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Videos statt Online-Sitzungen

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Ein solches Bild wie hier zum 60-Jährigen 2012 wird es diesmal nicht geben. © Wißner

Mit sieben Filmen und 33 Beiträgen feiert der KVH Großen-Linden zum Finale der fünften Jahreszeit sein 70-jähriges Bestehen und zeigt dabei viele Höhepunkte aus sieben Jahrzehnten Fasching.

Linden (twi). Sieben Tage, sieben Filme mit 33 Beiträgen - damit feiert zum Finale der fünften Jahreszeit der Karnevalverein Harmonien 1952 Großen-Linden sein 70-jähriges Bestehen. Erneut wurde die Session wegen Corona abgesagt und so kann der anstehende runde Geburtstag nicht mit zwei Fremden- und einer Jugendsitzung begangen werden - und zudem ist es ja auch kein närrisches Jubiläum. Auf dieses haben die Narren nun noch sieben Jahre Zeit.

Ein Hoffnungsschimmer bietet zwar die traditionell am zweiten Juli-Wochenende anstehende Kirmes in Großen-Linden, soll es dort einen närrischen Abend geben - doch wer weiß. Nach einem Online-Format im vergangenen Jahr hat sich der KVH-Vorstand in diesem Jahr für eine Video-Narretei mit Höhepunkten aus den vergangenen Jahrzehnten entschieden.

Täglich auf Youtube

Von Mittwoch bis zum Fastnachtsdienstag wird täglich auf dem Youtube-Kanal https://www.youtube.com/channel/UCMBymc-gx9IJIy55zwlJIVg (oder nach dem »KVH Grossen-Linden«-Kanal suchen) ein bis zu 22 Minuten langer Beitrag mit verschiedenen Gruppen veröffentlicht. Der Fastnachtsdienstag ist dabei komplett der Jugend vorbehalten.

Bereits am Samstag war die Wehmut groß, als ein aktueller Beitrag in der leeren TV-Halle gedreht wurde, in die der künftige Sitzungspräsidenten Stefan Jung und der scheidende Sitzungspräsidenten Carsten Born zusammen mit Vorsitzendem Patrick Weihrauch und Elferratsmitgliedern Einzug hielten. »Wir stehen heute leider hier und trinken später auch noch ein Bier. Nur von Euch ist leider keiner da. Wir vermissen Euch, die Narrenschar«, brachte es Jung in seiner Begrüßung auf den Punkt.

Diesmal werden Tanz- und Gesangsgruppen sowie Büttenredner der letzten Jahre mit Beiträgen zu sehen sein. Vorhandenes Filmmaterial macht dies möglich und auch eine Gruppe darf dabei nicht fehlen, die einst den legendären Ruf des KVH begründete - die Rebläus. Diese sind am Samstag im Filmbeitrag mit Harmonienballett, 66 Grad und »Peti« Müllejans zu sehen. Vorsitzender Patrick Weihrauch zeichnet für den Zusammenschnitt der Beiträge verantwortlich, die zuvor in mehreren Vorstandssitzungen ausgewählt wurden.

Bei den »Rebläus« bietet sich ein Blick in die Historie des Vereins an, der sich mit seinen 666 Mitgliedern zu Recht als »ein großer Verein mit vielen Gruppen und vielen Aktivitäten! Eigenem Clubheim, vielen Veranstaltungen und vor allem jeder Menge Spaß und guter Laune« bezeichnet. Aus dem 100-jährigen Jubiläumsfest des Gesangverein Harmonie 1850 Großen-Linden im Jahr 1950 ist der KVH hervorgegangen. 1952 wurde der Karnevalverein ins Leben gerufen.

Nach den Festlichkeiten anlässlich dieser Feier gab es zur Belohnung für die Sänger einen Ausflug nach Ober-Lahnstein. Der dortige Gesangverein war Gastgeber für die Großen-Lindener Sänger. Bereits ein Jahr später war der Gegenbesuch fällig und aus diesem Treffen bildete sich 1952 die Karnevalabteilung des Gesangverein Harmonie. Die starke Abteilung war gleichzeitig Belastung und Jungbrunnen für den klassischen Gesangverein.

