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Viele Anfragen für Holzkauf

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Von: Erika Scherer

Lollar (sle). Norman Speier (SPD) leitete den Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen, Umweltschutz, Naturschutz und Klimaschutz (SBUNK) im Lollarer Bürgerhaus. Die obligatorische Fragestunde fiel wegen Interessenten aus, so dass er gleich in die Tagesordnung einsteigen konnte.

Zum Antrag der Grünen konnte er Revierförster Udo Steiger begrüßen, der zum Grünen-Antrag Stellung nahm, in dem ein Einschlagmoratorium für den Stadtwald Lollar gefordert wurde. Vor allem sollte der Eicheneinschlag ausgesetzt werden, und ein vermeintlich nötiger Einschlag, zum Beispiel zur Wegesicherung, sollte erst vom Magistrat genehmigt werden. »Es muss eine klare Aussage geben«, sagte Steiger, dem man anmerkte, dass ihm gerade diese letzte Anweisung missfiel. Außerdem hatten die Grünen gefordert, den Eicheneinschlag bis Ende des Bewirtschaftungszyklus auszusetzen. Da die Inventur des Baumbestandes für jeweils zehn Jahre gilt, wäre das in Lollar bis 2029. Die Pflegenutzung, die Entnahme junger Bäume, um die Bestände zu stärken, sollte weiter möglich sein. Im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht sollte das auch für die Holzentnahme gelten.

Zu den Eichen sagte Steiger, dass die Fällung bereits geschädigter Bäume nicht ausgeschlossen werden dürfe, daher erscheine es nicht sinnvoll, den Eicheneinschlag generell auszusetzen. Dem widersprach Wolfgang Haußmann (Grüne), der Bedenken hatte, wenn Eichen mit ihren großen Kronen gefällt werden, sich dann die Lichtung verstärkt und bei einem Sturm die kleineren Bäume nicht standhalten können. Steiger wies die Politiker auf ihre Pflicht einer klaren Definition für den Wald hin.

Doppelte Menge vorbestellt

Dann wurde der Verkauf von Holz an die Bürger angesprochen. »Wir haben seit Stand gestern die doppelte Vorbestellung«, sagte der Förster. Speier wollte wissen, ob dies aus Windwurf besteht. Es sei auch anderes Holz dabei, sagte Steiger. Man könne gar nicht alle bedienen. Er sprach auch eine Vielfalt an Baumarten an, statt einer Monokultur. Es braucht in Zukunft Baumarten, die unempfindlicher gegen Trockenheit sind. »Das sind alles Fragen, die schnellstens beantwortet werden müssen«, sagte er. Da die Planung für den Wald auf längere Sicht erfolge, ist ein Jahr viel zu kurz, um planen zu können. Norman Speier erklärte, dass ein Gutachten erstellt werden wird, das sei schon bestellt.

Abschließend sagte Steiger: »Ich habe kein Problem, ich will nur eine klare Ansage, was ich im nächsten Jahr einschlagen darf, das ist der Punkt.« Haußmann schlug dann eine Ergänzung zum Grünen-Antrag vor, jetzt heißt es: »Die Stadtverordnetenversammlung beschließt ein Einschlagsmoratorium für den Stadtwald Lollar, das sich auf alle Baumarten in den Altbeständen bezieht und somit den Beschluss zum Aussetzen des Eicheneinschlags ergänzt. Das Einschlagsmoratorium ist unverzüglich umzusetzen und hat zwölf Monate Gültigkeit. Die Verkehrssicherungspflicht und die gesetzlichen Verpflichtungen aus noch offenen Verträgen bleiben hiervon unberührt.«

Dieser Beschluss wurde anschließend mehrheitlich bei drei Gegenstimmen angenommen. Dann ging es um die Sanierung und den Umbau der Rad- und Fußgängerbrücke über die Lahn zwischen Lollar und Wißmar. Hier um die Mittelbereitstellung. Dazu war Ingenieur Gelzenleuchter von der Firma Best gekommen, der Erläuterungen dazu abgab. Die ehemalige Eisenbahnbrücke über die Lahn soll saniert und zu einer Rad- und Fußgängerbrücke umgebaut werden. Der Beschluss dazu wurde bereits im Dezember 2021 vom Parlament gefasst.

Die Stadtverordneten müssen jetzt den Sperrvermerk aufheben und die entsprechenden Mittel bereitstellen. Die Mitglieder erfuhren, dass das größte Problem sei, dass bei der gusseisernen Konstruktion immer mal etwas ausgetauscht worden sei. Im August 2021 hatte man sich in Lollar bereits damit befasst und beschlossen, zu sanieren. Vorgesehen war dabei eine Breite von 2,5 Meter. Der Förderantrag wurde damals abgelehnt, da die Gesamtbreite 4,50 Meter nicht unterschreiten dürfe, sonst sei keine Förderung möglich. Dann gab es einen neuen Plan. Die Gesamtkosten sollten jetzt 1 660 000 Euro betragen. Nach einem Plan der Stadt aus dem Jahr 1987 mit der Gemeinde Wettenberg, wird die Unterhaltung der Brücke zu 75 Prozent von Lollar und 25 Prozent von Wettenberg bezahlt, wobei Lollar in Vorleistung tritt. Gelzenleuchter sagte, dass seit August 2021 inzwischen die Kosten um 30 Prozent angestiegen seien. Es seien Sanierungen bei der Stahlkonstruktion nötig. Die Ausschussmitglieder empfahlen der Stadtverordnetenversammlung einstimmig die Aufhebung der Sperre und die Freigabe der Gelder für die Sanierung.

Die Awo will in Lollar einen Kindergarten bauen, bei dem die Stadt lediglich das Grundstück zur Verfügung stellen würde. Das Gartengrundstück in der Daubringer Straße in unmittelbarer Nähe der evangelischen Kirche wurde dabei als möglicher Standort ins Auge gefasst. Dagegen wandte sich die CDU, die ihren Widerspruch damit begründete, dass es für einen Kindergartenneubau in Lollar besser geeignete Standorte gebe als das Gebiet »Auf der Lumda« oder wie es auch heißt »Stegwiesen«.

Antrag abgelehnt

Dazu erläuterte CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Jens-Christian Kraft, dass es aus Sicht der CDU abzulehnen sei, immer nur abstrakt gegen Flächenverbrauch und Versiegelung zu plädieren, aber dann bei jeder konkret anstehenden Entscheidung den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und auf der grünen Wiese zu bauen. Worauf ihm Norman Speier (SPD) entgegnete, dass das Parlament ja beschlossen habe, die Standortfrage offen zu lassen. Es wäre aber schön, wenn konkret Plätze benannt würden, als nur immer zu widersprechen. »Der Arbeitskreis wird sich damit auseinandersetzen und nach Alternativen suchen«, sagte er. In der folgenden Abstimmung wurde der CDU-Antrag bei einer Enthaltung mehrheitlich abgelehnt.

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