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TV-Auftritte Höhepunkte in 70 Jahren

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Zum 50-jährigen Bestehen tanzte die Ehrengarde in Erinnerung an die »Lindenblüten« der Gründungszeit. Archivfoto: Wißner © Thomas Wißner

Der Karnevalverein Harmonien 1952 Großen-Linden (KVH) feiert sein 70-jähriges Jubiläum im Rahmen der Großen-Lindener Kirmes am Samstag, 9. Juli, ab 19 Uhr im Kirmeszelt.

Linden (twi). Endlich mal wieder ein öffentlicher Auftritt: Darauf hatten die Gruppen des Karnevalverein Harmonien 1952 Großen-Linden (KVH) lange warten müssen, der letzte Auftritt war im Februar 2020. Nun feiert der Verein sein 70-jähriges Jubiläum im Rahmen der Großen-Lindener Kirmes am Samstag, 9. Juli, ab 19 Uhr im Kirmeszelt.

Auftreten werden an diesem Abend aus der Jugendabteilung die »Space Girls«, »Jugendgarde« und »Dancing Stars«, während die Formation »5mal5« für Stimmung sorgen wird. Das Männerballett und eine Tanzgruppe von den Karnevalfreunden Allendorf/Lahn werden ebenso wie die Kadetten der Heuchelheimer Funkengarde zu Gast sein und im Anschluss werden die »Sophisticated Butcher Fingers« bekannte und beliebte Melodien zum Besten geben.

Virtuelle Feier im Februar

Bereits im Februar hatte der Verein seinen 70. Geburtstag virtuell über sieben Tage hinweg mit sieben Filmen und 33 Beiträgen gefeiert. Weil es kein rein närrisches Jubiläum ist, wird nicht ganz so groß gefeiert, wie dies noch beim goldenen Vereinsjubiläum 2002 der Fall war, als nicht nur die »Klostertaler«, sondern auch der Hessische Rundfunk in Großen-Linden zu Gast war.

Der KVH kann auf eine eindrucksvolle Geschichte verweisen, ist er doch letztendlich aus dem 100-jährigen Jubiläumsfest des Gesangverein Harmonie Großen-Linden im Jahr 1950 hervorgegangen. Am 27. Dezember 1952 wurde der Karnevalverein unter dem Vorsitz von Paul Steinel ins Leben gerufen.

Nach den Festlichkeiten anlässlich dieser Feier gab es zur Belohnung für die Sänger einen Ausflug nach Ober-Lahnstein. Der dortige Gesangverein war Gastgeber für die Großen-Lindener Sänger. Bereits ein Jahr später war der Gegenbesuch fällig, und aus diesem Treffen bildete sich 1952 die Karnevalabteilung des Gesangverein Harmonie.

Bereits die ersten Jahre zeigten, welches Potenzial in dieser Sparte steckte, und so entwickelte sich aus einer improvisierten Sitzung eine starke Abteilung, die gleichzeitig Belastung und Jungbrunnen für den klassischen Gesangverein werden sollte. 1958 übergab der Gründungspräsident Ludwig Größer die Präsidentenmütze an Walter Zörb.

Umzug in die Turnhalle

Von 1962 bis 1994 sollten die »Rebläus« die Tradition der Musik- und Gesangsdarbietungen mit großem Erfolg fortführen. Die ersten Elferratssitzungen wurden im Vereinslokal »Zum Rebstock« veranstaltet. Aber bald erwies sich der Saal zu klein, und ab 1956 war die Großen-Lindener Turnhalle Veranstaltungsort der »Harmonie-Karnevalisten«. Im musikalischen Teil glänzten über Jahre das Harmonien-Quartett und ab 1962 die Rebläus. Die älteste Gruppe des KVH sind die »Lindenblüten«, die bereits im zweiten Jahr in Erscheinung traten.

1966 wurde Gerhard Urbaniak zum Vorsitzenden gewählt, er sollte es bis 1983 bleiben. Ihm haben der Lindener Karneval und der KVH viel zu verdanken. Das »Schwabbelballett« und das »Harmonien-Ballett« wurden gegründet. Es entstand die zweite Elferratssitzung, da die Plätze in der TV-Halle schon lange nicht mehr ausreichten, alle interessierten Gäste aufzunehmen.

