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Mietbelastung von 50 Prozent für Geringverdiener

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Linden (red). Kürzlich fand in Großen-Buseck das »Regionalforum zum Armutsbericht für den Landkreis Gießen« statt. Linke-Stadtverordneter Meric Uludag teilt in einer Presseerklärung die Erkenntnisse aus dem Bericht für Linden und seine Eindrücke vom Regionalforum mit.

Zum Stichtag 31. Dezember bezogen 9,6 Prozent der Lindener Bevölkerung Leistungen nach dem SGB II, SGB XII und AsylblG. Somit sei etwa jede zehnte Person per Definition armutsgefährdet. Im kreisweiten Vergleich sei die Quote der leistungsbeziehenden Menschen nur in Gießen, Lollar und Pohlheim höher. Zudem seien 13,5 Prozent Kinder unter 15 Jahren und 4,3 Prozent ältere Menschen von Armut gefährdet.

»Die Dunkelziffer bei armutsgefährdeten älteren Menschen ist sehr hoch, da viele Rentner eine so geringe Rente haben, dass sie Grundsicherung erhalten würden, aber aus verschiedenen Gründen keine erhalten beziehungsweise darauf verzichten. Zum Beispiel aus falschem Scham«, so Uludag.

Insgesamt sind von den leistungsbeziehenden Haushalten rund ein Viertel »Aufstocker«, die zu ihrem Erwerbseinkommen zusätzlich Sozialleistungen erhalten. Im Unterkapitel »Einkommen und Wohnen« ist die Mietbelastung der Bevölkerung dargestellt. Nach Angaben des Landkreises Gießen beträgt 2021 die durchschnittliche Kaltmiete in Linden 6,29 Euro pro Quadratmeter bei einfacher Ausstattung. Bei mittlerer und gehobener Ausstattung liegt der durchschnittliche Mietpreis bei 6,79 Euro pro Quadratmeter beziehungsweise 7,29 Euro pro Quadratmeter. Wie auch in Heuchelheim und Wettenberg, sind die Mietpreise in Linden deutlich höher als in den anderen Kreiskommunen.

Abgesehen von der Stadt Gießen, die mit Abstand den teuersten Wohnungsmarkt hat. Für geringverdienende Singlehaushalte mit einem Nettoeinkommen von 1130 Euro im Monat ergibt sich so in Linden eine Mietbelastung von etwa 50 Prozent.

»Die Hälfte des Einkommens geht für die Wohnung drauf. Bei einem Nettogehalt von 1200 Euro bleiben also nach Abzug der Miete nur 600 Euro übrig.« Singlehaushalte mit einem Nettoeinkommen von 1600 Euro monatlich und Familien mit zwei Kindern und einem Nettoeinkommen von 2400 Euro monatlich haben eine Mietbelastung von 33 Prozent. »Die Mietkosten der Wohnung sind für viele Menschen eine riesige Belastung. Zudem sind die Erhebungen im Armutsbericht überholt und die gegenwärtige Situation ist bei weitem dramatischer einzustufen«, so Uludag. Für die Ermittlung der Mietbelastung wurden 2,50 Euro pro Quadratmeter Nebenkosten angesetzt. Das sei zum damaligen Zeitpunkt auch ein realistischer Wert gewesen. Aktuell müsse aber eher vom Doppelten bis Dreifachen ausgegangen werden. Die Mietbelastung sei daher in Wirklichkeit viel höher.

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