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Talkrunde mit Kandidatinnen für Bürgermeisteramt

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Auf dem Podium (Schmaadleckerbrunnen) sitzen Jörg Bergstedt, Selda Demirel-Kocar, Bianka de Waal-Schneider und Kai Sander (v.l.). Foto: Heller © Heller

Das lokalpolitische Gespräch im Vorfeld der Bürgermeisterwahl in Lollar. dreht sich um das Thema Verkehrswende. Auf dem Podium: Bianka de Waal-Schneider (SPD) und Selda Demirel-Kocar (CDU)

Lollar (voh). Der Schmaadleckerbrunnen eignete sich am Samstagmorgen als erhöhtes Podium für ein lokalpolitisches Gespräch im Vorfeld der Bürgermeisterwahl in Lollar. Die Veranstaltung zählte zu den drei Aktionen, mit denen sich Lollar am diesjährigen Stadtradeln vom 14. Mai bis 3. Juni beteiligt.

Für sechs Stunden sperrte die Polizei den Durchgangsverkehr zwischen den Einmündungen Holzmühler Weg und Lumdastraße. Am Schmaadleckerbrunnen floss der umgeleitete Verkehr vorbei, so dass die Zuhörer und nachher Teilnehmer von Workshops unmittelbar die durch die Kernstadt führende Verkehrsbelastung erlebten.

Jörg Bergstedt von der Projektwerkstatt Saasen drückte sein Unverständnis aus, dass mit der Bundesstraße B 3 eigens eine Umgehung gebaut worden sei und trotzdem die Gießener/Marburger Straße als innerörtliche Durchfahrt genutzt werde. In den Niederlanden etwa seien gesperrte Ortskerne verbreitet.

Ihr Ansicht zum Sachstand gaben die Bürgermeister-Kandidatinnen preis. Selda Demirel-Kocar (CDU) wohnt in Heuchelheim, arbeitet in Frankfurt, Marburg und Gießen, nutzt Bahn, Auto und Rad. Bianka de Waal-Schneider (Staufenberg, SPD) fährt mit der Bahn zur Arbeit nach Frankfurt. Gebürtig aus dem Münsterland, ist sie mit dem Rad groß geworden. Der unabhängige Kandidat Jan-Erik Dort war entschuldigt.

Kai Sander, Sprecher der Verkehrswende-Initiative Lollar, meinte, jeden Tag werde über das schlimme Weltklima berichtet. »Eigentlich müssen wir ja handeln, als Einzelner kann ich das hier.« Nachdem er für Salzböden bereits ein auszuleihendes Lastenrad organisiert hatte, möchte er jetzt Car-Sharing voran bringen. Bergstedt blickte vorerst ins Lumdatal hinüber. Werde die Bahn reaktiviert müsste der Busbetrieb auf die Haltepunkte abgestimmt werden, anders als heute bis in das entfernteste Dorf fahren, auch abends noch.

»Die Raser- und Poserszene um Lollar in den Griff bekommen, das ist für mich schon Verkehrswende«, so Demirel-Kocar. Es brauche Voraussetzungen, damit Leute ihr Auto stehen ließen. Busverbindungen seien aber unzureichend, Radwege lückenhaft, Bahnverkehr fehle, Praxen und Einkaufsmärkte hätten dicht gemacht. Deshalb müsse man ins Umland fahren. Demirel-Kocar folgerte: »Personennahverkehr soll flächendeckend sein«. Die Reaktivierung der Lumdatalbahn sei kostspielig (36,5 Millionen Euro) und daher riskant. Die Bevölkerung müsse noch mal gefragt werden. Landwirte sorgten sich, falls Feldwege geschlossen würden. Sie regte an, etwas Neues auszuprobieren: On-Demand-Busverkehr, eine Art Bürgerbus auf Bestellung. De Waal-Schneider bezüglich der Lumdatalbahn: »Verkehrswende ist nicht unentgeltlich, aber es gilt immer abzuwägen«. Die Busverbindung nach Gießen solle besser getaktet werden. Das Auto sei oft flexibler. Bergstedt informierte, dass die Pläne für ein Radwegenetz, ausgearbeitet von der Initiative, mittlerweile bei den Behörden sogar Beachtung fänden. Es fehlten Radwege für den Alltagsverkehr.

De Waal-Schneider: »Alle Verkehrsteilnehmer sollten sich respektieren. Ganze Bereiche vollständig zu sperren, lehne ich ab«. Nicht jeder könne auf das Auto verzichten. Geschäftsleute sorgten sich um Kunden«. Demirel-Kocar: »Sicherheit überwiegt«. Auf der unechten Fahrradstraße zwischen Lollar und Staufenberg fühlten sich viele Radler unsicher. Das Radwegenetz solle um die Kernstadt herum führen. Geschäfte bräuchten Parkplätze. »Anwohner müssen gehört werden.« Sie forderte mehr Bürgerbeteiligung. Bergstedt wunderte sich arg: »Es kaufen auch Radler ein«. Er verwies auf die Gießener Plockstraße. Erst hätten die Geschäfte keine Fußgängerzone gewollt. Demirel-Kocar zu Bergstedt: »Haben sie in Lollar mit den Ladeninhabern gesprochen?« Das hatte er nicht.

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