Eine Kinderfaschingsveranstaltung findet seit 1976 am Faschingsdienstag statt. Eine weitere Musikgruppe entstand im gleichen Jahr: Die »Pitjes«, die Männertanzgruppe »Stachelbeerballett«, entstand. 1982 übergab Präsident Walter Zörb sein Amt an Friedel Hartel, der 1983 auch den Vorsitz von Gerhard Urbaniak übernehmen sollte. Der KVH wurde Mitglied in der »IGMK« (Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval).

Mittlerweile verfügt der Verein auch über ein eigenes Clubheim, welches zum rasanten Anstieg der Mitgliederzahl beitrug. Zählte der KVH 1970 gerade mal 50 Mitglieder, waren es 1984 bereits 200 und nach einem Anstieg über die 800er-Markte sind es aktuell 701 Mitglieder. Zum Clubheim wurde das alte Backhaus der Stadt ausgebaut. Bereits seit 1984 nutzte der KVH in Zusammenarbeit mit Gesangverein und Modellbootgruppe die Räumlichkeiten für Gruppenarbeiten, Sitzungen und als Lagerraum.

Ausflüge wurden unternommen ins Elsaß, nach Wien, Ostfriesland, Thüringen, Waidring, Erzgebirge und 1996 zum 44-Jährigen in den Westen der USA, nach San Francisco, Los Angeles und Las Vegas. Dieter Carle wurde 1989 zum Vorsitzenden gewählt. Seit 1990 besteht eine Partnerschaft zu den Karnevalsturnern Waltershausen - und seitdem werden jährlich gegenseitig die Sitzungen besucht.

Fernsehauftritte

1994 sollte zu einem Meilenstein in der KVH-Geschichte werden. Das Clubheim wurde von der Stadt übernommen und in vierjähriger Arbeit umgebaut. Die »Chaotenjäger«, eine den Schürzenjägern nachempfundene Gruppe, vervollständigte die musikalische Palette im KVH. Im gleichen Jahr übernahm Jürgen Arnold den Vorsitz von Dieter Carle, später auch das Amt des Sitzungspräsidenten von Friedel Hartel. Es begann die Zeit der Fernsehfassenacht in Linden. Mit der Beteiligung der »Chaotenjäger«, Hupfdohlen und dem KVH-Tanzpaar wurde vom Hessischen Rundfunk und auch in der ARD die in Linden aufgezeichnete Sendung »Hessen lacht zur Fassenacht« ausgestrahlt, die Weiberfastnachtssendung folgte im Januar 2002, und im Februar 2003 hieß es »Männer an die Macht«. Das 50-jährige KVH-Jubiläum wurde mit Festzug und »Klostertalern« gefeiert. Nach dem Fest waren alle Reserven aufgebraucht.

Kontinuierliche Förderung der Jugend, ein sehr aktiver Vorstand und Beteiligung bei allen öffentlichen Veranstaltungen im Ort und der Umgebung sind maßgebend für den Stellenwert des Karnevalvereins in Linden. Das 55-jährige Bestehen wurde mit den »Bläck Fööss« in der Stadthalle gefeiert. 2009 und 2010 gab es dann gleich mehrere entscheidende Veränderungen: Die »Chaotenjäger« beendeten nach 15 Jahren, das »Stachelbeerballett« nach 20 Jahren ihre Bühnenaktivitäten. Aus den »Chaotenjägern« gingen »Coal Miners 7« hervor; als »junges Männerballett« entwickelten sich »Funkemaschiensche« und 2009 trat als Gesangsformation das Damen-Trio »Lindens Harmony« erstmals auf.

2010 übernahm Carsten Born die Glocke des Sitzungspräsidenten von Jürgen Arnold, Hendrik Schwarz übernahm bis 2012 den Vorsitz. Ihm folgten Michael in der Weide, Dieter Carle, ab 2014 Carsten Born und diesem dann 2020 Patrick Weihrauch an der Spitze des Narrenvereins. 2011 war der Europaprinz beim KVH zu Gast.

Stabübergabe

Auch das 66-jährige Bestehen wurde 2018 mit einem närrischen Programm während der Kirmes gefeiert. Und die nächste Veränderung steht nun in der nächsten Kampagne an, wenn Carsten Born die Glocke des Sitzungspräsidenten an Stefan Jung weiterreicht. Dann folgt auf den aus dem »Stachelbeerballett« hervorgegangenen »tanzenden Sitzungspräsidenten« Born mit Jung ein »singender und tanzender Sitzungspräsident«.

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