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Weißbinder Muhl Verfasser des Lindener Fastnachtsgedichts

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Helmut Faber hatte das Original »Der Linner Carneval« mitgebracht. © Wißner

23 Strophen umfasst das Großen-Lindener Fastnachtsgedicht, »Der Linner Carneval«. Helmut Faber vom Heimatkundlichen Arbeitskreis präsentierte beim Stammtisch jetzt das Original

Linden (twi). 23 Strophen umfasst das Großen-Lindener Fastnachtsgedicht, welches Ende des 19. Jahrhunderts von einem Weißbinder geschrieben wurde. Dieses stand im Mittelpunkt des Februar- oder besser gesagt Fastnachts-Stammtischs des Heimatkundlichen Arbeitskreises Linden. Vorsitzender Helmut Faber hatte zur Zusammenkunft im »Lindener Hof« in Großen-Linden eine fast acht Minuten lange Tonbandaufzeichnung von Dr. Alfred Keßler aus dem Jahr 1952 mitgebracht, in welcher dieser Karl Keßler (Jahrgang 1871) zum Fastnachtsgedicht wie auch zum Fastnachtsbrauch in Großen-Linden interviewte. Gerhard Zörb hatte die Tonbandaufzeichnung digitalisiert. Wie Karl Keßler berichtete, wurde »Die Fassenoacht ean Leanne« Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts erst am Fastnachtsdienstag gefeiert. »Da ging es am Abend los, da hatten die Mädchen ihre Kreppeln gebacken. Und wir gingen in die Häuser, in die Spinnstubengesellschaften. Die Jungs waren dabei gekleidet im Domino.« Einige Sänger des 1879 gegründeten Gesangvereins Germania begannen 1886 mit einem Umzug. Ludwig Muhl (1847-1920), gelernter Weißbinder, leitete den Chor von 1881 bis 1885 und anschließend den Bruderverein Harmonie von 1886 bis 1892.

Keßler nannte Muhl als Verfasser des Fastnachtsgedichts »Der Linner Carneval«, welches wohl in den 80er-Jahren von diesem zu Papier gebracht wurde. Muhl war nach den Worten Keßlers »Maler und Komiker, der war alles«. Sowohl in der Großen-Lindener Chronik von 1977 als auch im Buch zur 1200 Jahrfeier Großen-Lindens 1990 findet sich dieses Gedicht - jedoch noch mit einigen Fehlern. Als Verantwortlicher des Buches zur 1200-Jahrfeier nahm Faber diesen Faux Pas mit Humor, denn auch Keßler hatte bei seiner Tonbandaufzeichnung das Gedicht fehlerhaft vorgelesen. Vor zwei Jahrzehnten hatte Faber die ersten Teile bei Marie Luh gefunden. Auf die Originalverse 17 bis 23, die lange als verschollen galten, stieß er erst vor wenigen Jahren im Nachlass von Hiltrud Wagner. Zur Zusammenkunft hatte Faber, weil sich in dem Gedicht auch zahlreiche Ortsnamen finden, dazu passend eine einst von Keßler erstellte Ortsnamenskarte mitgebracht. In dem nach eigenen Angaben »Humoristisch-belletristisch-satyrisches Scherzblatt Die Linner Faßnachtsbretzel« findet sich ein erster Abdruck und so, wie es auf der Titelseite heißt »Gelta Dou goukste«, ging es auch den Stammtischteilnehmern, die nun erstmals in einer historischen Tonbandaufzeichnung sowie auch zum Nachlesen »Der Linner Carneval« vorfanden.

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