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Dort: Freue mich jetzt einfach

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Von: Debra Wisker

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Jan-Erik Dort (l.) nimmt die Glückwünsche von Bianka de Waal-Schneider entgegen. Foto: Wisker © Wisker

Nachlese zur Bürgermeisterwahl: Freude bei Jan-Erik Dort, Enttäuschung bei Bianka de Waal-Schneider.

Lollar . Die Würfel sind gefallen, Jan-Erik Dort (unabhängig) hat die Bürgermeisterwahl in Lollar gewonnen. Er setzte sich mit 51,26 Prozent der Stimmen gegen die Kandidatin von SPD und Grünen, Bianka de Waal-Schneider (48,74 Prozent), durch. »Ich war bis zum Ende hin angespannt, weil ich weiß, wie Wahlen sind«, resümierte der 39-Jährige kurz nachdem das Ergebnis da war. »Das hätte in beide Richtungen tendieren können. Bianka de Waal-Schneider hat einen super Wahlkampf gemacht. Es war sehr fair, es war sehr schön.«

Noch ein wenig ungläubig, dass er es tatsächlich geschafft hat, schmunzelte er, das werde ihm wohl erst beim Amtsantritt am 1. Januar richtig bewusst werden. Er sei jetzt einfach nur glücklich, dass die ganze Arbeit, die auch seine Ehefrau Martina Dort sich zum Beispiel auf den Social Media-Kanälen gemacht habe, von Erfolg gekrönt waren. Auch den vielen Helfern, die Flyer verteilt und ihn auch ansonsten unterstützt hätten, sprach der frischgebackene Bürgermeister seinen Dank aus. »Ich bin froh, dass meine Familie und gerade meine Oma das erleben dürfen. Vor allem für meine Oma ist das ein Wahnsinnsmoment.«

Ob sein Sieg nun der Mobilisierung der Nichtwähler oder der Wahlempfehlung der CDU für Dort zu verdanken ist, mochte er nicht einschätzen. Einzig die niedrige Wahlbeteiligung von nur 38,96 Prozent sei »sehr schade«. Knapp über 50 Prozent sei ein Vorsprung. »Aber ein kleiner Vorsprung, das ist mir bewusst. Das bedeutet, dass fast die Hälfte der Wähler sich für Frau de Waal-Schneider entschieden haben und die muss ich ja jetzt auch abholen.«

Dennoch: »Ich freue mich jetzt einfach, dass wir geschafft haben, was wir erreichen wollten.« Vielleicht habe auch einfach der Heimvorteil genutzt, Schließlich komme er aus Lollar und lebe hier mit seiner Familie. »Viele Menschen konnten sich so schon ein Bild von mir machen.«

Glückwünsche

Bianka de Waal-Schneider sprach Jan-Erik Dort ihre Glückwünsche aus und wünschte ihm alles Gute. Zum Wahlabend erklärte sie, anfangs sei ja noch alles offen gewesen. »Das waren ja zuerst die Ergebnisse der Direktwähler. Die Briefwähler standen da noch aus und bei denen lag ich im ersten Durchgang vorne.« Man habe also abwarten müssen.

Die 55-Jährige zeigte sich zwar enttäuscht, doch sagte sie auch, es sei klar gewesen, »dass das eine knappe Kiste wird«. Nach der Wahlempfehlung der CDU für ihren Kontrahenten habe sie sich schon Gedanken gemacht. »Ich habe mir überlegt, wenn er diese Wähler mobilisiert und ich schaffe das nicht, dann ist klar, dass das ganz knapp werden kann.« Und sie fügt an: »CDU-Wähler würden ihre Stimme nie einer SPD-Kandidatin geben.« Sie habe auch nicht unterschätzt, dass Lollar schon seit 18 Jahren durch einen freien Bürgermeister, Dr. Bernd Wieczorek, geführt wird.

Wenn man sich zudem den Trend anschaue, ließen sich die meisten Bürgermeisterkandidaten als Unabhängige aufstellen. Sie habe indes ganz bewusst zu der Partei gestanden, die sie auch sehr gut unterstützt habe. »Das ist ganz wichtig, schließlich arbeitet man ja auch im Parlament mit den Parteien zusammen.« Ihren Wahlkampf habe sie dennoch mit der gleichen Energie weitergeführt, an Haustüren geklopft, viele Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern geführt. »Die Zeit des Wahlkampfs möchte ich nicht missen. Ich habe sehr viele nette Menschen kennengelernt, so viele tolle Gespräche geführt.« Auch wenn sie verloren habe, sei sie allen, die unterstützt haben, sehr dankbar. »Ich weiß das zu schätzen.« Auch de Waal-Schneider sprach die geringe Wahlbeteiligung von knapp 40 Prozent an. Für die Zukunft müsse man überlegen, wie man das Interesse der Nichtwähler wecken könne.

72 Stimmen

Bernd Wiezcorek zeigte sich durchaus überrascht vom Wahlausgang. »Nein, das hatte ich nicht erwartet«, so der amtierende Bürgermeister. »Die Wähler haben abgestimmt, das ist Demokratie.« Was ihn erstaunte, war, dass es 72 Stimmen waren, die Dort den Sieg brachten. »Das waren genauso viele wie bei meiner Erstwahl vor 18 Jahren«, weist er auf eine verblüffende Parallelität hin.

»Ja, ich bin schon enttäuscht, damit hätte ich nicht gerechnet.« Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller (SPD) hätte sich gewünscht, dass die Lollarer die »einmalige Chance genutzt hätten, eine Frau als Bürgermeisterin zu wählen. Sie hatten sogar zweimal die Chance, es gab zwei Kandidatinnen und beide sind nicht gewählt worden.« Das sei schade, denn im Landkreis Gießen gebe es 17 Bürgermeister und nur eine Bürgermeisterin (Particia Ortmann, Biebertal, Anmerkung der Redaktion). Für unsere Gesellschaft insgesamt sei es sehr wichtig, dass man auch mal einer Frau die Stimme geben Staufenberg behält mit Bianka de Waal-Schneider nun die Erste Stadträtin. »Darüber können wir uns natürlich sehr glücklich schätzen.«

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Ein Drücker von der Oma für Jan-Erik Dort. Foto: Wisker © Wisker

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