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Bezahlbare Wohnungen vorgestellt

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Der Gemeinschaftsraum in der neuen Seniorenwohnanlage in Lollar. © Scherer

Die Arbeiterwohlfahrt schafft in Lollar barrierearme Mieträume für berechtigte Senioren und eine Tagespflegeeinrichtung.

Lollar (sle). Der Kreisverband Lollar der Arbeiterwohlfahrt (Awo) feierte am Samstag die Neueröffnung der Awo-Wohnanlage und -Tagespflege »Am Pfaffenstrauch« in Lollar.

In der Tagespflegeeinrichtung stehen 17 Plätze zur Verfügung, in der neuen Wohnanlage gibt es 23 Wohneinheiten. Im Bereich Seniorenwohnanlage wurden 21 Wohnungen für Einzelpersonen mit einer Wohnfläche von 45 Quadratmeter eingerichtet. Außerdem finden sich zwei Wohnungen für einen zwei-Personen-Haushalt mit einer Wohnfläche von 60 Quadratmetern. Alle Wohnungen bestehen aus einem Schlafraum, einem Wohnraum mit eingebauter Küchenzeile, einem barrierefreien Badezimmer und einem Abstellraum sowie einem Balkon. Es finden sich drei Raumzuschnitte im Gebäude. Natürlich ist es mit Aufzug versehen.

Barrierearmes Wohnen

Mit beiden Neueröffnungen erweitert die Awo ihr Angebot im Bereich des barrierearmen Wohnens und der Betreuung älterer pflegebedürftiger Menschen. Im Seniorenclubraum der Awo entschuldigte der stellvertretende Kreisvorsitzende Christopher Saal den Vorsitzenden des Awo-Kreisverbandes Gießen-Land, Norman Speier, der sich in Quarantäne begeben musste.

Den Neubau bezeichnete Saal als ein Awo-Markenzeichen, mit größtmöglicher Barrierefreiheit, die die Sturzgefahr reduziert und die Bewegungsfreiheit sicherstelle. Glückwünsche zu dem »Modellprojekt, das passt« kamen auch von Ilona Roth von der Sparkasse, die bei der Finanzierung mit im Boot saß. Gekommen war auch Landrätin Anita Schneider, die betonte, die Awo habe Beispielhaftes geleistet. Der Landkreis hatte sich ebenfalls an der Finanzierung beteiligt.

Es gebe eine große Zahl Menschen, die Hilfe bedürfen. Deshalb sei es so wichtig, dass hier ein sozial ausgewogenes und bezahlbares Angebot geschaffen worden sei, unterstrich Schneider. Explizit nannte sie Karl Fiedler, den sie als Motor des Projekts bezeichnete, und gratulierte ganz herzlich. Fiedler, der das Projekt von Anfang an begleitete, ging in die Anfänge zurück, als sich vor sieben Jahren der damalige Kreisvorstand mit der Frage der Nutzung des großen Freigeländes am bestehenden Pflegeheim in Lollar beschäftigte.

Hier sollte es eine sinnvolle Nutzung des Schwesternwohnhauses mit den fünf Wohneinheiten geben. Sehr schnell war aber klar, dass eine Nutzung für Senioren nicht möglich wäre. Auch das riesige, parkähnliche Freigelände konnte, da es die Mobilität der Bewohner sehr oft nicht mehr zuließ, kaum noch genutzt werden, und lag brach.

In der Zwischenzeit kam der Gedanke im Kreisvorstand auf, eine Wohnanlage für Senioren zu bauen, aber zu bezahlbarer Miete. Außerdem könnte man eine Tagespflege-Einrichtung schaffen, um dem wachsenden Bedarf in diesem Bereich gerecht zu werden. Erste Überlegungen über die zu erwartenden Herstellungskosten mit 3,7 Millionen führten dann zu der Erkenntnis, dass ohne eine öffentliche Förderung dieses Ziel unerreichbar sei.

Über die »Integrative Infrastrukturentwicklungsgesellschaft für Kommunen« konnten Fördermöglichkeiten ausgelotet werden. Die Realisierung rückte in den Bereich des Möglichen, da auch der Landkreis das Projekt »Förderung des sozialen Mietwohnungsbaus im Landkreis Gießen« aufgelegt hatte. Eine Realisierung war damit greifbar nahe, sagte Fiedler.

Ein weiteres Thema war die Einbindung der Stadt Lollar, um das Gelände baurechtlich erschließen zu können. Das Projekt sei wegen seiner Größe im Parlament nicht unumstritten gewesen. Da aber auch die Stadt Interesse an der Ausweisung von weiteren Bauplätzen hatte und eigenes Gelände einbrachte, konnten die planungsrechtlichen Voraussetzungen schließlich doch geschaffen werden. Die Inikom bekam den Auftrag, das Gesamtgelände zu erschließen. Die Awo brachte Grundstücke ein und bekam dafür im Gegenzug das für das Vorhaben benötigte Baugrundstück sowie eine finanzielle Gegenleistung.

Das Architekturbüro Schmitt und Kollegen konkretisierte die Pläne und erstellte eine Kostenschätzung für das Projekt zur Planung der Finanzierung. Dabei standen dann Kosten insgesamt von 3,7 Millionen an. Im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus des Landes Hessen wurde von der WI-Bank ein zinsgünstiges Darlehen von 1,32 Millionen Euro bewilligt sowie ein Förderzuschuss von 329 500 Euro gewährt. Der Landkreis beteiligte sich mit einem weiteren Zuschuss von 505$000 Euro, und die Deutsche Fernseh-Lotterie steuerte legte noch 207 535 Euro dazu. Die verbleibenden Kosten werden nun mit vorhandenen Eigenmitteln finanziert, erklärte Fiedler, der sich stolz zeigte, dass »wir im Kostenrahmen geblieben sind«. Aufgrund der gewährten Fördermittel können die Wohnungen nur an Personen vermietet werden, die den Wohnungsberechtigungsschein für Menschen mit geringem Einkommen haben. Außerdem darf die Kaltmiete einen Betrag von sieben Euro pro Quadratmeter Wohnfläche nicht übersteigen.

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