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Ferien, die schlau machen

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Für die Aufführung proben die Kinder auch Fechten, natürlich nicht mit echten Schwertern. Foto: Axt © Axt

Lollar (dge). Drei Wochen voller Abwechslung und dabei auch noch etwas lernen - das Programm »Deutschsommer« ist ein Angebot, das genau das nicht nur verspricht. In diesem Jahr findet das Sprachförderprojekt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit Sitz in Frankfurt erstmals auch in Lollar statt. Lollar ist damit die erste Kommune im Landkreis Gießen, die teilnimmt.

Der Landkreis und das Staatliche Schulamt unterstützen das Projekt. »Ferien, die schlau machen« ist der Gedanke, der dahintersteht.

Wioletta Axt blickte im Gespräch mit dem Anzeiger auf drei erlebnisreiche Wochen zurück. Die 27-Jährige ist Grundschullehrerin, unterrichtet die Fächer Kunst und Deutsch als Zweitsprache an der Georg-Büchner-Schule in Gießen. Zum Team gehören ihre Kolleginnen Nurlan Bekir (Sozialpädagogin, ebenfalls Georg-Büchner-Schule), Julia Quecke (Waldschule Daubringen) sowie der Schauspieler und Theaterpädagoge Sebastian Songin.

Theaterstück

Womit wir mit Letzterem schon den Bogen zu einem der Höhepunkte schlagen. Gemeinsam mit Songin haben die Kinder ein Theaterstück erarbeitet und werden beim großen Abschlussfest ihren Eltern zeigen, was richtige Räuber sind. »Ronja Räubertochter« gibt jedem Kind die Chance, mutig zu sein, zu zeigen, was es kann und über sich hinauszuwachsen. Mimik, Glänzen ohne Sprache lautet das Stichwort. Denn Sprache steht ohnehin die kompletten drei Wochen auf dem Programm, wenn auch nicht ständig im Mittelpunkt. »Jeder hat seine Rolle, ist ein Räuber«, so Axt, die das Programm in Lollar koordiniert. »Deutschsommer« richtet sich an Kinder der dritten Grundschulklasse mit Migrationshintergrund. Zuvor gibt es einen »kleinen Sprachausflug, also eine kleine Reise durch die deutsche Sprache. Hier soll geschaut werden, welchen Wortschatz die Kinder haben, inwieweit sie grammatikalisch fit sind. »So wissen wir, wo die Kinder stehen«, erklärt Wioletta Axt. Auch zum Abschluss soll es einen Test geben, so will man die Fortschritte nach den drei Wochen dokumentieren. Elf Kinder aus Lollar und Staufenberg sind mit dabei. Schnöder Unterricht steht indes nicht auf dem Programm. Das Angebot steht auf den drei Säulen Deutsch, Sozialpädagogik und Theater. Nurlan Bekir hat Workshops im Angebot, bei denen die Mädchen und Jungen ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Hier wurden Schatzkisten gebaut und Freundschaftsbänder geflochten, aber auch einen »Wald« als Kulisse gebaut. Ein Ausflug führte auf die Burg Staufenberg, die ausgiebig erkundet wurde. Es habe die Kinder doch sehr fasziniert, dass hier vor Jahrhunderten schon Menschen gelebt haben, erzählt Axt.

Freundschaften

Ein Besuch in der Eisdiele und eine Fahrt in den Wildpark Weilburg rundeten das Programm ab. Jeden Tag von 8.30 bis etwa 16 Uhr verbringen die Kinder beim »Deutschsommer«. Da wundert es nicht, dass neue Freundschaften geschlossen wurden. »Die Kinder aus Lollar kannten sich schon, die aus Staufenberg auch. Als eines der Lollarer Kinder Geburtstag hatte, hat es auch ein Staufenberger Kind eingeladen«, so Axt. Ein großes Lob gab es von ihr für die Regeln, die die Kinder selbst definiert hatten. Eine besagt, dass man leise ist, wenn jemand spricht, eine andere, dass man seinen Platz immer sauber verlässt und sorgsam mit den Materialien umgeht. Drei Wochen Spiel, Spaß und so ganz nebenbei die Deutschkenntnisse verbessern - so lässt sich der »Deutschsommer« wohl treffend zusammenfassen.

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