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»Ein Ort neben dem Dorf«

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Am Ortsrand von Ruttershausen soll gebaut werden. © Wisker

In Ruttershausen formiert sich heftiger Widerstand gegen die sogenannte große Variante, nämlich 26 Hektar, eines geplanten Baugebiets.

Lollar (sle). »Unterm Grasweg« - so idyllisch sich das anhören mag, in Ruttershausen formiert sich heftiger Widerstand gegen die sogenannte große Variante, nämlich 26 Hektar, eines hier geplanten Baugebiets.

Überdimensioniert

Nun mischt sich die Bürgerliste um Ortsvorsteher Michael Sauer und Ortsbeirätin Martina Karber ein. Die Bürgerliste war zu der Kommunalwahl im März 2021 angetreten und bildet den Ortsbeirat. Knackpunkt ist der Entwurf des Regionalplans des Regierungspräsidiums (RP) Gießen, das eben jene »große Variante« ausweist. In einem offenen Brief wenden sich Karber und Sauer nun an die Bürger. Das große Baugebiet werde in Ruttershausen nicht gewünscht, es sei überdimensioniert, so ihre klare Ansage. Stattdessen spricht man sich für die »kleiner Variante mit rund 30 Bauplätzen aus.

26 Hektar Fläche würde Platz für rund 600 zusätzliche Wohneinheiten bieten. Viel zu viel, meint man. Der Ortsbeirat hatte in seiner jüngsten Sitzung einstimmig gegenüber der Stadt Lollar beantragt, dass alle im aktuellen Entwurf des Regionalplanes für den Bereich Ruttershausen ausgewiesenen Bauflächen- abgesehen vom beschlossenen Bauabschnitt - als »Vorranggebiete Siedlungsfläche Planung« abgemeldet, und im bestehenden Flächennutzungsplan der Stadt Lollar gestrichen werden. Bereits 2019 hatte ein Planungsbüro eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der Stadt zu diesem großen Baugebiet erstellt. In einer Bürgerversammlung wurde massive Kritik an diesem Vorhaben laut. Nachdem sich die CDU-Fraktion im Lollarer Stadtparlament von Anfang an gegen das geplante Baugebiet ausgesprochen hatte, beteuerten im Wahlkampf auch die Vertreter der Grünen und der SPD, dass mit dem geplanten Baugebiet »Unterm Grasweg« die Bebauung in der Gemarkung Ruttershausen beendet werde. Die SPD habe explizit erklärt, dass nicht mehr als 30 Bauplätze entstehen sollten und die Baulandentwicklung in Ruttershausen damit abgeschlossen sei, so Karber und Sauer. Die Grünen hätten sogar erkärt, dass sie dem Teilprojekt »Unterm Grasweg« nur zustimmen würden, wenn ausschließlich nur dieser Bereich bebaut werde. Im Koalitionsvertrag zwischen SPD und Grünen sei vereinbart, dass »in Ruttershausen nur die« kleine Variante« des neuen Baugebietes, ohne Option auf eine spätere Erweiterung an die Hangflächen realisiert wird«. Entsprechend fordere der Ortsbeirat nunmehr konsequenterweise die Abmeldung der Flächen im Regionalplan durch die Stadt. Der Erste Stadtrat Bernd Marold habe mitgeteilt, dass sich der Magistrat bereits mit dem Thema befasst habe, und er davon ausgehe, dass die Stadt Lollar die Flächen nicht abmelden werde. Der Bürgermeister habe zwar um eine Fristverlängerung beim Regierungspräsidenten gebeten, dies sei allerdings abgelehnt worden. Man werde eine Stellungnahme der Fraktionen zu diesem Thema einholen, letztlich aber als Magistrat entscheiden. Sauer kritisierte, dass so eine öffentliche, transparente Diskussion des Themas verhindert werde.

Zusatzbelastung

Martina Karber erklärte, »die Ausweisung einer Siedlungsfläche in dieser Dimension für einen kleinen Ort widerspricht allen Kriterien einer nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums. Neben der großflächigen Versiegelung von wertvollem Ackerland und den negativen Umweltaspekten sind auch demografische und soziokulturelle Aspekte zu berücksichtigen. Hier würde ein Ort neben dem Dorf entstehen, mit massiven Eingriffen in die Lebensqualität der Dorfgemeinschaft.« Weder die Verkehrsanbindung noch die sonstige Infrastruktur des Ortsteils Ruttershausen könne eine solche Zusatzbelastung ertragen.

Die Vertreter der Bürgerliste rufen alle Bürger der Stadt auf, die Möglichkeit des öffentlichen Beteiligungsverfahrens zu nutzen und eine Stellungnahme abzugeben. Auf der Internetseite »Regionalplan Mittelhessen Regierungspräsidium Gießen« werden die Unterlagen bis zum 11. März veröffentlicht. Außerdem plant die Bürgerliste eine Bürgerversammlung.

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