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Schon 1,3 Milliarden Fahrzeuge

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Von: Erika Scherer

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Einer der Workshop-Teilnehmer klebt seine Frage an die Pinnwand. Foto: Scherer © Scherer

Die Lollarer Veranstaltung im Zeichen der Klimaanpassung und Mobilität fand nur wenig Resonanz. Dennoch wurden zahlreiche Vorschläge für Verbesserungen gesammelt.

Lollar (sle). Obwohl in den Medien mehrmals zu dem Workshop für Klimaanpassung und Mobilität eingeladen worden war, fanden sich erschreckend wenige Interessierte im Bürgerhaus Lollar ein, um in einer kleinen Runde mitzudiskutieren. Wobei vorrangig Ideen für eine zukunftsfähige Mobilität und auch Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel gesammelt werden sollten.

Eine Einführung in das Thema kam von Lea Kotyga von der »Energy Effizienz« in Lampertheim. Über die aktuell in der Welt zugelassenen 1,3 Milliarden Kraftfahrzeuge sagte sie, »wenn es keine Veränderung im Verkehrssektor gibt, steigen die CO2-Belastungen, der Lärm und die Abhängigkeit von Erdölimporten weiter an. Da aber viele Menschen nicht vollständig auf ein Auto verzichten können, braucht es Alternativen zum Verbrennungsmotor«. Hier bietet sich das E-Auto an. Es ist klimafreundlicher als der Verbrennungsmotor, sowohl als Benziner als auch mit dem Dieselmotor. Das Ziel seien dabei aber 100 Prozent erneuerbare Energiequellen.

Luftqualität

2019 hatte der Anteil an Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung 42 Prozent betragen. Bis 2030 hofft man dies auf 65 Prozent steigern zu können. Auch bei der Lautstärke im Straßenverkehr sind die Elektromotoren im Vorteil. Besonders große Potenziale zur Senkung des Geräuschpegels bestehen dabei für Busse, Räum- und Müllfahrzeuge oder Mopeds und Motorräder, sagte sie. Auch bei der Gesundheit haben die Elektromotoren die Nase vorn: Sie fahren emissionsfrei, dadurch würde sich die Luftqualität in urbanen Gebieten immens verbessern. Es gebe nur die Partikelemissionen durch Reifenabrieb und die Aufwirbelung bei Bremsvorgängen auf dem Boden. Bei den Ressourcen schneiden E-Autos bezogen auf den Energieaufwand auch besser ab als Verbrenner. Lediglich beim Rohstoffaufwand schneiden sie schlechter ab.

Es gelten allerdings bereits Wiederverwertungsvorgaben der Bundesregierung und es ist in der Zukunft davon auszugehen, dass sich diese Bilanz weiter verbessern wird. Ab 2023 gelten auch andere Fördersätze für E-Autos, berichtete die Referentin. Gab es bisher abhängig vom Listenpreis des Modells bis zu 9000 Euro - Käufer von Plug-in-Hybriden erhielten bis zu 6750 Euro -, soll die Förderung ab 2023 für E-Autos unter 40 000 Euro von 6000 Euro dann auf 4500 Euro sinken. Für E-Autos zwischen 40 000 bis 65 000 Euro soll es 3000 Euro geben. Einen Herstelleranteil wird es vermutlich weiterhin geben.

Ab 2024 gibt es weitere Veränderungen: Nur noch E-Autos bis maximal 45 000 Euro sollen dann mit 3000 Euro gefördert werden. Außerdem ist ein Förderdeckel geplant: Für die kommenden zwei Jahre stehen 3,4 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds zur Verfügung. Sind die Förderungen aufgebraucht, wird kein zusätzliches Geld mehr bereitgestellt.

Danach leitete sie über zum Konzept für Gehölzbepflanzungen. Da sich durch die Klimakrise die Hitzeperioden häufen werden, könne man den Hitzeeffekt unter anderem durch Baumpflanzungen mildern, da sie durch Verdunstungskühle zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen. Dabei gilt es, für die Auswahl guter Standorte sowie zur Optimierung der Baumstandorte Lösungen zu entwickeln, bei denen die Anforderungen der Straßenraumgestaltung und anderer Nutzungen gelöst werden. Neben der Auswahl von geeigneten Baumarten sind neben Faktoren wie Standortansprüchen und Verkehrssicherheit die zukünftigen durch den Klimawandel verursachten Bedingungen wie Hitze und Trockenheit zu beachten, außerdem die ökologische Wertigkeit der Gehölze.

Durch Schadstoffbelastung und Versiegelung kommt es zu einer Zunahme von Schadstoffbelastung und Abnahme der Artenvielfalt in der Natur. Eine Reihe von Maßnahmen können dem entgegenwirken. Hier nannte sie unter anderem Blühwiesen, die Aufstellung von Wassertränken für Tiere, das Anbringen von Nistkästen und Insektenhotels. Wichtig sei auch, dass keine Schottergärten angelegt würden, denn diese tragen zum weiteren Verlust der Artenvielfalt bei.

Nach diesen Informationen teilten sich die Anwesenden in kleine Gruppen auf, um Ideen für eine zukunftsfähige Mobilität und Maßnahmen zur Anpassung aufzuschreiben und diese an eine Pinnwand zu heften. Dabei zog sich wie ein roter Faden das Parken vor dem eigenen Haus durch den Abend. Die Verwaltung sollte die Möglichkeit haben, einzuschreiten, wenn überall auf der Straße geparkt wird statt auf dem eigenen Grundstück, war der Tenor. Auch fehlende Fahrradwege wurden moniert.

Weiterer Termin

Die Ideen wurden anschließend besprochen und sollen in einem zweiten Workshop, der am 27. Oktober um 19 Uhr im Bürgerhaus stattfindet, nochmals erörtert werden. Außerdem soll es dann eine Übersicht über aktuelle Förderprogramme rund um die Heizungs.- und Haussanierung geben.

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