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Gestatten, Bianka de Waal-Schneider

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Bianka de Waal-Schneiders Devise lautet: »Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.« © Wisker

Bianka de Waal-Schneider, die Kandidatin von SPD und Grünen, sieht sich als »lösungsorientierten Menschen«.

Lollar (dge). In Gedanken schon beim anstehenden Gespräch, fällt eine Radfahrerin ins Auge. Das wird doch nicht…? Doch, sie ist es. Bianka de Waal-Schneider war mit dem Rad genauso schnell am Treffpunkt wie andere mit dem Auto. »Ich steige so oft wie möglich aufs Fahrrad um«, erklärt die Bürgermeisterkandidatin. Am 18. September wird in Lollar gewählt, Bianka de Waal-Schneider ist die Kandidatin von SPD und Grünen.

Kurz zurück zum Fahrrad: Es ist zum einen der Klimaschutz, der sie in die Pedale treten lässt, zum anderen ist sie passionierte Sportlerin - Tanzen, Volleyball, Rennrad - und zum Dritten ist man vom Rad auch mal eben schnell abgestiegen, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Und genau das will sie, mit den Menschen in Lollar reden, ihnen zuhören, erfahren, wo der Schuh drückt. »Transparenz und Kommunikation sind ganz wichtig - auch, wenn es mal unbequem werden kann.« Und noch etwas verrät die 54-Jährige über sich selbst: »Ich bin ein lösungsorientierter Mensch.«, Wie das geht, hat sie schon gezeigt, als sie - gemeinsam mit weiteren Müttern - die Schülerbetreuung in Staufenberg ins Leben rief. Sie wollte damals weiterhin in ihrem Job als Führungskraft in Sachen Personalentwicklung bei der Firma Peek und Cloppenburg arbeiten. Es galt also, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. »Heute gibt es den Pakt für den Nachmittag, damals sah das anders aus«, blickt die dreifache Mutter zurück.

Apropos Rückblick: Wer ist die Frau, die sich künftig für die Belange der Stadt Lollar und ihrer Bürger einsetzen will? Bianka de Waal-Schneider schmunzelt: »Ich bin in Bocholt nahe der holländischen Grenze aufgewachsen. In einer klassischen SPD-Familie.« Sich selbst beschreibt sie als Arbeiterkind, der Vater war Fahrradmechaniker, die Mutter Schneiderin. Nach der Schule studierte sie erst einmal Lehramt, bevor ein Angebot im Einzelhandel lockte. De Waal-Schneider entschied sich für die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, »Sehr zum Leidwesen meiner Eltern, die hätten gerne gesehen, dass ich weiter zur Uni gehe.« Sie dachte nach der Ausbildung zunächst über das Berufsschullehramt nach. »Dann kam das Angebot von Peek und Cloppenburg.« Sie nahm an, bildete sich intern zur Führungskraft weiter. Und so kam sie schließlich nach Hessen. »Meine erste Stelle als Abteilungsleiterin habe ich 1991 in Gießen angetreten.« Ihren Ehemann hat sie schon auf dem Gymnasium kennengelernt, er tritt an der »Weißen Schule« seine erste Stelle als Referendar an, spielte in der zweiten Bundesliga Volleyball für Gießen. »Und er hat in der Bundeswehr-Nationalmannschaft gespielt«, verrät die 54-Jährige. Seit 1997 lebt die Familie in Staufenberg.

2006 trat Bianka de Waal-Schneider als Unabhängige bei der Kommunalwahl an und wurde auf Anhieb in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ein Jahr später tritt sie in die SPD ein. Seit 2011 ist sie Staufenbergs Erste Stadträtin, seit elf Jahren gehört sie dem Vorstand des Zweckverbands (ZLS) Lollar-Staufenberg an. Und noch ein Ehrenamt hat sie inne: Sie trainiert die Tanzgarde des TV Mainzlar. »Das werde ich auch im Fall meiner Wahl weitermachen.«

Gerade Vereine böten Kindern und Jugendlichen gute Entwicklungsmöglichkeiten. Die kommende Generation zu fördern, sei »eine Herzensangelegenheit. Da stellen wir die Weichen für die Zukunft«. Bianka de Waal-Schneider schlägt den Bogen weiter. Bei jungen Menschen schon ein Bewusstsein für den Klimaschutz zu wecken, hält sie für eine äußerst wichtige Aufgabe. »Das ist genauso wichtig wie eine gute Bildung.« Dazu müsse man als Kommune schauen, dass man sich gut aufstelle, dies etwa in den Kitas. Angesichts knapper Flächen in Lollar denkt sie, dass man das Thema Wohnraum mit »viel Fingerspitzengefühl« angehen solle. Es gelte, zu schauen, welche Optionen es gibt und was machbar ist. »Wie gesagt, ich bin lösungsorientiert. Ich schaue mir die Dinge an und überlege, was der beste Weg ist. Ein Weg, der allen Beteiligten gerecht wird.« Denkbar ist für sie, leerstehende Ladenflächen in Wohnraum umzuwandeln. »Aber auch hier muss man im Detail draufschauen. Ich bin für alle Ideen offen, um zu sehen, was ich wie umsetzen kann.« Die bestehenden Gewerbeunternehmen will sie fördern und unterstützen. »Gerade Corona hat uns gezeigt, wie Leben und Arbeiten vor Ort durch Homeoffice funktionieren kann. Mein Mann und ich haben häufig zu Hause gearbeitet, unsere Kinder haben online gelernt. Da war unser Internet schon mal etwas langsamer.« Daher ist für die SPD-Kandidatin auch hier eine gute Infrastruktur wichtig. »Klar, man kann nicht alles auf einmal machen«, weiß sie. Doch sie habe als Erste Stadträtin schon viele Themen begleitet, auch mal unbequeme Entscheidungen mitgetragen. »Man muss den ganzen Teller sehen, über den Rand schauen.«

Wie wichtig das Thema Energieversorgung sei, zeige uns gerade der Krieg in der Ukraine. »Man muss sich die Frage stellen, welchen Beitrag man selbst leisten kann«, ist ihre Devise. Daher verzichte sie immer häufiger auf das Auto, steige auf das Rad oder auf öffentliche Verkehrsmittel um. Dennoch weiß sie, dass es Menschen gibt, die auf ihr Auto angewiesen sind, weiß, dass auch das ein sensibles Thema sein kann.

Was gefällt Bianka de Waal-Schneider an Lollar so gut, dass sie Bürgermeisterin werden will? Die 54-Jährige überlegt nicht lange: »Lollar ist lebendig. Hier ist auch sonntags die Straße belebt. Die verschiedenen Kulturen sind faszinierend, man kann voneinander lernen und das, ohne in ferne Länder zu reisen.«

In den kommenden Wochen und Monaten steht der Wahlkampf an. Wie und wo kann man sich ein Bild von der Kandidatin de Waal-Schneider machen? »Zum einen über die sozialen Medien wie Facebook und Instagram, zum anderen werde ich Haustürwahlkampf machen, Sitzungen und Veranstaltungen besuchen.«

Ein persönliche Frage zum Schluss: Woher kommt der Name »de Waal«? »Das haben mich schon viele gefragt«, lacht sie und zückt das Handy. »Meine Tante hat mir mal diesen Artikel zugeschickt. Da geht es genau darum. ›De Waal‹ kommt aus dem Holländischen und bedeutet ›vom Rhein‹. Da ich das einzige Mädchen in der Familie war, wollte ich diesen Namen gerne erhalten. Also wurde es schließlich ein Doppelname.«

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