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Lollar will mehr Klimaneutralität

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Sowohl auf kommunaler wie auch auf privater Ebene soll auch in Lollar Zug um Zug erneuerbaren Energien der Vorzug gegeben werden. Symbolfoto: dpa © Red

Lollar (sle). Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek zeigte sich bei der Eröffnung der Auftaktveranstaltung »Quartierskonzept Kernstadt Lollar« begeistert vom Interesse der Bürger. »Es ist ein Angebot an Sie, das nur erfolgreich sein kann mit Ihrer Mithilfe.« Er sprach den Fragebogen an, der an alle Lollarer Haushalte verteilt worden war. Hier hatte die Stadt Fragen zu Art der Heizung, Wärmedämmung des Hauses, Photovoltaikanlage und andere Fragen Energie betreffend gestellt und um Beantwortung bis Anfang April gebeten.

Optimierung

Dr. Philipp Schönberger von der Firma Ewa (Lampertheim) erklärte, dass sein Unternehmen zukunftsfähige Energiekonzepte für öffentliche, geschäftliche und private Auftraggeber erstelle. Über 90 Projekte seien für Kommunen in vielen Bundesländern entwickelt worden. Bei der Kommunalberatung schließe die Gebäudeoptimierung auch die Beratung über Fördermittel ein. Die Firma sei aber auch bei der Baubegleitung tätig. Auf dem Weg zur Klimaneutralität stehe der Ersatz von Ölheizungen ganz oben. Ziel sei es, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Das ins Auge gefasste Quartier in der Kernstadt Lollar hat 570 Hektar Fläche und 6600 Einwohner. Es besteht aus Wohn- und Gewerbegebieten sowie Industrie. Der erste Schritt sei eine Bestandsaufnahme rund um den Gebäudebestand, mit Energieverbrauch, Kosten und Emissionen im Ist-Zustand und dann um Sanierungsvarianten. Es werde ein Konzept mit Handlungsempfehlungen für die Stadt geben, ein Konzept als Baustein für die Umsetzung.

»Wir erstellen einen individuellen Gebäudesteckbrief«, sagte Schönberger. Dann erläuterte er, wie der Fragebogen auszufüllen sei. Man könne sich gerne an die Stadt wenden, wenn Unklarheit darüber besteht, betonte er. Es sei nicht nur eine effiziente Heizung wichtig, »sondern auch noch andere Faktoren wie Wärmedämmung, doppelt oder dreifach verglaste Fenster, um die Wärme im Haus zu halten.« Wieczorek versicherte, dass alles freiwillig sei, die Stadt könne nur ein Angebot machen. »Wir werden die Rahmenbedingungen schaffen. Sie werden nicht gezwungen, Sie können wenn Sie wollen«. Aus den Reihen der Bürger wurde die Befürchtung laut, dass man das alles nicht bezahlen könne. »Wird eine alte Heizungsanlage erneuert, so kann man bis zu 50 Prozent Förderung bekommen«, betonte Schönberger. In Kombination mit einem individuellen Sanierungsplan gebe es noch eine zusätzliche Förderung. Die nächsten Schritte sehen jetzt so aus: Bis zum 8. April soll der Fragebogen in der Verwaltung abgegeben werden und die Einspruchsfrist bezüglich Foto des eigenen Gebäudes endet ebenfalls am 8. April. Dann soll es in weiteren Schritten Erläuterungen der Gebäudesteckbriefe geben, die kostenlos sind, und Workshops, in denen die Bürger mitarbeiten. Außerdem gibt es Handlungsempfehlungen für die Stadt.

Franz Borgner, einer der Vorstände der in Buseck ansässigen Sonnenland Bürger-Energiegenossenschaft, stellte deren Konzept vor. »Wir arbeiten mit Bürgern für Bürger, um die Sonnenland-Projekte umzusetzen.« Staufenberg, Laubach, Buseck und Langgöns seien unter anderem Kommunen, mit denen man zusammenarbeite. Die Mitglieder können maximal zwei Anteilsscheine zeichnen, wobei ein Anteil mit 100 Euro berechnet wird. Die Sonnenland EG hat laut Borgner über acht Millionen an Investitionen getätigt, 48 Photovoltaikanlagen auf Dächern errichtet, hat zwei eigene Solarparks, ist an vier Solarparks beteiligt, wobei drei in eigener Verwaltung sind, und hat eine Bilanzsumme von zwölf Millionen Euro. Lollar werde sich der »Energiegesellschaft Lumdatal« anschließen.

Anlagen

Dabei könnte als erstes Projekt eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Lollarer Rathaus entstehen, sagte er. Alle Anlagen seien auf 20 Jahre ausgelegt. »Wir nehmen nur Projekte in Angriff die sich auch lohnen«, hob Borgner hervor. Die Anteilsscheine der Mitglieder würden jährlich mit zwei bis drei Prozent vergütet. Eine Frage der Anwesenden war, was geschehe, wenn nach 20 Jahren zurückgebaut werde. Man habe die dafür anfallenden Kosten von Anfang an einkalkuliert, lautete die Antwort.

Bernd Wieczorek teilte mit, dass die Stadt Lollar vorhabe, sich an den gerade entstehenden Windkraftanlagen in Staufenberg zu beteiligen. Er nannte die Bürgerbeteiligung »eine gute Sache«. Am Donnerstag wird die Frage der Beteiligung im Lollarer Finanzausschuss beraten werden.

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