenergieagentur (LEA) Hessen für Mittelhessen, Torben Schmitt, das Podium.

Energiekosten senken und Geld sparen, Behaglichkeit und Komfort steigern, Wärmeverluste reduzieren, den Wert einer Immobilie steigern, CO2 einsparen und Klima schonen, darum gehe es bei einer energetischen Sanierung.

»Vergleichbar mit einem löchrigen Eimer, bei dem zum Halten eines konstanten Wasserstandes kontinuierlich Wasser in den Eimer fließen muss, ist bei einem Gebäude die ständige Zufuhr von Energie notwendig, um den Verlust durch Energielöcher auszugleichen«, leitete der Referent zu jenen Stellen eines Gebäudes über, wo die stärksten Wärmeverluste entstehen. 30 Prozent an Wänden, 21 Prozent am Dach, jeweils zwölf Prozent beim Lüften und durch Fenster sowie 14 Prozent durch Heizung. Einsparung, Effizienz und Erneuerbare Energien lauten die Begriffe, die sich hinter der »3-E-Regel« verbergen. Dabei geht es darum, wie Wärmeverluste an einem Gebäude reduziert oder verhindert werden können, welche Heizungssysteme am effektivsten sind und wie man möglichst viel von dieser Heizenergie durch erneuerbare Energieträger ersetzen kann. Bei verwendeten Dämmstoffen sei auf die Wärmeleitfähigkeit zu achten, wobei die Regel gilt: Je kleiner der Wärmeleitwert, umso größer die Dämmwirkung.

Wie effektiv ein Dämmstoff wirke, verdeutlichte der Referent anhand des Hinweises, dass zwei Zentimeter Dämmstoff die gleiche Dämmwirkung wie eine 1,05 Meter starke Betonwand haben. »Schimmel frisst alles. Was er braucht, ist flüssiges Wasser, das braucht Schimmel, und wenn das da ist, dann fühlt er sich wohl. Eine warme Wand kann nicht schimmeln; wenn es passiert, dann ist ein massiver Bauschaden vorhanden«, erklärte Schmitt, der sodann auf die unterschiedlichen Dämmstoffe einging und auf eine Rückfrage Stroh zwar als ausgezeichneten Dämmstoff bewertete, jedoch habe dieser »ein Tierchenproblem«.

Die Vielfalt auf dem Markt reiche von hochwertig vorgefertigten Verbundplatten, gepressten Platten im Nut-Feder-System bis zu konfektionierten Matten. Mineral- oder Glaswolle eigne sich bestens für Dach, Fassade und Keller, habe den Vorteil, nicht brennbar zu sein und könne mit Putz versehen werden.

Holzfaserdämmung könne ebenfalls auf Dach, Fassade und Keller eingesetzt werden, sei ökologisch sinnvoll in Nutzung und Entsorgung und dient auch als Wärmeschutz im Sommer, das sich dieser Stoff nicht aufheizt. Allerdings sei Holzfaserdämmung feuchteanfällig und teuer. Holzwolle und Hanfvlies gehöre ebenfalls zur Kategorie höherpreisig, sei für Dach, Fassade und Keller geeignet, sei jedoch ebenfalls feuchteanfällig.

Styropor sei niederpreisig, an Dach, Fassade und Keller zu verwenden, wasserabweisend und habe den Nachteil, schädliche Gase beim Drahtschneiden zu entwickeln sowie nicht begehbar zu sein. Weitere Dämmstoffe wie Polyurethan-Hartschaum, Styrodur, Zellulosefaser und Kalziumsilikatplatte wie auch ökologische Baumwolle wurden angesprochen.

Leitungen dämmen

Schmitt verwies auch darauf, das jeder Bürger die Möglichkeit einer kostenlosen Beratung habe, die in Mittelhessen von ihm durchgeführt werde. Zur Frage, ob gegebenenfalls auch eine Dämmung lediglich von Nord- und Ostseite ausreiche, beantwortet Schmitt mit dem Hinweis, dass eine solche Maßnahme immer besser sei, als nichts zu machen. Ob Heizungsrohre im kalten Keller, Zirkulations- oder Warmwasserleitungen im ganzen Haus, durch Leitungsdämmung könne einfach und schnell viel Energie und bares Geld gespart werden.

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