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Bürgerinitiative wehrt sich gegen Baugebiet

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Lollar (dge). »Wir wollen uns ja nicht abschotten und keinen ins Dorf lassen. Aber irgendwo ist eine Grenze erreicht«, Lioba Krämer und ihre Mitstreiter wollen sich gegen die Ausweisung eines Baugebiets in Ruttershausen wehren. Auf Nachfrage des Anzeigers erklärte Krämer, dass man indes nicht einfach nur »dagegen« sein, sondern sich auch Gedanken um Alternativen machen wolle.

Der Streit um das rund 26 Hektar große Areal schwelt schon seit geraumer Zeit. Jetzt will sich eine Bürgerinitiative gründen. Über 70 Interessierte hätten sich in diesem Zusammenhang zu einer Initiative gegen den Regionalplan Mittelhessen zusammengefunden. Gut 30 von ihnen trafen sich vor Kurzem zu einer Initialveranstaltung. Der Regionalplan lege die Raum- und Flächenplanung für (mindestens) zehn Jahre fest. Im Beteiligungsverfahren kann jeder Bürger seine Einwände gegen den Entwurf vorbringen.

»In Ruttershausen stößt vor allem das ›Vorranggebiet Siedlung S 418‹ auf große Kritik. Die Fläche von 26 Hektar ist völlig überdimensioniert und steht gegen alle Erfordernisse des Klima- und des Artenschutzes«, so die einhellige Meinung. Ein Mitglied der örtlichen Nabu-Gruppe habe eindringlich darauf hingewiesen, dass jeder Quadratmeter Boden, der versiegelt wird, für die Landwirtschaft, die CO2-Speicherung, die Grundwasserbildung und den Artenschutz unwiederbringlich verloren sei. Außerdem widerspreche Paragraf 418 dem Ziel des Regionalplans, die Siedlungsentwicklung auf den zentralen Ortsteil zu konzentrieren. Die Ausweisung kleiner Baugebiete bis fünf Hektar in den Ortsteilen bleibe auch ohne Vorranggebiet möglich.

»Die Ereignisse in der Ukraine, die ein großer Getreideproduzent ist, legen weiterhin nahe, die Hochertragsböden im Lahntal für die regionale Lebensmittelerzeugung zu erhalten und Abhängigkeiten vom Welthandel zu vermeiden.« Deshalb sei auch das »Vorranggebiet für Gewerbe G 409« an der Auffahrt Lollar-Nord zu streichen.

Nun wollen die Ruttershäuser möglichst viele, fundierte Stellungnahmen gegen die Vorrangflächen schreiben und sich mit dem Bündnis »Initiativen für Bodenschutz: kein Quadratmeter mehr« vernetzen.

Fokus auf Ortskern

In Zukunft möchte die Initiative alternative Wohnformen im Ort fördern und die Kommunikation der Dorfbewohner untereinander verbessern. Konkrete Pläne liegen noch nicht in der Schublade. Doch erklärte Krämer, dass man den Fokus auf den Ortskern legen wolle. Als Beispiel nannte sie die alte Schule. Die Bürgerliste Ruttershausen würde hier gerne eine Kneipe einrichten. »Es gibt in Ruttershausen ja keine Gaststätte mehr«, erläutert Krämer. Bei den beiden in der alten Schule befindlichen Wohnungen könne man selbst aktiv werden und gegebenenfalls auch Hand anlegen. Grundsätzlich gehe es der Initiative - abgesehen von der Verhinderung des großen Baugebiets - darum, Altbauten zu nutzen, möglichst generationenübergreifend. »Wohnen gegen Hilfe« sei da ein Gedanke. »Wir wollen ein attraktives und lebendiges Dorf - mit allen Bürgern und für alle Bürger.« Im Moment sollen aber erst einmal die Ziele formuliert werden. Ob hier die Gründung einer Genossenschaft ins Spiel kommt, konnte Lioba Krämer noch nicht sagen, doch sicherlich sei das gerade beim Beispiel alte Schule denkbar. Die Initiative hofft, dass sich auf der Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung am 17. März eine Mehrheit für eine Stellungnahme der Stadt Lollar gegen die im Entwurf des Regionalplans ausgewiesenen Vorrangflächen findet.

Wer die Initiative unterstützen möchte, kann sich an buergerinitiative-ruttershausen@ web.de wenden.

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