1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Lollar

Klimawandel in sieben Sätzen

Erstellt:

gikrei_0809_HouseonFire4_4c
Sänger und Musiker boten ein äußerst anspruchsvolles Werk, das die Gäste in der Lollarer Kirche unweigerlich in seinen Bann zog. Foto: Stender © Stender

Zum Applaus erhob sich das Publikum aus den Sitzreihen in der Lollarer evangelischen Kirche, Die Uraufführung von der Komposition »House on fire« bewegte und begeisterte.

Lollar (red). Aufgrund eines technischen Fehlers war in der Ausgabe vom Mittwoch die Berichterstattung über die Uraufführung von »House on fire« nicht korrekt. Daher wird an dieser Stelle noch einmal über das hoch ambitionierte Projekt berichtet.

»Dieses Werk verdient es, noch an ganz vielen Orten auf der Welt aufgeführt zu werden«. So bewegt und begeistert wie die Menschen sich zum Applaus aus den Sitzreihen in der Lollarer evangelischen Kirche erhoben, teilte das Publikum der Uraufführung von der Komposition »House on fire« ganz offensichtlich den von Dekanatskantorin Daniela Werner am Ende des Konzerts geäußerten Wunsch.

Komponiert

In den Worten der Kirchenmusikerin schwang auch die Erleichterung und Freude darüber mit, dass das von der Bandoneonistin Judith Brandenburg komponierte Werk endlich das Licht der Welt erblicken durfte. Geplant war die Uraufführung für den ökumenischen Kirchentag in Frankfurt im vergangenen Jahr. Die Proben mit der Dekanatskantorei Collegium vocale Kirchberg begannen im Corona-Jahr 2020 und gestalteten sich entsprechend schwierig. Man probte per Zoom oder an Orten, an denen ohne Infektionsgefahr und unter den jeweils geltenden Regelungen gesungen werden durfte: auf dem Treiser Sportplatz und in einer großen Scheune etwa. Die Nachricht, dass der Auftritt beim Kirchentag nicht stattfinden könne, traf alle Beteiligten zunächst hart. Aber es wurde weiter geprobt, um das Werk auf jeden Fall zur Aufführung zu bringen.

Angesichts des an vielen Stellen anspruchsvollen Chorsatzes hielten nicht alle Chormitglieder die Probenphase durch. Die etwa 30 Sängerinnen und Sänger, die am Samstag und Sonntag in der Lollarer Kirche hinter Judith Brandenburg und einem professionellen Streich-Ensemble Aufstellung genommen hatten, bewältigten die schwierige Aufgabe hoch konzentriert, dynamisch klangvoll und von ihrer Chorleiterin hervorragend eingestellt. Das ist umso höher zu bewerten, als die erste Probe mit dem einfühlsam und beseelt spielenden Orchester gleichzeitig die Generalprobe am Samstagmittag war.

Spürbare Folgen

Worum es in »House on fire« geht, erläuterte Komponistin Judith Brandenburg höchstpersönlich. In sieben Sätzen greift die »Komposition für gemischten Chor, Solosopran (Kira Petry), Bandoneon (Judith Brandenburg), Klavier (Marion Bathe) und Streichorchester die enormen Auswirkungen des Klimawandels und ihre direkt spürbaren Folgen auf. »Es ist fünf vor zwölf«, klärte Judith Brandenburg das Publikum auf, »und unser Haus steht bereits in Flammen.« Gleichzeitig sieht sie ihre Komposition auch als ein »Lob an unsere Mutter Erde, denn wir sind ein Teil der Erde und sie ist ein Teil von uns«, zitiert sie einen Ausschnitt aus dem Text, den Dieter Siebert zu dem Werk beigesteuert hat. Schöpfung - Feuer - Wasser - Erdenlob - Seuche - Gier - Agnus Dei lauten die Überschriften der musikalischen und textlichen Auseinandersetzung mit den einzelnen Aspekten des Klimawandels.

So folgt auf das Licht, das in der Finsternis erstrahlt, das Feuer, das tausend Jahre brennt. Am Beginn des dritten Satzes zitiert der Bass auf Englisch steigende Wasserstände, um das Ansteigen der Ozeane zu beschreiben. Bevor mit »Seuche« der musikalisch anspruchsvollste Satz beginnt, kann das Publikum sich beim beschwingten Erdenlob erholen. Der sechste Satz greift die Philosophie des »Mehr und Mehr« der Finanzmärkte auf und wiederholt am Ende noch einmal dringlich das Hauptmotiv: »Our house is on Fire!«. Im letzten Satz wird nicht nur der Wunsch nach Frieden angesprochen, sondern es wird deutlich, was jetzt von jedem und jeder zu leisten ist: »Die Antwort war Verantwortung«.

Ausstellung

Komplettiert wurde das bewegende Konzerterlebnis, aus dem sowohl die Mitwirkenden als auch das Publikum beseelt und sichtlich berührt hinausgingen, durch eine interaktive Ausstellung im angrenzenden Gemeindehaus. Studierende der Uni Gießen unter Leitung von Dr. Sonja Geiger hatten entlang der sieben Sätze der Komposition Stationen gestaltet, an denen die Auswirkungen des Klimawandels mit unterschiedlichen Mitteln deutlich gemacht wurden.

Auch interessant