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Kommen Luftfilter in Lindens Kitas?

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Erneut waren viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung zu einer Gremiumssitzung gekommen. doch der Stellenplan wurde noch gar nicht erörtert. © Wißner

Die SPD in Linden möchte Luftfiltergeräte in den Kitas aufstellen lassen. Ein weiteres Thema im Hauptausschuss der Stadt war der Doppelhaushalt 2021/22.

Linden (ww). Lindens Magistrat hatte die Angelegenheit auf Betreiben der CDU schon einmal am Ende des ersten Pandemiejahrs geprüft, allerdings verworfen. Die SPD um Gudrun Lang nahm beim Thema Luftfilteranlagen in den Kitas das Heft in die Hand.

Die Sozialdemokraten wollen Luftfilter-Standgeräte in allen Gruppenräumen der städtischen Kindertagesstätten sowie des evangelischen Kindergartens in Leihgestern aufstellen lassen. Omikron und Co. sollen so weniger Angriffschancen haben. Die Frage ist nur, bringt der kostenintensive Einsatz etwas. Das war unter anderem Diskussionspunkt im Hauptausschuss am Dienstag. Laut Bürgermeister Jörg König sind pro Gerät 1000 bis 5000 Euro für die Erstanschaffung zu bezahlen. Teils müssten die Luftreiniger mitten im Raum aufgestellt werden, um Wirkung zu entfalten, habe ihm ein Verkäufer erklärt.

Die Stiftung Warentest hatte kürzlich solche Reiniger für den Hausgebrauch getestet und nur einen für gut befunden, dessen austauschbare Filter nur schwer in Deutschland zu finden sind.

Geräte jetzt empfohlen

Die Lindener Sozialdemokraten haben jedenfalls mittlerweile prominente Unterstützung. Waren vor über einem Jahr Fachleute noch eher skeptisch, empfiehlt das Bundesumweltamt jetzt den Einsatz von professionellen Geräten. Das findet sich in der Antragsbegründung. Es gebe zudem Fördermittel des Landes und Bundes für die Anschaffung. Um die Voraussetzungen zu prüfen, war der Antrag im Geschäftsgang belassen worden. König verkündete jetzt allerdings, dass die Kitas der Stadt nicht in die Förderkategorie fallen würden.

Frank Hille (CDU) klärte, dass »Räume der Kategorie eins nach einer Verordnung ausreichend lüftbar sind«. Diese Art von Räumlichkeiten habe man in den Lindener Kindertagesstätten. Daher sei der Magistrat wohl der Meinung gewesen, dass diese Geräte nicht notwendig seien. Er wünschte sich vielmehr Lüftungsampeln, die bei einem hohen CO2--Gehalt Rot und damit eine dringende Lüftung anzeigten. Diese Luftqualitätsmesser gebe es in den Kindergärten noch nicht.

Er fragte auch nach, was die jeweilige Kita-Leitung von den Luftfilteranlagen hielten. Diesen hätten erklärt, nicht genügend Fachwissen in der Angelegenheit zu haben, sagt König. Lediglich mögliche Gefahren sahen sie von Geräten ausgehend, die mitten im Raum stehen würden, weil die Kinder natürlich springlebendig in den Gruppenräumen umherlaufen würden und sich stoßen könnten.

Gudrun Lang wurde von Dr. Christof Schütz (Grüne) gefragt, warum die private Kita Mäuschen nicht einbezogen worden sei. Ins selbe Horn stieß auch Ralf Burckart (CDU). Lang begründete die nicht vollständige Aufzählung mit Vertragsgestaltungen, die ihre Fraktion nicht kenne. Die Stadt bezuschusst jedenfalls die Kita.

Schütz konnten sich für seine Fraktion vorstellen den Antrag zuzustimmen, wollte aber wissen, wie die Infektionszahlen sich seit Beginn der Pandemie in den Einrichtungen entwickelt hätten. König sprach von bisher zehn Fällen, wollte sich aber nicht endgültig festlegen und eine Zahl nachreichen. Er erinnerte daran, dass anfänglich ganze Gruppen in Quarantäne geschickt wurde und heute nur noch das betroffene Kind.

Nur einer machte bereits sein Abstimmungsverhalten deutlich, wenn das Stadtparlament über den Antrag entscheidet. Thomas Altenheimer (CDU) betonte: »Die ,Mäuschen‹ sollte man nicht ausklammern. Dennoch lehne ich das ab.« Die Pandemie belaste die Gesellschaft seit zwei Jahren. Und es sei richtig, etwas für Kleinkinder zu tun. »Es sind jedoch nicht immer stringente Maßnahmen von der Politik umgesetzt worden. In der epidemische Phase ist Aktionismus gut gemeint, kostet aber auch viel Geld. Wir müssen jeden Raum ausstatten. Dafür gibt es keine Zuschüsse.«

Kein Wort verstanden

Er habe Anfang dieser Woche ein einschneidendes Erlebnis als Anwalt gehabt, als er an einer »kafkaesken Gerichtsverhandlung« teilgenommen habe. »Es konnte keiner mehr ein Wort verstehen, weil solch ein Luftfilter im Raum alles übertönt hat.«

Letztlich wird am nächsten Mittwoch über eine Antragsempfehlung für das Stadtparlament in einer weiteren Hauptausschusssitzung über die Anschaffung entschieden. Die Verwaltung versprach weitere geforderte Informationen nachzureichen. Das Gremium tagt dann ab 19.30 Uhr in der Stadthalle. Hier geht es auch wieder um den Haushalt, dann in zweiter Lesung, zu der traditionell Änderungsanträge der Fraktionen eingebracht werden.

In der ersten Etatlesung direkt im Anschluss an die Hauptausschusssitzung am Dienstag wurden auch die Bau- und Sozialausschussmitglieder einbezogen. Zunächst stellte der Fachbereichsleiter Allgemeine Dienste und Finanzen, Florian Jochim, seinen Teil des ersten vollständigen Produkthaushaltes einer Kommune im Kreisgebiet vor. Es folgten die Fachbereichsleiter Tim König und Jürgen Würz, bevor Fragen aus den Fraktionen gestellt wurden. Jochim stellte anhand einer Präsentation auf Leinwand die Zahlen vor, unter anderem aus dem Kindergarten und Steuerbereich beispielhaft vor.

Nach der Haushaltsvorstellung im Dezember des Vorjahres im Stadtparlament war erneut eine Sitzung von Mitarbeitern der Stadtverwaltung gut besucht. Nicht von ungefähr, denn es geht im von der Verwaltung aufgestellten Doppeletat auch um zwölf zusätzliche Stellen für die Rathaus-Crew. »Ja, es waren überwiegend städtische Mitarbeiter, weil wir ja auch über den Stellenplan sprechen wollen. Das hat mich sehr gefreut, dass sie in so großer Zahl erschienen sind. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das der richtige Weg ist, um die Verwaltung zukunftsfähig zu machen. Wir wollen zukünftige Aufgaben professionell abarbeiten.«

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