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Sommerspaß statt Ferienspiele in Lollar

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Hier ging es für die Ferienspielkinder bei der Feuerwehr noch heiß her. Foto: Scherer © Scherer

In Lollar können die Schulkinder während der Ferien aus rund 20 Veranstaltungen auswählen.

Lollar . 1982 führte Lollar als erste Kommune in Hessen die Ferienspiele ein. Es gab für viele Schüler und Schülerinnen diesen Freizeitspaß, bei dem man nicht selten unter mehr als 60 Angeboten wählen konnte, und dies meist auch noch kostenfrei. Die Stadt Lollar war am Anfang der alleinige Ausrichter, die Nachfrage war sehr gut, es gab Angebote für ganz Sportliche, aber auch für Kinder und Jugendliche, die es lieber ruhiger angehen lassen wollten. Für sie wurden Ausflüge angeboten oder man konnte bei der Feuerwehr reinschnuppern. Kurz, es war ein Angebot, bei dem für jeden etwas dabei war.

Völlig neues Freizeitverhalten

Seit einigen Jahren sind die Teilnehmerzahlen allerdings rückläufig. Lollars Jugendpfleger Martin Eichler berichtet, dass im Vergleich zu 2012 e Viertel Teilnehmer weniger die Angebote wahrnahmen. Dabei bleibt die Arbeit die Gleiche, denn für Organisation und Ausführung wird Personal benötigt. Was besonders ärgerlich dabei ist, dass etliche angemeldete Kinder einfach zu den Veranstaltungen nicht erscheinen, ja sie es noch nicht einmal für nötig halten, sich abzumelden. Dies sei aber kein Lollarer Problem berichtete Eichler, andere Städte hätten ebenfalls damit zum. kämpfen. Das bewog die Stadt zum Umdenken, da sie auch vollständig für die Mittel - jährlich rund 6000 Euro - aufkam. Ab 2014 kam mit der Diakonie dann ein neuer Ausrichter ins Spiel. Die Jugendpflege ist bei der Diakonie angesiedelt, und somit der Arbeitgeber von Martin Eichler. Die Stadt Lollar stellte dem Jugendpfleger dann ab 2018 keine Mittel mehr zur Verfügung. Da sich der Abwärtstrend bei den Teilnehmerzahlen nicht stoppen ließ, kam natürlich die Frage auf, ob sich der ganze Aufwand noch lohne, wie Eichler erklärte. Er sieht das Ganze in einem »völlig neuen Freizeitverhalten der Kinder und Jugendlichen, die froh sind, wenn sie einmal in den Ferien Ruhe haben«, wie der Jugendpfleger dies ausdrückte. Somit war es nur noch ein kleiner Schritt, zur Aufgabe der Ferienspiele. Viele Vereine hätten zwar gerne weitergemacht, können das aber alleine gar nicht leisten, denn hier stehe auch noch das Personalproblem, da in Vereinen vieles ehrenamtlich geleistet wird. Eichler hat nun den »Sommerspaß« ins Leben gerufen, der als kleiner Bruder der Ferienspiele gedacht ist. Rund 20 Veranstaltungen werden angeboten, wobei sich der Fokus allerdings verschoben hat, wie Eichler es ausdrückte. »Wir fragen uns, welche Eltern können sich keinen Urlaub mit den Kindern leisten?«, erklärte er. Diese Kinder und Jugendlichen seien in besonderer Weise angesprochen, regelmäßig in den Ferien die Angebote wahrzunehmen. Wie es künftig weitergeht, ist noch völlig offen. Erneut zur Form der Ferienspiele zurückzukehren, davon hält der Jugendpfleger nichts. Selbst ein noch größeres Angebot von 40 oder mehr Veranstaltungen würde wahrscheinlich keine höhere Zahl an Teilnehmern bringen, vermutet er, nur die Arbeit der Verantwortlichen würde dabei ausgeweitet.

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