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Staatssekretär besucht Lollars Klimaschutzmanagerin

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Oliver Conz (l.), Katrin Schleenbecker (2.v.l.), Matthias Knoche (r.), Bernd Maroldt (3.v.r.) und die Mitglieder des Klimabeirats inmitten eines Projekts von Dorina Ludwig (2.v.r.), dem Blühstreifen am Rathaus. Foto: Wisker © Wisker

Staatssekretär Oliver Conz war bei seinem Besuch beeindruckt vom Engagement des seit 2017 bestehenden ehrenamtlichen Energie-und Klimabeirats der Stadt.

Lollar (dge). Von Wiesbaden aus könne man sich »ja viel ausdenken«. Oliver Conz, Staatssekretär im Umweltministerium, zog es vor, sich vor Ort umzuschauen und zu informieren. Denn: Klimaschutz betreffe »den Kern der Daseinsvorsorge«. Daher sei es ihm wichtig, zu sehen, wie man die Kommunen unterstützen könne. Zusammen mit der Landtagsabgeordneten Katrin Schleenbecker (Grüne) und Kreistagsmitglied Matthias Knoche (Grüne) war er zu Gast in Lollar. Die Gäste zeigten sich beeindruckt vom Engagement des seit 2017 bestehenden ehrenamtlichen Energie- und Klimabeirats der Stadt. Und sie zollten der Arbeit von Klimaschutzmanagerin Dorina Ludwig Respekt. »Dass unsere Arbeit solche Wellen schlägt, freut uns sehr«, begrüßte der Erste Stadtrat Bernd Maroldt (SPD) die Gäste aus der Landeshauptstadt sowie die Mitglieder des Klimabeirats.

Einblick

Ludwig gab einen Einblick in die Projekte, die sie seit ihrer Einstellung 2020 umgesetzt und angestoßen hat. Ein eher kleines war die Blühwiese direkt am Rathaus, die in Zusammenarbeit mit den Kindergärten im Zuge der Aktion »Lollar summt und brummt« entstanden ist. Es solle noch weitere Blühwiesen geben, verriet Dorina Ludwig.

Schon 2012 war die Stadt Lollar der »Charta der 100 Kommunen für den Klimaschutz« beigetreten. Damit alleine war es jedoch nicht getan. Nach der Gründung des Klimabeirats wurde 2018 ein Klimaschutzkonzept erstellt und ein Maßnahmenkatalog für das Klimaschutzmanagement erarbeitet. Das mündete schließlich in der Einstellung einer Klimaschutzmanagerin 2020. Nur zwei Jahre später hat diese, nämlich Dorina Ludwig, nicht nur Blühwiesen auf den Weg gebracht, sondern mit dem energetischen Quartierentwicklungskonzept ein in der Tat großes Projekt angestoßen. Doch dazu später.

Die Klimaziele - das energetische Leitbild - besagt, dass Lollar bis 2045 Treibhausgasneutralität erreichen will. Ein ambitioniertes Ziel, das auch mit den derzeit geplanten Bürgersolaranlagen auf dem Feuerwehrhaus in Lollar und dem Kindergarten in Ruttershausen erreicht werden soll. Beide Anlagen werden über die Bürgerenergiegenossenschaft »Sonnenland« umgesetzt, von Bürgern mit ihren - freiwilligen - Einlagen finanziert. Lollarer Bürger dürfen hier investieren, ohne Mitglied bei »Sonnenland« zu sein. Somit wird nicht nur Strom, sondern auch eine Rendite für die Bürger generiert. Erneuerbare Energien sind ein wesentlicher Faktor auf dem Weg zu CO2-Neutralität.

Der Bauhof der Stadt Lollar ist energetisch ein rechtes Sorgenkind. So verwundert es nicht, dass er auf Ludwigs Liste steht. Das Gebäude aus dem Jahr 1980 wird noch mit Öl geheizt, der Verbrauch ist hoch, ein Teil der Wärme geht ungenutzt nach außen. Geplant sind der Austausch von Fenstern und Toren, die Dämmung der Außenfassade und der Austausch der Heizungsanlage gegen eine Wärmepumpe sowie eine Fotovoltaikanlage. Auch einen Anbau soll es geben. Die Planung soll in diesem Jahr, das Bauvorhaben Ende 2023 abgeschlossen werden. Derzeit, so winkte Ludwig mit dem Zaunpfahl in Richtung Conz und Schleenbecker, prüfe sie noch, was die besten Möglichkeiten seien, Fördermittel zu bekommen. »Das ist nicht immer einfach«, so ihre Erfahrung. Oliver Conz versicherte, er wolle sich kundig machen.

Das größte Projekt, das die Lollarer Klimaschutzmanagerin ins Rollen gebracht hat, ist indes das energetische Quartierskonzept. »Ein Jahr für die Konzepterstellung, über drei Jahre für die Umsetzung«, schätzt sie den Zeitrahmen ein. Es sei ein »Riesenquartier mit über 1000 Haushalten« und umfasst die komplette Kernstadt Lollars, Industriegebiet und Wohngebiet. Eine Auftaktveranstaltung im Bürgerhaus habe immerhin rund 80 Bürger angezogen. Die Diskussion sei teilweise recht emotional gewesen. Doch alles beruhe auf Freiwilligkeit, man wolle niemanden zwingen, sondern aufklärend und beratend zur Seite stehen.

Fragebogen

Weiterhin ging ein Fragebogen an alle Haushalte. Die Daten wurden von einer externen Firma ausgewertet. Bei den Fragebögen habe man eine Rücklaufquote von etwa 20 Prozent erreicht. Ludwig wertet dies als ein recht gutes Ergebnis. Jeder Teilnehmer habe einen kostenlosen Gebäudesteckbrief bekommen. Derzeit ermittele man die Potenziale zur Verbesserung der energetischen Ausgangssituation und zur Verbesserung des Stadtklimas. Für die Zukunft soll es auch eine kostenfreie Energieberatung für Privatpersonen geben. Es ist also noch viel zu tun, bis das eigentliche Ziel erreicht ist und das energetische Quartierskonzept auf festen Füßen steht.

Doch auch kleinere Dinge können schon viel bewirken. So etwa Dienstfahrräder für die Angestellten der Verwaltung. Einzig der Radweg, der zur Zeit über die Lollarer Durchgangsstraße führt, bereitet noch Kopfzerbrechen. Den würde man gerne an die Lumda verlegen. Naherholungsgebiet mit Radwegverbindung lautet der Wunsch für die Zukunft.

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