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»Beruf bereichert unglaublich«

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Ein eingespieltes Team: Sylvia Venohr (r.) und Masorca Schmitt. © Momberger

Pflegedienstleiterin Sylvia Venohr gehört im Seniorenheim am Grünen Weg in Lollar »zum Inventar«.

Lollar . (dge). Die Kinder waren aus dem Gröbsten raus, da lag es für Sylvia Venohr nahe, sich wieder einen Job zu suchen. Eher durch Zufall ist sie 1990 ins Haus am Grünen Weg gekommen. Eine Aushilfskraft wurde gesucht, die heute 62-Jährige, die eigentlich Verkäuferin gelernt hatte, nahm an.

Seit 25 Jahren ist sie fester Bestandteil des Teams, seit 22 Jahren hat sie nun schon die Pflegedienstleitung inne. Zum 25-jährigen Dienstjubiläum überraschten Einrichtungsleiterin Masorca Schmitt und die Kollegen Sylvia Venohr mit einem kleinen, aber feinen Empfang.

Wer nun nachgerechnet hat, hat schnell gemerkt, dass es von 1990 bis 2022 mehr als 20 beziehungsweise 25 Jahre sind. Bringen wir ein wenig Licht ins Dunkel: 1995 entschloss sich Venohr, die Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin zu beginnen, schloss diese zwei Jahre später erfolgreich ab. Seither ist sie ohne Unterbrechung im Haus am Grünen Weg tätig, gehört quasi zum Inventar. »Das hier ist meine ›Mit-Familie‹«, schmunzelt sie. In der Tat sei die Einrichtung so etwas wie ein Familienbetrieb. »Meine Mutter hat bis zu ihrem 80. Lebensjahr in der Wäscherei gearbeitet, meine Tochter arbeitet in der Verwaltung, mein Sohn in der Haustechnik. Und das ist nicht nur bei mir so.« Sie schätzt es, dass fast alle Mitarbeiter schon sehr lange dabei, eben Teil dieses familiären Kollegiums, sind. Auch wenn der Träger des Pflegeheims wechsle, das Team bleibe. Diese Kontinuität bringe auch Festigkeit. »Wir sind eine eingeschworene Truppe.« Das sei auch wichtig in diesem Beruf, denn man habe es mit Menschen zu tun. Es ist nicht nur das Umfeld, sondern auch der Beruf an sich, den sie liebt. »Das ist nicht einfach ein Job, da muss man schon ein bisschen dabei sein«, beschreibt sie ihre Aufgabe. Man erlebe Höhen und Tiefen, begleite Sterbeprozesse, habe an Schicksalen teil. »Das muss man auch können.« Leider finde der Beruf wenig Anerkennung, obwohl er so vielfältig sei.

Jeder Tag sei anders. »Man kann das nie vorhersagen. Den Alltag bestimmen unsere Bewohner. Wenn es denen gut geht, wenn sie uns anlächeln, dann wissen wir, wir haben es richtig gemacht.«

Man müsse offen und transparent sein, auch oder gerade den Angehörigen gegenüber. »Ausflüchte gibt es nicht, es gibt klare Antworten auf die Fragen von Angehörigen.« Denn auch um die müsse man sich kümmern. Da werde auch mal in den Arm genommen, zugehört und getröstet. Dies gelte übrigens auch für das Miteinander im Team, man sei füreinander da.

Auch im Förderverein Seniorenhaus Lollar engagiert sich Sylvia Venohr, hier ist sie Schriftführerin. Gemeinsam mit Masorca Schmitt vertritt sie das Pflegeheim im Lollarer Seniorenbeirat.

Darüber hinaus sitzt sie für die SPD in der Stadtverordnetenversammlung, gehört dem Ortsbeirat Lollar an. Bis vor zwei Jahren hat sie noch in der Gruppe »Black and White« getanzt, heute ist sie förderndes Mitglied des Carnevalvereins Lollar. Bei Heimspielen der Handballer der HSG Lollar-Ruttershausen sitzt sie für den TSG im Kiosk. »Das alles ist ein bisschen Ausgleich, da kann ich gut abschalten.«

Was würde sie jungen Menschen sagen, die in der Altenpflege arbeiten wollen? »Das ist mehr als ein Beruf. Wir als Team sind 365 Tage im Jahr für unsere Alten da. Das muss jedem klar sein. Wenn man gebraucht wird, ist man da.« Dennoch: »Das ist ein Beruf, der unglaublich bereichert, man lernt sehr, sehr viel. Es ist der schönste Beruf, den es gibt.«

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