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Klappsitze als Alternative

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Auf der Ostseite der Bushaltestelle im Steinweg wird es keinen Unterstand mehr geben. Erste Kritik gibt es dazu. © Wißner

An der neuen barrierefreien Bushaltestelle im Lindener Steinweg fehlt auf der Ostseite ein Unterstand. Das sorgt für Unmut.

Linden (twi). Mit den letzten Pflasterarbeiten an der Bushaltestelle im Steinweg fand nun der barrierefreie Umbau der Bushaltestelle in Linden mit halbjähriger Verspätung seinen Abschluss.

Insgesamt neun Haltestellen wurden seit Juni 2021 mit einem speziellen Bordstein, dem sogenannten »Kassler Bord« und dem Einbau von taktilen Bodenplatten als Leit- und Orientierungsstreifen ausgestattet, um so den barrierefreien Ein- und Ausstieg in die öffentlichen Verkehrsmittel zu gewährleisten. Eigentlich sollte die Um- und Ausbaumaßnahme bereits im Oktober abgeschlossen werden, doch es gab bereits bei der Baumaßnahme der Bushaltestellen im Lückebachtal erheblichen zeitlichen Verzug.

Alle Haltestellen wurden sofern noch nicht vorhanden und es die Platzverhältnisse zuließen, mit einem Fahrgastunterstand, also einer Wartehalle, ausgestattet. Während in der Schillerstraße kein Unterstand möglich ist und auch in der Ringstraße nur ein Unterstand besteht, gibt es nun auch im Steinweg davon nur noch einen. Dieser befindet sich auf der Westseite. Auf der Ostseite ist kein Unterstand möglich. »Hätten wir gerne gemacht, aber der angrenzende Grundstückseigentümer hätte aufgrund der Nichteinhaltung von Abstandsflächen zustimmen müssen, was er aber nicht gemacht hat«, teilte dazu Fachbereichsleiter Bauen und Umwelt, Jürgen Würz auf Anfrage mit. Auf der Westseite wurde im Zuge des barrierefreien Ausbaus auch der Gehweg verbreitert. Dies ist auf der Ostseite aufgrund der Eigentumsverhältnisse nicht möglich.

»Nicht in Ordnung«

Zudem wurde die Bushaltestelle auf der Ostseite weiter nach vorn, sprich in Richtung Lückebach gerückt. Der bisher hier bestehende Unterstand fiel aufgrund des barrierefreien Ausbaus und der engen Platzverhältnisse weg.

»Es ist völlig in Ordnung, dass Bushaltestellen für Behinderte ausgebaut werden. Es ist aber nicht in Ordnung, dass die Menschen dort jetzt im Regen warten müssen und keine Alternativen geplant wurden. Alternative hätte ja eine Kaphaltestelle sein können, so dass Autos nur einspurig passieren können oder dass die Haltestelle an eine andere Stelle innerorts verlegt wird«, moniert die engagierte Bürgerin Nena Stoffel.

Zu den Vorteilen einer Kaphaltestelle zählen ihre geringe Länge sowie die Möglichkeit besonders bei beengten Straßenverhältnissen Wartehäuschen aufstellen zu können. Um aufgrund des engen Gehwegs Rollstuhlfahrern eine Vorbeifahrt zu ermöglichen, regte Stoffel die Montage von Klappsitzen an. »Diese Wartehalle würde nicht mehr Platz wegnehmen als die vorherige Wartehalle«.

Dazu teilte Würz mit, dass eine solche Möglichkeit nun im Nachgang zum Abschluss der Ausbaumaßnahme geprüft werde.

Für den Um- und Ausbau der Bushaltestellen waren rund 650 000 Euro veranschlagt, wobei Zuschüsse von rund 400 000 Euro erwartet werden. »Daran ändert sich auch nichts«, so der Bauamtsleiter mit Verweis auf die fest vereinbarten Preise, die auch bei der Verzögerung Bestand haben.

Neben dem neuen Erscheinungsbild tragen die Haltestellen in der Schiller-, Siemens- und Robert-Bosch-Straße in Großen-Linden, Ring- und Rathausstraße in Leihgestern sowie im Steinweg im Mühlberg »mit ihrer Lage, dem Umfang und der Qualität der Ausstattung wesentlich zur Gestaltung des Straßenraumes, des Stadtbildes und zur Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) bei.

Moderne Haltestellen verbessern das Image des ÖPNV und steigern die Attraktivität des Gesamtsystems. Sie sind nach dem Personenbeförderungsgesetz barrierefrei umzugestalten, um mobilitätsbehinderten Menschen die eigenständige Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im Sinne des Leitziels der Stadt Linden »Mobilität für Alle« zu ermöglichen«. Erschwert wurden die Baumaßnahmen durch die Anpassung an die angrenzenden Grundstücke, aufgrund der erforderlichen Länge der neuen Hochbordanlage von bis zu 18 Metern und dessen Höhe von bis 22 Zentimetern. Solche Maßnahmen waren in der Schillerstraße und auch der Ringstraße notwendig.

Sowohl die Verkehrsgesellschaft Oberhessen als auch die lokalen Behindertenbeauftragten waren in die Planung eingebunden.

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