1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Lollar

Teure Winterbaustellen werden vermieden

Erstellt:

Von: Erika Scherer

Lollar (sle). Während der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Lollar/Staufenberg (ZLS) gab es den Jahresschlussbericht 2021, den Reinhard Kuck von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Bechthold und Bechthold vortrug. Die Mitglieder beschlossen dabei folgende Ergebnisverwendung: Im Betrieb Wasserversorgung gibt es einen Vortrag des Jahresfehlbetrages 2021 von 209 186 Euro auf neue Rechnung, beim Betrieb Abwasser einen Vortrag des Jahresüberschusses 2021 von 115 634 Euro ebenfalls auf neue Rechnung.

Beim Betrieb Kanal geht die Einstellung des Gewinnes aus den Vorjahren in Höhe von 100 000 Euro und eines anteiligen Jahresüberschusses 2021 von 50 000 Euro ebenfalls in die allgemeine Rücklage. Der Vortrag des restlichen Jahresüberschusses 2021 von 135 665,47 Euro geht auf neue Rechnung. Die Mitglieder erteilten dem Verbandsvorstand - Dr. Bernd Wieczorek und Geschäftsführer Jochen Becker - einstimmig Entlastung.

Vorsitzender Klaus Faulenbach rief dann zur Beratung und Beschlussfassung über den Entwurf des ersten Nachtrags zum Wirtschaftsplan 2022 auf. Der wurde im Erfolgsplan unverändert mit einem Ertrag von rund 6,05 Millionen Euro und einem Aufwand mit der gleichen Summe und im Vermögensplan mit Einnahmen von knapp 2,46 Millionen Euro und Ausgaben der gleichen Summe festgesetzt. Die veranschlagten Darlehen für Investitionen im Betrieb Wasserversorgung vermindern sich von 2,3 Millionen Euro um 1,8 Millionen Euro auf 500 000 Euro. In den Betrieben Abwasser und Kanal werden die Investitionen aus eigenen Mitteln ohne Darlehen finanziert. Der Höchstbetrag der Liquiditätskredite wird unverändert auf 50 000 Euro festgesetzt. Bei einigen Projekten wurde das Bauzeitfenster bis Juni 2023 verlängert und die Projekte in zwei Bauabschnitte eingeteilt. Mit einer Verlängerung des Bauzeitfensters könnten bei Ausschreibungen kostengünstigere Angebotspreise erzielt werden, so Faulenbach. Zudem vermeide man in den Wintermonaten teure Winterbaustellen.

Sicherheit garantiert

Die Verbandsversammlung stimmte dem ersten Nachtrag zum Wirtschaftsplan 2022 einhellig zu.

Dann gaben Geschäftsführer Jochen Becker und sein Stellvertreter, Jan Philipp Körber, einen Ausblick in die Zukunft. »In Corona-Zeiten ist nichts mehr wie vorher, von einem normalen Betrieb konnte auch im abgelaufenen Jahr keine Rede sein. Trotzdem ist es uns gelungen, die Ver- und Entsorgungssicherheit jederzeit aufrecht zu halten«, sagte Becker, der auch den Mitarbeitern seinen Dank aussprach, denn sie hätten in allen Betriebsbereichen Außerordentliches geleistet.

Körber begann dann mit den Zukunftsthemen des ZLS. Dazu zählte er die Umsetzung der Wasserrahmenrichtwerte und Ammoniumgrenzwerte, das Gebot der Phosphatrückgewinnung, das breiten Raum einnehme, und die Optimierung von Mischwasserentlastungen und die Fremdwasserreduzierung, was wichtige Themen seien.

Körber berichtete auch von der Klärschlammverordnung, bei der man früher den Klärschlamm an die Landwirte abgegeben hatte, die ihn auf ihren Feldern ausbrachten. Durch die seit einigen Jahren geltende Klärschlammverordnung sei dies nicht mehr möglich, beziehungsweise sehr eingeschränkt worden. Beim ZLS geht man nun neue Wege, der Klärschlamm wird einer thermischen Verwertung zugeführt. Weitergehende Anforderungen gibt es inzwischen auch bei der EU-Novellierung der Kommunalen Abwasserrichtlinie. Hier habe man das Problem mit Mikroplastik im Abwasser, sagte Körber.

Integrierte Managementpläne zur Regenentlastung habe man erarbeitet, um gereinigtes Abwasser für Beregnungszwecke nutzen zu können, berichtete er. Dabei sprach er auch von einer vierten Reinigungsstufe der Anlage.

Herausforderungen

»Der Klimawandel stellt die Wasserwirtschaft vor bisher nicht gekannte Herausforderungen,« stellte der stellvertretende Geschäftsführer fest. Dürreperioden lösten Starkregenereignisse ab, dazu kämen langsam ziehende Tiefdruckgebiete, die man nicht beeinflussen könne, und sich Blackout-Szenarien ergeben könnten. Man müsse sich von Begrifflichkeiten wie einer statistischen Eintrittswahrscheinlichkeit verabschieden und könne nur direkt und vor Ort entscheiden. Dann gibt es laut Körber noch die Erfüllung von Publikationspflichten aus der EU-Trinkwasserrichtlinie und die Umsetzung der neuen Trinkwasserverordnung. Das komme alles zur Gas-, Öl- und Klimakrise hinzu.

Als eines der größten Probleme sah Körber die Fachkräftegewinnung auf einem fast leer gefegten Markt. Die Gebührenentwicklung stehe dabei im Zeichen der genannten Herausforderungen und unter Berücksichtigung der Auswirkungen der aktuellen Krisen, die sich signifikant auf die Beschaffungskosten des ZLS auswirkten. Dennoch: »Wir sind gut aufgestellt, und werden unsere Aufgaben auch in Zukunft meistern«, so Körber.

Auch interessant