1958 übergab der Gründungspräsident Ludwig Größer die Präsidentenmütze an Walter Zörb. Von Beginn bis heute existiert die Tanzformation »Lindenblüten«. In den Anfangsjahren gab es ein Doppelquartett und von 1962 bis 1994 sollten die »Rebläus« die Tradition der Musik- und Gesangsdarbietungen mit großem Erfolg fortführen. Die ersten Elferratssitzungen wurden im Vereinslokal »Zum Rebstock« veranstaltet. Aber bald erwies sich der Saal zu klein und ab 1956 war die Großen-Lindener Turnhalle Veranstaltungsort der »Harmonie-Karnevalisten«.

Im musikalischen Teil glänzten über Jahre das Harmonien-Quartett und ab 1962 die Rebläus. 1966 wurde Gerhard Urbaniak zum Vorsitzenden gewählt, er sollte es bis 1983 bleiben, ihm hat der Lindener Karneval und der KVH speziell viel zu verdanken.

Platz in der Halle reichte nicht mehr

Jetzt war die Zeit der Ballettgruppen. Das »Schwabbelballett«, das »Harmonien-Ballett« wurden gegründet. Es entstand die zweite Elferratssitzung, da die Plätze in der TV-Halle schon lange nicht mehr ausreichten, alle interessierten Gäste aufzunehmen. Über drei Jahrzehnte sorgten die »Pitjes« für Stimmung, begründeten nach den »Rebläus« eine neue Ära. Eine Kinderfaschingsveranstaltung findet seit 1976 am Faschingsdienstag statt, die als ein Highlight im Jahresablauf gesehen werden kann.

1982 übergab nach langen Jahren Verantwortung als Sitzungspräsident Walter Zörb sein Amt an Friedel Hartel, der dann 1983 auch den Vorsitz von Gerhard Urbaniak übernehmen sollte. Der KVH wurden Mitglied in der »IGMK« (Interessengemeinschaft Mittelrheinischen Karneval). Mittlerweile verfügt der Verein auch über ein eigenes Clubheim, welches zum rasanten Anstieg der Mitgliederzahl beitrug. Zählte der KVH 1970 gerade mal 50 Mitglieder, waren es 1984 bereits deren 200 und aktuell sind es, nach einem Höhenflug von 800 Mitgliedern zum 55-jährigen, 666 Mitglieder. Das alte Backhaus wurde zum Clubheim ausgebaut.

1994 übernahm Jürgen Arnold den Vorsitz von Dieter Carle, später auch den Sitzungspräsident von Friedel Hartel. Es begann die Zeit der Fernsehfassenacht in Linden. Nach der Beteiligung von Chaotenjäger, Hupfdohlen und dem KVH-Tanzpaar bei der vom Hessischen Rundfunk produzierten und auch in der ARD ausgestrahlten Sendung wurde »Hessen lacht zur Fassenacht« in Linden aufgezeichnet, die Weiberfastnachtssendung folgte im Januar 2002 und im Februar 2003 hieß es »Männer an die Macht«.

Zum 50-jährigen Jubiläum 2002 waren im Sommer die Klostertaler zu Gast und es gab einen riesigen Festzug durch die Lindener Straßen. 2007 zum 55-Jährigen spielten in der Stadthalle die »Bläck Fööss« auf. Seit 2010 steuerte Carsten Born das Narrenschiff und wollte eigentlich sein Amt als Sitzungspräsident bereits an Stefan Jung weitergeben. Corona stand dem bisher im Wege, dies soll nun offiziell in der nächsten Sitzungsrunde erfolgen. Dann wird es auch ein neues Motto geben, denn die Orden samt Motto dieser (ausgefallenen) Kampagne, werden nicht erneut verwendet. Und so wird dann hoffentlich bei der Kirmes-Fastnacht das Motto noch einmal »In Rio unterm Zuckerhut - Linden feiert auch sehr gut« lauten.

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