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»My Way« für Klinkel und Wieczorek

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Von: Erika Scherer

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In Lollar war das Heeresmusikkorps Kassel zu Gast. Das 50 Personen umfassende Orchester tritt ausschließlich zu karitativen Zwecken auf. Foto: Scherer © Scherer

Es war eine Veranstaltung, die den rund 700 Besuchern sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben wird.Das Benefizkonzert des Heeresmusikkorps 2 im großen Saal des Bürgerhauses.

LOLLAR (sle). Gänsehautfeeling machte sich am Dienstagabend im Lollarer Bürgerhaus breit, als im großen Saal das Benefizkonzert des Heeresmusikkorps 2 mit seinem Dirigenten Tobias Terhardt zu Ende ging und als krönender Abschluss des Konzerts im halbdunklen Saal noch die Deutsche Nationalhymne erklang.

50 Musiker standen auf der Bühne und nahmen den Dank des ebenfalls stehenden und applaudierenden Publikums für einen wundervollen Konzertabend entgegen. Es war eine Veranstaltung, die den rund 700 Besuchern sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben wird. Doch zurück zum Anfang: Lollars Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek zeigte sich von dem guten Besuch sehr angetan und nannte dies ein Kompliment für die Musiker, die bereits vor vier Jahren in Lollar gastiert hatten, und auch damals begeistert verabschiedet wurden. Eigentlich hätte die Veranstaltung bereits im vergangenen Jahr stattfinden sollen, aber Corona machte einen Strich durch die Rechnung.

Dank an Musiker

Umso mehr freute sich der Rathauschef, dass das Benefizkonzert nun stattfinden konnte, denn der gesamte Erlös kommt in Lollar wieder der Jugendarbeit in den Vereinen zugute. Dass dies ermöglicht wurde, ist auch dem Orchester zu verdanken, denn das Heeresmusikkorps spielt ohne jegliches Honorar, wie auch schon vor vier Jahren. Deshalb ging ein ganz besonderer Dank an die Musiker. Dass sich eine solche Veranstaltung nicht von alleine organisiert, sondern Menschen braucht, die sich engagieren, ist jedem klar.

Der ganz besondere Dank des Bürgermeisters ging deshalb an Horst Klinkel, der mit einem enormen ehrenamtlichen Arbeitspensum wieder im Einsatz war. Da sich Klinkel, ebenso wie Bürgermeister Wieczorek, Ende des Jahres aus allen Ämtern zurückzieht, sagte der Bürgermeister, er könne nur hoffen, dass die Nachfolger den bewährten Weg weiter gehen, damit die Vereine weiterhin einen zusätzlichen Obolus für ihre Jugendarbeit erhalten. Das Konzert war im Vergleich zu dem vor vier Jahren mit mehr konzertanten Musikstücken ausgestattet, was für das Orchester eine Herausforderung war, die aber bravourös gemeistert wurde. Gleich am Anfang informierte Dirigent Oberstleutnant Tobias Terhardt, seit Dezember 2015 Leiter des Orchesters, dass man krankheitsbedingt einige Veränderungen am Programm vornehmen musste. »Wir haben den heutigen Abend unter das Motto ›Änderungen vorbehalten‹ gestellt«, sagte er.

Mit dem »Viktoriamarsch« begann das Konzert, wobei hier vor allem die Flügelhörner beeindruckten. Ein Werk von Franz Lehar schloss sich mit dem Walzer »Gold und Silber« an, dem ein Marsch folgte, der laut Terhardt eine lange Tradition hat, der »Marsch I. Bataillon Garde« nach einem Arrangement von Deissenroth. Dann hätte eigentlich Franziska Hofmann einen Solo-Auftritt mit einer Klarinette gehabt, der aber wegen Krankheit der Musikerin ausfallen musste.

»Wintermärchen«

Dafür gab es »Shakespeare Pictures«, die Nigel Hess geschrieben hat, ein für sein umfangreiches vielfältiges Schaffen bekannter Komponist. Das Werk besteht aus drei Sätzen, bei dem sich Wirklichkeit und Scheinwelt ablösen. »Viel Lärm um Nichts« ist dabei eigentlich eine Konzertouvertüre, die vom zweiten Satz, dem »Wintermärchen« abgelöst wurde, und mit dem dritten Satz endet, dem »Einzug Julius Cäsars in den Senat«, den ein Bataillon Blechbläser lautstark ankündigte.

Sehr gut kam beim Publikum an, dass Terhardt die Stücke nicht nur ansagte, sondern auch jeweils kleine Anekdoten dazu zu erzählen wusste. Nach einer Pause stand »Top Gun: Maverick« auf dem Programm, Musik aus einem Actionfilm von 1986, in dem Tom Cruise einen US-Kampfpiloten spielt.

Mit dem nächsten Musikstück entführte das Orchester seine Zuhörer mit dem Stück »Cèra una volta il West« in den amerikanischen Westen. Ennio Morricone dürfte wohl jedem ein Begriff sein. Der italienische Komponist schrieb die Musik für mehr als 500 Filme. Eines der bekanntesten Lieder war »Spiel mir das Lied vom Tod«, das ebenfalls vom Orchester intoniert wurde. Im Arrangement von Mertens brachte das Orchester dann »Toto for Trombones« zu Gehör. Eine Solo-Vierergruppe spielte die Posaunenmelodie, die die melodische Grundidee des Stückes bildete, die dann abwechselnd von den Streichern aufgenommen wurde, und schließlich mit allen Instrumenten endete. Mit »Christopher Cross in Concert« wurde das Publikum mit einem US-amerikanischen Künstler bekannt gemacht, der alle seine Soft-Rock-Stücke selbst geschrieben hat. Das Arrangement stammt von Robert Kuckertz, einem Dirigenten von Kapellen der Bundeswehr. Natürlich wurde die Bitte nach einer Zugabe am Ende laut, die das Orchester auch gerne mit dem Marsch »Alte Kameraden« erfüllte.

Zweite Zugabe

Bürgermeister Wieczorek dankte allen Mitwirkenden und dem Publikum, dass sie durch ihre Anwesenheit einen guten Zweck unterstützen. Dann gab der Dirigent bekannt, dass er ebenfalls mit seinem Orchester »Danke« sagen möchte. Die zweite Zugabe, »My Way« von Frank Sinatra, war das ganz spezielle Abschiedsgeschenk des Orchesters an Bernd Wieczorek und Horst Klinkel. Vom Publikum wurde das mit stehendem Applaus bedacht.

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