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Heizungstausch ins Auge fassen

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Von: Erika Scherer

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Beim zweiten Klimaschutz-Workshop, bei dem es um Gebäude und Energieversorgung ging, diskutierten die Anwesenden nach dem Vortrag in kleinen Gruppen mit den Referenten. Foto: Scherer © Scherer

Nachdem am 20. Oktober eine Veranstaltung zu Klimaanpassung und Mobilität stattgefunden hatte, gab es nun einen weiteren Workshop mit den Themen Gebäude und Energieversorgung.

Lollar (sle). Nachdem am 20. Oktober eine Veranstaltung zu den Themen Klimaanpassung und Mobilität stattgefunden hatte, gab es nun einen weiteren Workshop mit den Themen Gebäude und Energieversorgung, bei der Malte Wolf, Lea Kotyga und Steffen Molitor von der EnergyEffizienz Lampertheim über nachhaltige Heizungstechnologien und erneuerbare Energien sprachen, aber auch über Förderung informierten.

»Wenn wir von erneuerbaren Energien reden, bedeutet das für das Thema Heizungsanlagen die Nutzung von Sonne, Erdwärme, Wasser, Luft und Holz«, sagte Molitor. Es gibt inzwischen veränderte Rahmenbedingungen vonseiten des Bundes, der einen massiven Ausbau der regenerativen Stromerzeugung anstrebt. Ziel ist es, bis 2030 80 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen, heute sind es gerade mal 50 Prozent. Außerdem soll der bis 2030 steigende Strombedarf durch Wärmepumpen und Elektromobilität gedeckt werden.

Eine massive Steigerung soll es durch Zubauraten und Ausschreibungsmengen für Photovoltaik, Windkraft an Land und Off-Shore-Windkraft geben. Verbindliche Flächenziel-Vorgaben für Windkraftgebiete werden differenziert nach Bundesländern ausgearbeitet. Außerdem soll ab Januar 2024 ein Verbot greifen: Ab diesem Zeitpunkt dürfen keine neuen, rein fossilen Erdgas- und Ölheizungen mehr entstehen. Mindestens 65 Prozent regenerative Wärme muss dann genutzt werden. Dies hat Gültigkeit für alle Bestands- und Neubauten, Wohn- und Nichtwohngebäude. Eine besondere Regelung ist allerdings für Härte- und Sonderfälle vorgesehen. Die entsprechende Änderung des Gebäudeenergiegesetzes ist noch 2022 zu erwarten, sagte Wolf.

Eine zulässige Nutzungsdauer von bestehenden Öl- und Gasheizungen wird schrittweise auf 20 Jahre reduziert werden. Möglichkeiten für eine neue Heizung seien das Wärmenetz, das er als sehr sinnvoll erachtete. Hier müsste aber ein Netz des Versorgers vorhanden sein. Eine weitere Möglichkeit sei eine Wärmepumpe, die sich für Einzelgebäudeheizung anbiete. Mit 15 000 bis 20 000 Euro Kosten seien aber die Verhältnisse vieler Eigenheimbesitzer finanziell überschritten. Dann nannte er noch eine Hybridheizung mit einem mindestens 65-prozentigen regenerativen Anteil. Diese wird allerdings nur zeitlich befristet zugelassen und zudem sind dabei zwei Heizungsanlagen notwendig. Aus diesem Grund dürfte sie bei vielen Eigenheimbesitzern schon von vorneherein ausscheiden.

Biomasse eine knappe Ressource

Eine Stromdirektheizung empfahl der Referent nur bei sehr gut gedämmten Häusern mit einem niedrigen Wärmebedarf, da Stromheizungen nicht gerade preiswert sind. Möglich sei auch eine Biomasseheizung mit Pellets oder Hackschnitzel, oder Heizen mit »grünen« Gasen. Dazu sagte Lea Kotyga, dass Biomasse, also grüner Wasserstoff und andere strombasierte synthetische Brennstoffe knappe Ressourcen seien. Aufgrund einer hohen Nachfrage in anderen Sektoren werden sie mittelfristig bis langfristig teuer bleiben.

Über die Förderung von regenerativen Energien sagte sie, dass die Förderanträge im abgelaufenen Jahr enorm angestiegen seien. Beim Heizungsaustausch spielen nicht nur Heizkörpergrößen und Vorlauftemperatur des Kessels, sondern auch die Größe des Hauses eine nicht unwesentliche Rolle. Dass derzeit die CO2-Abgabe jährlich steigt, ist auch ein Faktor, eine neue Heizungsanlage ins Auge zu fassen. Explizit sprach sie die Pelletheizung an, die zur Zeit immer mehr Liebhaber findet.

Hier gibt es einen vollautomatischen Betrieb, ähnlich wie bei Gas oder Öl. Nachteile sind allerdings, dass die Asche mehrmals jährlich entsorgt werden muss und auch die Kontrolle durch den Schornsteinfeger ist aufwendiger. Ein Lagerraum für die Hackschnitzel (Pellets) muss ebenfalls vorhanden sein und die Investitionskosten richten sich nach der Verfügbarkeit und der Nachfrage. Als positiv schlägt dabei zu Buche, dass sie weniger Schadstoffe freisetzen und weitgehend CO2-neutral sind. Dazu gibt es eine 25-prozentige Förderung.

Nach diesen Informationen teilten sich die Teilnehmer in Kleingruppen auf, um mit Fachleuten zu diskutieren und Fragen beantwortet zu bekommen. Abschließend erhielt jeder Teilnehmer ein Büchlein mit Tipps und Tricks zu Energiesparmaßnahmen. So verbraucht beispielsweise ein Gefrierschrank mehr Strom als eine Gefriertruhe mit gleicher Effizienzklasse. Erklärt wird das so: Die kalte Luft, die sich unter der Gefriertruhe sammelt, ist schwerer als warme Luft. Wenn der Deckel der Truhe geöffnet wird, strömt weniger kalte Luft aus, als dies beim Kühlschrank der Fall ist.

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