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Markt mit Bio-Produkten übersättigt

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Von: Thomas Wißner

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Dr. Jürgen Luft Foto: Wißner © Wißner

Bio-Anbau stand im Mittelpunkt eines Vortrags mit zwei Referenten, zu dem Lindens Klimaschutzmanager gemeinsam mit der Klimainitiative Linden im Rahmen einer Workshopreihe eingeladen hatte.

Linden (twi). »Wieso Bio?« Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Vortrags. und Diskussionsabends, zu dem Lindens Klimaschutzmanager gemeinsam mit der Klimainitiative Linden im Rahmen der Workshopreihe »Energiesparen und Klimaschutz« in die städtischen Jugendräume des Erlebnisparks eingeladen hatte.

Waren die beiden vorausgegangenen Energiesparvorträge bestens besucht, so blieben diesmal zahlreiche Stühle leer. Es waren noch nicht einmal ein Dutzend Zuhörer gekommen, um beide Vorträge zu verfolgen.

Ein »Heimspiel« hatte dabei Dr. Jürgen Luft, der als Mitgesellschafter des Ludwigshofs auf die Chancen und Grenzen der ökologischen Landwirtschaft einging, während anschließend Manuel Stielau als Betreiber der SoLaWi Terra Lumbricus Ebsdorfergrund die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) vorstellte.

In seinem Vortrag machte Luft deutlich, wie schwierig es für Bio im Speziellen sei. »Bio allein ist es nicht, es gehört ein Stück mehr dazu, als nur zu produzieren.« Gerade wenn auch Discounter einsteigen, um »mehr Bio für alle möglich machen«, zeige dies zwar, dass viele mit Bio Geld verdienen wollen. Dies führte zu einer verstärkten Produktion, doch »wenn wir mehr Bio produzieren, als der Markt verlangt, dann ist das schwierig. Aber aktuell haben wir ein ganz anderes Problem«.

Zwar habe Corona den Ökolandbau und die Direktvermarkter vorangebracht, doch gehe es aktuell rasend abwärts. Nicht zuletzt, weil auch die Politik ganz andere Ziele verfolge. Überhaupt würden 89,1 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen konventionell bearbeitet. »Doch jetzt wird etwas produziert, was der Markt nicht will. In diesem Jahr geht trotz Inflation der Umsatz zurück, liegt unter dem von 2020. Das heißt, der Bioanbau geht zurück, der Markt schrumpft«, so Luft. Die negative Sicht auf die Kuh als Klimakiller sei inzwischen so verbreitet, dass es sogar als Synonym für sämtliche Emissionen von Klimagasen aus der Landwirtschaft herhalten müsse. Weil der größte Teil der globalen Landfläche zur langfristigen Ackernutzung nicht geeignet ist, lässt er sich für die menschliche Ernährung nachhaltig nur als Weideland für Tiere nutzen. Mit dem vollständigen Verzicht auf tierische Produkte würde somit auch das Potenzial positiver Effekte auf Klimaschutz und biologische Vielfalt einer an die Ökosysteme angepassten Tierhaltung gefährdet. Ein anderes Problem sei etwa die Angleichung des Milchpreises. Aktuell werde Bio-Milch ebenso vergütet wie konventionelle Milch.

Stark kontrolliert

Allerdings werde Bio auch stark kontrolliert. Allein in Deutschland gibt es aufgrund der föderalen Struktur 16 Überwachungsbehörden in den Ländern für derzeit 20 am Markt tätige und zugelassene Kontrollstellen. Oberste Kontrollbehörde hier sei das Regierungspräsidium Gießen mit Sitz in Wetzlar. Private Kontrollstellen kosten pro Jahr 3500 bis 4000 Euro. Und eine Betriebskontrolle ist im Jahr Pflicht. Diese umfasse den gesamten Betriebsablauf mit Ackerbau, Tierhaltung, Verkauf und Verarbeitung. Eine vollständige Dokumentation sei notwendig.

Im zweiten Teil ging Stielau auf den Grundgedanken einer SoLaWi ein und verriet, dass er so sein Hobby zum Beruf gemacht habe. Der gebürtige Staufenberger hat mit einem kleinen Schrebergarten begonnen, Seine Gärtnerei Terra Lumbricus im Ebsdorfergrund umfasse sechs Hektar Ackerfläche mit Kartoffeln, Weizen, Ackerbohnen, Mulchmaterial und Kleegras sowie drei Hektar Grünland mit kleiner Schaf- und Ziegenherde, wobei auf einer Gemüse-Fläche von einem Hektar 70 unterschiedliche Gemüsekulturen zur ganzjährigen Gemüseversorgung angebaut werden.

Die Idee der Solidarischen Landwirtschaft reiche bis in die 60er Jahre zurück und komme ursprünglich aus Japan. Dabei handelt es sich um eine weltweite Bewegung mit Organisationsstruktur, wobei jedoch jede SoLawi anders sei.

Die Betriebskosten für ein Jahr bei dieser Wirtschaftsgemeinschaft werden von der Gruppe gemeinschaftlich getragen, wobei die Aufteilung der Ernte unter allen, die sich an der Finanzierung beteiligt haben, erfolge. Dadurch wird das Risiko auf viele Schultern verteilt und die Abnahme der Ernte gesichert. Vielfalt, Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit sind zentrale Aspekte.

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Manuel Stielau Foto: Wißner © Wißner

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