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Nachhaltige Beweidung

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Olav Holst überreicht an Thomas und Katharina Lenhart im Beisein von Bürgermeister Jörg König und der städtischen Umweltbeauftragten Birgt Dilger-Becker das Hof-Schild zur Projektaufnahme »100 nachhaltige Bauernhöfe«. Foto: Wißner © Wißner

Die Lindener Familie Lenhart wird mit ihren Streuobstziegen als Vorbildbetrieb gefördert.

Linden (twi). »Die Streuobstziege« aus Linden nimmt am Projekt »100 nachhaltige Bauernhöfe« teil. Das ist auf einem recht unscheinbaren Schild zu lesen, das der für die Region zuständige Projekt-Berater Olav Holst im Beisein von Lindens Bürgermeister Jörg König und der städtischen Umweltbeauftragten Birgit Dilger-Becker der Familie Lenhart überreichte.

Sie beweidet mit ihren Ziegen Streuobstwiesen. Thomas und Katharina Lenhart brach-ten vor dem Stallgebäude in den Leihgesterner Beständen gleich die Kennzeichnung am Ziegenstall an. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) nahm im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz den Hof in das Programm auf.

Im Rahmen des Projekts »100 nachhaltige Bauernhöfe« werden Betriebe aus Landwirtschaft, Gartenbau und Weinbau dabei unterstützt, bestehende nachhaltige Strukturen auf ihren Betrieben zu stärken und ein zukunftsorientiertes Management umzusetzen.

Besonders innovativ

Besonders innovative, nachhaltige Management- und Produktionssysteme in der Landwirtschaft wie jenes in Linden sollen damit stärker in das Blickfeld der Gesellschaft gerückt werden.

Die bisher 55 teilnehmenden Betriebe erhalten eine umfangreiche Nachhaltigkeitsberatung und nach Bedarf eine betriebliche Klimabilanzierung durch den Landesbetrieb sowie Zugang zu speziell zugeschnittenen Fortbildungs- und Vernetzungsmöglichkeiten. Sie werden außerdem finanziell und organisatorisch dabei unterstützt, öffentlichkeitswirksame Maßnahmen zum Thema Landwirtschaft und Nachhaltigkeit umzusetzen.

Katharina Lenhart will im kommenden Jahr deshalb an der Ziegenweide darüber informieren, welche nachhaltige Arbeit im Untergrund des Grases durch die Bewirtschaftung geleistet wird.

Mit Umweltpreis bedacht

Bereits 2019 wurde das Projekt »Streuobstziege« mit dem Umweltpreis der Stadt Linden ausgezeichnet. König freute sich bei seiner Gratulation darüber, »dass sie das alles hier bei uns machen. Die Arbeit, die sie hier machen, ist einfach phänomenal«. Lenharts züchten Burenziegen, die im Herdbuch des Hessischen Ziegenzuchtverbandes eingetragen werden, und versuchen zudem, mit gezielten Kreuzungen besonders standortangepasste, wirtschaftliche Tiere mit guter Grundfutterverwertung heranzuzüchten.

Eine Besonderheit besteht darin, dass überwiegend Streuobstwiesen von Ziegen der Familie Lenhart beweidet werden.

Durch die Ziegenbeweidung werden dabei nicht nur bereits verwilderte Flächen wieder geöffnet und die vorhandene Kulturlandschaft gepflegt, sondern durch das sorgfältige Weidemanagement auch die Artenvielfalt gefördert.

Ein Großteil der Flächen wird jährlich nur einmal beweidet. Es erfolgt zudem ein jährlicher Wechsel von Zeitpunkt und Reihenfolge der Beweidung. Gut achteinhalb Hektar werden so in den Leihgesterner Streuobstwiesen gepflegt. So bekommen im Wechsel Spät- und Frühblüher ihre Chance und eine Verdrängung einzelner Pflanzenarten unterbleibt. Neben dem Umweltaspekt steht auch das Tierwohl im Betrieb von Familie Lenhart im Mittelpunkt. So haten sich die Tiere ganzjährig auf den Weiden auf. Die Zucht im Herdbuch garantiert zudem einen hohen Gesundheitsstatus der Tiere. Um die Kosten für die Landschaftspflege wieder zu erwirtschaften, vermarktet die Familie Ziegen- und Lammfleisch direkt. Der Verkauf erfolgt dabei vorrangig saisonal nach Absetzen der Lämmer im Spätsommer und Herbst.

Vier weitere Betriebe dabei

Aus dem heimischen Raum sind noch die Bauernland KG sowie der Biohof Hornischer aus Reiskirchen dabei. Des Weiteren gehören die Höfe Amend und der Rotgrabenhof aus Staufenberg dazu. Bisher wurde die Anzahl von 100 Teilnehmern nicht erreicht, es sind nur 55 Betriebe bisher am Projekt beteiligt. Bereits vor einem Jahr endete die Bewerbungsfrist für dieses bis 2027 laufende Förderprojekt, wobei sich aufgrund der Finanzierung die Zusage und Auszeichnung der teilnehmenden Betriebe jedoch etwas verzögert hat, sagte Holst bei der Übergabe in Linden. »So unterschiedlich die Projektbetriebe auch sind, eines haben alle gemeinsam, setzten sie sich aktiv mit einer nachhaltigen Betriebsentwicklung auseinander und zeigen Ansatzpunkte der nachhaltigen und zukunftsorientierten Bewirtschaftung auf«, so Holst.

Nachhaltige Produktionssysteme gemeinsam mit ausgewählten hessischen Betrieben der Landwirtschaft sowie des Garten- und Weinbaus weiterentwickeln und der Gesellschaft zugänglich machen, ist das Ziel des Projekts.

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