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Fließender Übergang ist gewährleistet

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Von: Erika Scherer

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Am 17. Mai hat Jochen Becker seinen letzten Arbeitstag. Foto: Scherer © Scherer

Geschäftsführer Jochen Becker beim Zweckverband Lollar/Staufenberg ist in Lollar nach Bernd Wieczorek und Jan-Erik Dort der Nächste, der sein Amt aufgeben wird und in den Ruhestand geht.

Lollar . Nachdem in Lollar Bürgermeister Dr. Wieczorek am Jahresende in Pension gegangen ist und die Buderusstadt mit Jan-Erik Dort ein neues Stadtoberhaupt bekommen hat, dreht sich das Personalkarussel weiter. Geschäftsführer Jochen Becker beim Zweckverband Lollar/Staufenberg ist der Nächste, der sein Amt aufgeben wird und in den Ruhestand geht. Im Interview blickt Becker zurück und erklärt, was sein Nachfolger noch erledigen muss.

Herr Becker, wie geht es Ihnen so kurz vor dem Ruhestand?

Neben den besonderen Herausforderungen im Krisenjahr 2022 haben mich besonders die aufgetretenen und nicht vorhersehbaren Personalwechsel in allen Betriebsbereichen des ZLS intensiv gefordert, so dass bisher keine Abschiedsgedanken aufgekommen sind. Herr Körber hat nun das operative Geschäft zum Januar 2023 übernommen. Ich selbst werde laufende Projekte bis Mitte Mai abschließen und stehe dann zu diesem Zeitpunkt dem ZLS und Herrn Körber noch beratend zur Seite. Ein fließender Übergang in meinen Ruhestand ist somit gewährleistet und ich kann die Aufgaben in meinem Sinne geordnet übergeben. Insofern geht es mir sehr gut. Am 17. Mai ist mein letzter Arbeitstag. Offiziell gehe ich zum 31.12.2023 in Rente, da ich durch Anerkennungszeiten und Arbeitszeitkonten Guthaben an Arbeitstagen habe.

Warum haben Sie sich damals für den ZLS entschieden?

Ich habe bereits 1985 den damaligen Abwasserverband Lollar in allen technischen und investiven Maßnahmen als Beauftragter des Landes Hessen im Wasserwirtschaftsamt Marburg betreut. Als dann in den Jahren 1993/1994 der Ausbau der Kläranlage in Lollar anstand, habe ich den Bürgermeistern im Vorstand des Abwasserverbandes Lollar (Gerd Bocks aus Lollar, Horst Münch in Staufenberg und Gerhard Schmidt Wettenberg) dringend empfohlen, aufgrund der anstehenden immensen Investitionssumme hauptamtliches Personal einzustellen. Im Sommer 1994 erreichte mich dann ein Anruf des ehrenamtlichen Geschäftsführers Werner Deußing, man habe sich im Vorstand intensiv mit meinem Rat befasst, und wolle nunmehr eine hauptamtliche Geschäftsführerstelle ausschreiben. Man sei an einer Bewerbung von mir sehr interessiert. Nach kurzer Überlegungsphase habe ich entschieden, mich zu bewerben und den Schritt aus der Landesverwaltung hin zum Betreiber zu wagen. Ich habe diesen Schritt bis heute keinen Tag bereut.

Unter Ihrer Ägide ist sehr viel beim ZLS geschehen, ich erinnere nur an die Befliegung.

Neben dem aktuellen Befliegungsprojekt, das sich jetzt auf der Zielgeraden befindet, haben wir in meinen fast drei Jahrzehnten, die ich als Geschäftsführer bei ZLS tätig bin, viele weitere wichtige Projekte durchgeführt. Wir haben zum 1.1.2000 die Abwasserversorgung von »Glück auf« mit dem Abwasserverband in Lollar fusioniert, und zum 1.1.2005 wurden die kommunalen Abwasserbetriebe Lollar und Staufenberg übernommen. Seit dem 1.1.2007 sind wir außerdem für den Wasserverband Lumdatal geschäftsführend tätig. Aktuell betreuen wir die Neubaumaßnahme des Hochwasserrückhaltebeckens in der Gemarkung Treis. Dabei gibt es noch weitere Projekte. Der Weg hin zur Zertifizierung nach DIN EN ISO 50001 und den dabei erzielten enormen Energieeinsparungen. Dann den ab dem Jahr 2020 begonnenen Austausch der üblichen Wasserzähler gegen Funkwasserzähler. Der bevorstehende Bau einer großen Photovoltaikanlage direkt neben dem Kläranlagengelände ist auf der Zielgeraden. Hier möchte ich bis zum Ende meiner aktiven Zeit beim ZLS das Vertragswerk zur Unterschriftsreife bekommen.

Hat die Trockenheit der letzten Jahre Einfluss auf die Wassergewinnung bei den Brunnen? Wird das Wasser knapp?

Eine langfristige Prognose ist hier nur schwer zu treffen. Wir sehen auch bei unseren Brunnen insbesondere in den letzten Trockenjahren sinkende Grundwasserstände. Wir haben hier durch die Wiederinbetriebnahme einer Redundanzleitung eine erste Absicherung geschaffen. Weiter beschäftigen wir uns mit den Fragestellungen der Reaktivierung unserer Quellfassungsanlagen in Allendorf/Lumda, und wir halten unsere Wassergewinnungsanlagen in Ruttershausen und Daubringen zur Notwasserversorgung weiter betriebsbereit.

Bei immer mehr Menschen wird das Geld knapp, auch die Mittelschicht sorgt sich wegen steigender Preise. Was bedeutet das für das Gut Wasser und Abwasser?

Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss. Als Wasserversorger in kommunaler Trägerschaft sind wir nicht gewinnorientiert, sondern messen uns an diesen Idealen. Wir arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne der Nachhaltigkeit. Unsere Gebühren enthalten keine Gewinnzuschläge, sondern erfassen nur den tatsächlichen Aufwand.

Was wird Ihnen fehlen?

Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die alle meine Visionen und Ideen mit Leidenschaft und viel Engagement mitgetragen haben. Meinen legendären Spruch zum Jahresende »nächstes Jahr wird es ruhiger«, haben mir diese schon lange nicht mehr abgenommen.

Sie hinterlassen ein gut bestelltes Haus, haben Sie Tipps für Ihren Nachfolger?

Herr Körber ist schon viele Jahre beim ZLS und in seine Aufgaben in der Geschäftsführung hineingewachsen. Ich kann mir keinen besseren Nachfolger vorstellen. Vielleicht ein einziger Tipp. Geben Sie Vertrauen und Verantwortung an Ihre Mitarbeiter beim ZLS ab. Sie werden es mit hoher Loyalität und Engagement zurückzahlen.

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