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Langer Stillstand an der Lindener Rindsmühle

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Die Zukunft des Areals Rindsmühle mit baufälligem Gebäude bleibt ungewiss. © Wißner

Bis ins 14. Jahrhundert reicht die Geschichte des 3700 Quadratmeter umfassenden Anwesens zurück, das zuletzt durch einen Dachstuhlbrand in der Neujahrsnacht 2018 für Aufmerksamkeit sorgte.

Linden (twi). »Wann wird die Rindsmühle zum Naturschutzgebiet?« Diese Frage findet sich auf einer Holztafel, die im Mühlweg am Zaun zur Rindsmühle aufgestellt wurde. Bis ins 14. Jahrhundert reicht die Geschichte des 3700 Quadratmeter umfassenden Anwesens zurück, das zuletzt im Oktober 2016, als die SPD hier, ohne Rücksprache mit dem Eigentümer zu halten, einen Kindergartenneubau errichten wollte und durch einen Dachstuhlbrand in der Neujahrsnacht 2018 für Aufmerksamkeit sorgte.

Geschichte aufgearbeitet

Seit dem Brand hat sich wenig getan, wurden lediglich einige Birken gefällt, weil diese nicht mehr den Sicherheitsansprüchen genügten. Vor fünf Jahren hatte der im vergangenen Jahr verstorbene Hans Jürgen Zahradnik die Geschichte der Rindsmühle aufgearbeitet und dazu einen vielbeachteten Vortrag gehalten.

Die nun aufgekommene Frage nach einem »Naturschutzgebiet Rindsmühle« im Mühlberg ist wohl eher als Scherz zu verstehen, obwohl nicht nur die Anwohner interessiert, was denn nun mit dem Areal und dem baufälligen Gebäude passiert. Ob sich jemals Rinder auf einem Wiesenstück neben der Mühle aufhielten, obwohl diese den Flurnamen »Rindswiese« trägt, ist laut Zahradnik nicht bekannt. Vor 115 Jahren (1907) wurde auf dem Hof des Anwesens gegenüber der Mühle eine Gastwirtschaft, unter dem Namen »Zur Rindsmühle« mit einem großen Biergarten eröffnet, der sich auch in den Nachkriegsjahren großer Beliebtheit erfreute. Seit 1956 wurde die Mühle nicht mehr betrieben und das Mühlengebäude wurde nicht mehr bewohnt.

Eine angestrebte Einstufung des Gebäudes als »erhaltenswert« wurde von der Denkmalbehörde abgelehnt. Die Mühle war dem Verfall preisgegeben und stürzte schließlich am 10. August 1981 nach einem Unwetter in sich zusammen.

Beliebter Ausflugsort

Die Gastwirtschaft war ein beliebter Ausflugsort von Wanderern aus der nahen Umgebung. Hier traf sich auch die Leihgesterner Dorfjugend, denn das »Mühlchen« war das einzige Lokal, wo Mädchen Zutritt hatten, da der Wirtshausbesuch vor dem Krieg Männer- und Burschensache war. 1945 waren amerikanische Besatzungstruppen im Gebiet der Rindsmühle stationiert und die Soldaten achteten peinlich genau auf die Ausgangssperre.

1956 wurde das Gaststättengebäude aufgestockt und mit acht Fremdenzimmer versehen. Die Gaststätte war bereits in jenen Jahren schon mit einer Musikbox, Tonbandgerät und einem der ersten Fernseher in Leihgestern ausgestattet. Am 15. April 1967 wurde die Gaststätte geschlossen und bis August 1977 von insgesamt sechs Pächtern weitergeführt. Von 1977 bis 1998 wurde das Gebäude als »Übergangsheim Rindsmühle«, eine Einrichtung für Personen mit notwendiger psychischer Betreuung, genutzt. Nach Umbau und Anbau war das Haus von 2000 bis zur Insolvenz des Betreibers 2003 ein Seniorenheim. Seitdem steht das Gebäude leer. »Die Zukunft des Gebäudes und des Geländes ist ungewiss«, hatte bereits vor fünf Jahren Zahradnik am Ende seines Vortrags festgestellt - daran hat sich nichts geändert.

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