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Licht, Luft, Sonne und viel Wasser

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Die Eröffnung lockte 1952 unzählige Besucher an. Repro: Wißner © Thomas Wißner

Im Juni 1952, wurde das Freibad in Großen-Linden zur Benutzung freigegeben. In den sieben Jahrzehnten hat sich Einiges getan.

Linden (twi). Vor sieben Jahrzehnten, am 29. Juni 1952, wurde das Freibad in Großen-Linden zur Benutzung freigegeben. Es war damals ein Sonntag und der Andrang gleich zur Eröffnung riesig. Zwei Tage allein wurde die Eröffnung groß gefeiert und an den nachfolgenden Tagen wurden stets neue Besucherrekorde verzeichnet.

Zum 70. Geburtstag gibt es aktuell keine Feierlichkeit, obwohl das Bad gerade in den beiden vergangenen Jahren doch erheblich aufgefrischt wurde. 2020 in der ersten Corona-Badesaison wurde eine neue Rampe errichtet, die nun auch einen barrierefreien Zugang zum Becken ermöglicht und das langjährige Schwimmeisterteam mit Andreas Bahn und Dirk Heil durch Thomas Fuchs und Max Scheer aufgestockt. 2021 wurden die Sanitäreinrichtungen komplett erneuert.

Ausgleich schaffen

Zur Einweihung 1952 gab eine Lotterie zur Errichtung eines Schwimmbades. Diese wurde als ein »Baustein für die Gesunderhaltung unserer Jugend« bezeichnet, wobei als erster Preis ein DKW-Motorrad RT 125 im Wert von 1150 DM winkte. Einen wesentlichen Beitrag am Schwimmbadbau leisteten seinerzeit die amerikanischen Streitkräfte. Der Einweihung vorausgegangen war ein Fußballspiel einer kombinierten Mannschaft aus Gemeindevertretung, Lehrerschaft und Schwimmbadbauverein gegen eine Alt-Herrenauswahl des TSV Großen-Linden. Das Spiel stand unter der Leitung des evangelischen Pfarrers Heinrich Schäddel und wurde musikalisch von der Kapelle Edelweiß umrahmt. Bereits Jahrzehnte vor der offiziellen Einweihung wurden Überlegungen zum Schwimmbadbau in der damals 2000 Einwohner zählenden Stadt unternommen.

Wie Bürgermeister Friedrich Matheis seinerzeit versicherte, habe man damals bereits die Notwendigkeit des Vorhandenseins einer solchen, der Gesundheit der Einwohnerschaft nur zuträglichen Einrichtung erkannt. Nun da Großen-Linden 4000 Einwohner zählt, sei es geradezu notwendig dieses Projekt zu realisieren. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass dies eine wesentliche Steigerung dadurch erfahren habe, dass »ganz andere und zwingendere Verhältnisse, allein auch schon aus dem Gedanken der Gesunderhaltung unserer Bevölkerung in Bezug auf die beschränkten Wohnverhältnisse heraus, die Errichtung einer solchen Anlage geradezu fordern«. Vor allem für die Jugend sei dieser Bau unverzichtbar, denn »in der heutigen Zeit des engen Zusammenwohnens« müsse ein Ausgleich dahingehend geschaffen werden, »dass sie sich möglichst viel in Licht, Luft und Sonne bewegt. Darüber hinaus ist es betrüblich, wenn man immer und immer wieder gerade während der Sommermonate feststellen muss, wie viele Menschen dem nassen Tod zum Opfer fallen, weil sie des Schwimmens unkundig sind«. Mit dem Freibadbau wurde auch der Einführung von Schwimmen als Pflichtunterricht in der Schule Rechnung getragen.

Die Grundlage auf dem Weg zur Umsetzung dieses Vorhabens bildete die Gründung eines Ortsjugendausschusses im März 1951. Am 4. November war es dann, nach zahlreichen Verhandlungen mit den Amerikanern soweit und der erste Spatenstich erfolgte.

Gießens Kreisresident Officer Mr. Green überreichte Bürgermeister Matheis nicht nur eine Spende über 450 DM aus dem McCloy-Fonds, sondern auch die Zusage, dass die in Gießen stationierten Truppen die gesamten Ausschachtungs- und Planierungsarbeiten übernehmen und somit der Stadt 16 000 DM (rund 8180 Euro) ersparen. Mit Unterstützung des Kirchenvorstands, der Pfarrer Frey und Schäddel wurde das Land für den Schwimmbadbau erworben. Im März 1952 wurde der »Schwimmbad-Bauverein Großen-Linden« ins Leben gerufen. Mit der Übergabe des Schwimmbades an die Stadt, die im Übrigen unentgeltlich erfolgte, wurde der Verein wieder aufgelöst. Der Gesamtkostenvoranschlag für den Schwimmbadbau belief sich auf 90 000 DM.

Blickfang

Beim Freibad, das seinerzeit weit und breit einmalig war, handelte es sich um ein 50 auf 16 Meter großes Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken, sowie ein 81 Quadratmeter großes Springerbecken.

Der Eintrittspreis betrug für Erwachsene 30 und für Jugendliche 15 Pfennig. Im örtlichen Mitteilungsorgan wurde unmittelbar nach der Einweihung berichtet, »daß mit der Errichtung des Schwimmbades einem Bedürfnis, nicht nur für Großen-Linden, sondern auch der Umgebung entsprochen wurde, zeigt der starke Besuch auch aus den umliegenden Orten Lang-Göns, Leihgestern, Klein-Linden und Gießen, Hörnsheim und Hochelheim«. Bereits ein Jahr später, am 23. Mai 1953 wurde auch das neu errichtete Schwimmbad-Café seiner Bestimmung übergeben. 1964 wurden die Umkleideräume errichtet und das Becken umgebaut. 1981 wurde das Bad in seinen heutigen Zustand umgebaut.

Das Schwimmbad verfügt über ein 1-Meter und ein 3-Meter Sprungbrett sowie seit 2008 im Nichtschwimmerbereich auch über eine feste Rutsche. Eine mobile Riesenrutsche wird bei besonderen Aktionen inmitten des Schwimmbeckens aufgebaut.

Das Umfeld wurde dem sich verändernden Freizeitverhalten angepasst. So gibt es einen Basketballkorb und eine Tischtennisplatte, sowie für jüngeren Gäste eine kleine Rutsche und ein Planschbecken. 1983 war zudem ein Technikraum und 1988 eine Solaranlage mit 320 Quadratmeter Erwärmungsfläche installiert worden. Ein besonderer Blickfang ist zudem seit 1995 das auf dem Beckenboden aufgetragene Stadtwappen.

Wurde 2008 der komplette Beckenumgang des Bades saniert, so war in diesem Jahr zu Beginn der Badesaison das Kinderbecken dran und dessen Beckenumgang wurde komplett saniert.

Zu Beginn des Jahrtausends sorgte das Bad oder besser gesagt der Kiosk für landesweites Aufsehen, wurden doch die dortigen Pommes bei einer Suchaktion eines Radiosenders als »beste Schwimmbad-Pommes in Hessen« gelobt. Seit 2015 betreibt das benachbarte »Susis Kiosk« auch den Schwimmbad-Kiosk.

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Das Freibad ist bei Jung und Alt äußerst beliebt. Foto: Wißner © Wißner

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