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In der Garage angefangen

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Von: Thomas Wißner

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Firmengründer Horst Watz und Tochter und Geschäftsführerin Christine Stevenson begrüßen die Gäste zur nachträglichen Feier des 50-jährigen Firmenbestehens. Foto: Wißner © Wißner

Was Horst Watz 1971 quasi als Einmannbetrieb begann, entwickelte sich zur heutigen Watz-Gruppe mit 250 Mitarbeitern. Jetzt wurde das 50-jährige Firmenbestehen nachträglich gefeiert.

Lollar (twi). Auf 50 Jahre Firmengeschichte blickte das Lollarer Unternehmen Watz Hydraulik GmbH im vergangenen Jahr zurück. Corona-bedingt wurde die Feier nun nachgeholt.

»Wie bei vielen Gründern, die zu globalem Erfolg kamen, begann die Gründung in einer Garage. Und auch unser Unternehmen wurde 1971 auf dem Hof meiner Großeltern von einem jungen Ingenieur gegründet, der zu willensstark für ein Angestelltenverhältnis war.« Geschäftsführerin Christine Stevenson ist die Tochter von Horst Watz, dem Mann, dessen Erfolg in der heimischen Garage begann. Das Unternehmen fertigt in Lollar höchst effiziente hydraulische Antriebssysteme.

Rund 160 Gäste, darunter auch Lollars Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek, hatten sich auf dem Schiffenberg eingefunden, um das Firmenjubiläum - »50 plus eins« - zu feiern. »Tradition, Pioniergeist und Innovation - Dafür steht die Watz Hydraulik GmbH bereits seit zwei Generationen«. Mit diesen Worten war zur Jubiläumsfeier eingeladen worden.

Was Horst Watz 1971 quasi als Einmannbetrieb begann, entwickelte sich über ein Sechs-Mann-Unternehmen zur heutigen Watz-Gruppe mit 250 Mitarbeitern an den drei Standorten Lollar, Stadtallendorf und Kamen. »Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft können zu einer Quelle neuer Kraft verschmelzen. Wir bei Watz Hydraulik sind stolz, auf 50 Jahre Firmengeschichte zurückzublicken. Die Vergangenheit war ein reines Erfolgserlebnis. Die Gegenwart ist etwas bedrückend und mit Sorgen verbunden. Aber in die Zukunft schauen wir optimistisch«, so Stevenson, die vor drei Jahren die Geschäftsführung von ihrem Vater und Firmengründer Horst Watz übernommen hatte. »So traurig wir auch waren, das Fest 2021 verschieben zu müssen, so dankbarer sind wir, dass wir heute feiern können«, ging Stevenson auf die Herausforderungen der vergangenen drei Jahre ein. 2020 seien durch Corona die Umsätze zurückgegangen. »Und die Auswirkungen spüren wir heute noch. Aktuell haben wir Probleme auf dem Zuliefermarkt. Eigentlich sind unsere Auftragsbücher gefüllt, aber es mangelt an der Umsetzung. Wir sind grundlegend wieder voll auf Kurs, das können und sollten wir heute hier genießen.«

Stevenson umriss die Firmengeschichte kurz. 1971 sei ein ganz besonderes Jahr für Horst Watz gewesen. Vor 51 Jahren habe er nicht nur seine Firma gegründet, er habe auch Ehefrau Margit geheiratet und sei Vater geworden. »Was für eine Reise vom Bauernhof zum international erfolgreichen Mittelständler in fünf Jahrzehnten«, so die Geschäftsführerin. Erfolgsfaktor dabei seien vor allem die Mitarbeiter, »ein Spitzenteam«. Aus dem Nähkästchen plauderte sodann Horst Watz: »Eigentlich hat alles 1941 begonnen, als ich geboren wurde, im Zweiten Weltkrieg bei den Großeltern in Kinzenbach in der Landwirtschaft aufgewachsen bin.« Nach dem Krieg ging es nach Klein-Rechtenbach, »eingeschult als einziger Junge mit vier Mädchen des Jahrgangs.« Als der Vater aus dem Krieg nicht mehr zurückkehrte, zog er wieder zurück zu den Großeltern und besuchte in Kinzenbach die Volksschule. Es folgte eine Lehre als Feinmechaniker in Wetzlar, die er als Facharbeiter abschloss. »Doch ich wollte nicht ewig Schräubchen drehen. Mein Wunsch war ein Ingenieurstudium«, so Watz, der über die Abendschule und Aufnahmeprüfung den Sprung an die Ingenieurschule schaffte. Er schloss sein Studium nach sechs Semestern als Ingenieurkraft ab. Über eine Hydraulikfirma in Bad Homburg und den Verkauf wagte er den Sprung in die Selbständigkeit. Horst Watz erzählt weiter: »1971 die Hochzeit mit Margit, der Beginn als Einmannbetrieb in Mainzlar mit Null Startkapital. Auf das Haus der Mutter wurde eine Hypothek eingetragen, weil keine Bank einen Kredit gewähren wollte. Nach einem Jahr kam ein erster großer Auftrag«.

1978 änderte sich nicht nur die Rechtsform zur heutigen Horst Watz GmbH, auch der Firmensitz wurde nach Daubringen verlagert und 1985 dann nach Lollar. Es folgten 1996 und 2002 Erweiterungen am Standort in Lollar, wo aktuell 50 Mitarbeiter beschäftigt werden. 2006 folgte der Erwerb der Faudi GmbH in Stadtallendorf, ein weltweit aufgestelltes Unternehmen der Filtrationstechnologie, das mit heute 120 Mitarbeitern zur Watz-Gruppe gehört. 2013 kam das Unternehmen Hydro-Service Zylinderbau GmbH aus Kamen (NRW) hinzu. Das 1954 gegründete Unternehmen mit aktuell 85 Mitarbeitern hat sich auf die Fertigung von Sonder- und Großzylinder spezialisiert.

»Trotz aller Unwägbarkeiten stehen in dieser Dekade auch weiterhin die Themen Innovation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Fokus«, blickt Horst Watz nach vorne.

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