1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Lollar

Regionalplan sorgt für Unmut

Erstellt:

Der Ortsbeirat Rutterhausen hat sich nochmals gegen ein rund 26 Hektar großes Baugebiet mit 600 Wohneinheiten ausgesprochen.

Lollar (sle). Der Entwurf des Regionalplans Mittelhessen sorgte in der Sitzung des Ortsbeirats Ruttershausen für Unmut. Der Plan, den das Regierungspräsidium (RP) Gießen alle zehn Jahre überarbeitet und neu aufstellt, umfasst Vegetation und Siedlungsflächen in den einzelnen Kommunen.

Für Ruttershausen geht aus dem Entwurf hervor, dass dabei immer noch die »große Variante« des geplanten Baugebietes, rund 26 Hektar, mit zirka 600 Wohneinheiten enthalten ist. Dabei wird Lollar insgesamt im Rahmen der Regionalplanung ein Bevölkerungsrückgang um ein Prozent bis 2035 unterstellt. Die Fraktionen im Lollarer Parlament hatten im Februar 2021 den Beschluss gefasst, dass in Ruttershausen lediglich die »kleine Variante« des neuen Baugebiets, die sich ausschließlich südlich des Rosenweges befindet, ohne Option auf eine spätere Erweiterung in die Hangfläche, realisiert werden soll. Als »kleine Variante« wird das 2,8 Hektar große Gebiet »Unterm Grasweg« bezeichnet, das jetzt bebaut werden soll, was bereits beschlossen wurde. Der Rest der Fläche soll aus dem Regionalplan genommen werden.

Erneuter Beschluss

In Ruttershausen wolle man kein Baugebiet mit 26 Hektar und 600 Wohneinheiten, machte Ortsvorsteher Michael Sauer nochmals deutlich. Konsens besteht dabei nicht nur im Ortsbeirat und in den Lollarer politischen Gremien, auch die Bewohner von Ruttershausen sehen sich dabei auf der Seite des Ortsbeirates. Es wurde erneut ein einstimmiger Beschluss gefasst, dass alle im aktuellen Entwurf des Regionalplans für den Bereich Ruttershausen ausgewiesenen Bauflächen, abgesehen vom bereits beschlossenen Bauabschnitt »Unterm Grasweg«, als »Vorranggebiet Siedlungsfläche Planung« dort abzumelden sind.

Darüber hinaus wurde beantragt, die betreffenden Bauflächen ebenso im bestehenden Flächennutzungsplan der Stadt Lollar zu streichen. In diesem Zusammenhang setzte der Ortsbeirat der Verwaltung eine Frist und erwartet eine Mitteilung bis zum 28. Februar, wann und in welcher Form die Stellungnahme der Stadt Lollar zum Regionalplan Mittelhessen erfolgen wird.

Das Beteiligungsverfahren zum Regionalplan läuft bis zum 11. März 2022. »Falls der Ortsbeirat bis zum 28. Februar keine Rückmeldung der Stadt bezüglich der Abmeldung zum ›großen Baugebiet‹ bekommt, behalten wir uns vor, im Rahmen des förmlichen Beteiligungsverfahrens des Regierungspräsidenten Widerspruch einzulegen und die Bürgerschaft entsprechend zu beteiligen« erklärte Ortsvorsteher Sauer die weitere Vorgehensweise des Gremiums.

Bei der Beratung zum Entwurf des Haushaltsplans 2022 informierte Sauer, dass die Stadt Lollar im Haushalt 2022 für geplante Radwege 452 000 Euro eingestellt habe. Für Ruttershausen meldete er nochmals den Grillplatz an, bei dem die Außenanlagen neu angelegt werden sollen. 30 000 Euro möchte der Ortsbeirat für eine Maßnahme eingestellt haben, bei der am Hellenberg drei Wellen auf der Straße gepflastert werden sollen, um Raser zu einem vernünftigen Fahren anzuhalten, da gerade hier im Kindergartenbereich viel zu schnell gefahren werde. Die Mitglieder nahmen dies zur Kenntnis.

Dann ging es wieder einmal um zu schnelles Fahren. Auf der L3475 nach Kirchberg gab es in der Vergangenheit eine Geschwindigkeitsbeschränkung. Nun wurden die Verkehrszeichen abgebaut und die Landesstraße kann mit 100 Stundenkilometern befahren werden. Bereits in zwei vorhergehenden Sitzungen wurde beantragt, hier eine nochmalige Überprüfung stattfinden zu lassen, da täglich mehrmals landwirtschaftliche Großfahrzeuge die Landesstraße queren. Bisher habe sich nichts getan, bedauerte der Ortsbeirat, vielmehr hatte die Verkehrsschau bereits im Jahr 2017 geprüft und war zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Geschwindigkeitsbeschränkung nicht mehr nötig sei, da sich auf der Höhe des Kirchbergs eine Fußgängerunterführung befinde. Außerdem sei der Straßenbereich sehr gut einsehbar. Die damals getroffenen Feststellungen seien auch heute noch gültig, wurde dem Ortsbeirat beschieden.

Dann ging es um den Kirmesplatz, bei dem beantragt worden war, die Zufahrt nur den Kunden des Campingplatzes zu gestatten. Dies sollte auch vermehrt kontrolliert werden. Außerdem sollte es entsprechende Verkehrszeichen geben. »Wir haben aber nie gewollt und auch nie beschlossen, dass hier Poller aufgestellt werden. Es sollte aber ein Halteverbot auf dem ganzen Platz geben«, betonte Ortsbeirsatsmitglied Martina Karber. Grund des Antrags waren die zahlreichen »Poser«, die den Kirmesplatz als Spielwiese für ihre hochgezüchteten Autos sahen. Bei der Verkehrsschau im Frühjahr ist das Thema wieder an der Reihe. Es liegt dem Ortsbeirat vor allem auch sehr daran, da der Platz wieder eingesät werden muss, was ein Befahren in dieser Zeit dann ausschließt.

Irritationen

Dass es offensichtlich Irritationen bei Beschlüssen gibt, die nicht richtig verstanden oder falsch wiedergegeben werden, zeigte sich beim Radweg, einem Teilstück des »Kork-Wääg« in Richtung Querspange. Hier hatte der Ortsbeirat 2021 beantragt, einen Poller außerhalb des Radweges zu setzen, um für Autos die Zufahrt zu verhindern. Das Protokoll der Verkehrsschau liest sich dann so: »Poller sind auf Radwegen eine Gefahrenstelle und werden von dem Komitee der Verkehrsschau nicht befürwortet.«

»Wir hatten den Poller neben dem Radweg gefordert, nicht auf dem Radweg«, zeigte sich Sauer verärgert.

Auch interessant