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Kita besteht seit halbem Jahrhundert

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Die Kindertagesstätte in der Großen-Lindener Obergasse feiert in Kürze 50-jähriges Bestehen. Fotos: Wißner © Wißner

Linden (twi). 50 Jahre Kindertagesstätte Obergasse in Großen- Linden werden am Freitag, 3. Juni, im Rahmen des Sommerfestes auf dem Turnhallenplatz in Großen-Linden gefeiert. Damit findet die Geburtstagsfeier in unmittelbarer Nähe zu jenem Ort statt, wo bereits am 1. Juli 1972 die Einweihungsfeier des Kindergartens Obergasse nach nur sechsmonatiger Bauzeit erfolgte.

Das dritte Kind war beitragsfrei

Rund 435 000 Euro (850 000 DM) hatte sich die damals noch selbstständige Stadt Großen-Linden den Kindergartenneubau kosten lassen, um Platz für 100 Kinder zu schaffen. Damals wurden die Kinder ab drei Jahren in altersgleichen Gruppen betreut, wobei eine Erzieherin 25 Kinder betreute. An der Einweihung des neuen Kindergartens, die in der TV-Halle stattfand, nahm die Bevölkerung regen Anteil. Das neue Kindergartengebäude hatte vier Gruppenräume, einen Personalraum, einen Leiterinnenraum und einen Abstellraum. Weiterhin einen Mehrzweckraum für 200 Personen, Toiletten und Waschräume sowie im Keller Hobby- und Sporträume. Die Eltern der Kinder mussten bei einem Kind 15,33 Euro (30 DM) und bei zwei Kindern 10,22 Euro (20 DM) Monatsbeitrag bezahlen. Das dritte Kind war beitragsfrei.

Zur Einweihungsfeier konnte Bürgermeister Reinhard Lang auch Ministerpräsident Albert Osswald sowie als Vertreter des Landkreises Gießen den Kreisbeigeordneten Heinz Ulm (Lang-Göns) begrüßen. Das Land hatte sich an den Kosten mit 102 250 Euro (200 000 DM) und der Kreis mit 16 360 Euro (32 000 DM) beteiligt. Nach den Eröffnungsklängen durch den damaligen Fanfarencorps ging Lang auf die Geschichte des Kindergartens ein. Bereits 1894 habe sich eine Frau zum ersten Mal mit der Betreuung und Erziehung von kleinen Kindern befasst. Diese Frau gelte als Gründerin des Großen-Linderer Kindergartens. Dank eines aufgeschlossenen Parlaments sei auch damals mit dem Bau eines 10 000 Mark teuren Klein-Kindergartens begonnen worden. Im Jahre 1913 wurde die alte Pfarrscheune dann zur Kinderschule umgebaut, welche im vergangenen Jahr die Stadt von der Kirche erworben hat, um diese zu einem »Haus der Kulturen« in der Bahnhofstraße umzubauen. Durchschnittlich 60 bis 80 Kinder seien von einer Diakonieschwester betreut worden.

Kindergartenleiterin Ingeburg Steinel freute sich über die große Verbundenheit mit dem Kindergarten, die seitens der zahlreichen Eltern und Bürger durch ihr Kommen bekundet wurde. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit den Eltern der Kindergartenkinder nötig, um zum Wohle der Kinder positive Arbeit leisten zu können. Der Kindergarten habe eine Menge Ausgleichs- und Bildungsmöglichkeiten, doch bedeute Chancengleichheit nicht gleich Erfolgsgleichheit. Ministerpräsident Osswald verwies in seinem Grußwort auf den Bildungsauftrag, den auch ein Kindergarten habe, denn etwa 80 Prozent von Wissen und Bildung würden in der frühesten Jugend vermittelt.

Steinel überreichte der Landesvater einen Scheck zum Erwerb von Spielsachen für den neuen Kindergarten. Kreisbeigeordneter Ulm lobte die Kommune, die als eine der ersten im Kreis einen Kindergarten zur Verfügung stellen konnte. »Wenn heute 110 Kinder den Kindergarten besuchen, so müssten es dennoch viel mehr sein. Aber vielleicht setzt sich bei den Eltern die Erkenntnis durch, dass die Kindergärten eine gesellschaftspolitische Maßnahme sind, die für die Kinder, für ihr späteres Leben geschaffen worden sind.« Im Anschluss an die Einweihungsfeier mit Schlüsselübergabe durch Lang an Steinel war die Bevölkerung zu einem Imbiss in »Schaums Saal« eingeladen.

Zahlreiche Veränderungen

Doch seit jener Eröffnungsfeier hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles verändert. Verschiedene Um- und Erweiterungsbauten erfolgten, um den Kindergarten den veränderten Anforderungen anzupassen. Hatten im Olympiajahr 1972 alle Kinder einen Betreuungsplatz von 8 Uhr bis 12 Uhr und von 14 Uhr bis 16.30 Uhr, so werden die Kinder heute von 7 Uhr bis 16.30 Uhr mit Mittagessen betreut. Heute werden Kinder von zwei Jahren bis zur Einschulung in einer altersgemischten Gruppen betreut, wobei sich der Betreuungsschlüssel sehr verändert hat.

Die derzeit 87 Kinder werden in vier Gruppen von 13 Erziehern betreut. Die Konzeption der Kindertagesstätte mit ihrem Bildungs- und Erziehungsplan will jedes Kind in seiner individuellen Lernvoraussetzung, seiner Persönlichkeit und seinem Entwicklungsstand unterstützen und begleiten.

Anbau zum goldenen Jubiläum

Überhaupt erfreut sich die Kindertagesstätte seit Jahren einer hohen Anerkennung im Stadtteil Großen-Linden, was sich auch in der hohen Auslastung zeige. In den fünf Jahrzehnten hatte der Kindergarten bisher auch sieben Leiterinnen. Insgesamt 38 Jahre leitete »Tante Inge«, wie die Erzieherinnen seinerzeit noch genannt wurden, die Kindergärten in Großen-Linden (Bahnhofstraße und dann auch Obergasse). Auf Steinel folgten Gabriele Schütz-Heinemann, F. Papst, kommissarisch Annemarie Hölz, Christina Steudemann, Lilia Dörr, Mahkameh Farahpour-Haghani und Marilena La Corte. In den letzten Jahren wurde der Zugangsbereich zum Kindergarten von der Obergasse mit einer Rampe versehen, um einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen, bemalten 2015 die Kinder die Mauer zur Obergasse hin und 2017 wurde das Außenspielgelände neu gestaltet. Und rechtzeitig zum goldenen Jubiläum in diesem Jahr ist ein Anbau für rund eine halbe Million Euro geplant für die U3-Betreuung.

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Das Bild aus dem Jahr 1976 zeigt die damaligen Erzieherinnen mit Leiterin Ingeburg Steinel (sitzend in der Mitte). © Thomas Wißner

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