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Wildnisfonds soll Wald helfen

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Oberstes Ziel des Wildnisfonds ist der Schutz, die Entwicklung und die Grunderhaltung des Krofdorfer Forstes als großen und touristisch bedeutenden Wald für die Region Gießen.

Lollar (sle). Jörg Schmidt von der Waldakademie Hessen stellte in der Sitzung des Bauausschusses einen Wildnisfonds vor. Hier geht es vorrangig um die Zukunft des Waldes. Oberstes Ziel ist der Schutz, die Entwicklung und die Grunderhaltung des Krofdorfer Forstes als großen und touristisch bedeutenden Wald für die Region Gießen.

Steigende Temperaturen und der Borkenkäfer setzten auch dem Krofdorfer Forst zu, hinzu kämen von Menschen verursachte Herausforderungen, so Schmidt. Der Wald benötige eine ausreichend große Kernzone, die Wasser speichert und somit der Erhaltung des Waldes dient. Dabei geht es auch um Moorflächen und ehemalige Militärflächen, die von Stiftungen und Naturschutzverbänden sowie Eigentümern angekauft werden könnten, um mehr Wildnisflächen in Deutschland zu schaffen. Das Nutzungsrecht würde dabei in einem Fonds verbleiben. »Ideal wären zwei Prozent der Flächen, die dann in einem internationalen Waldschutz-Nutzungskonzept eingebracht werden«, erklärte er. Es gebe massive Schäden im Bestand und Artenschwund. Zudem sei eine kostenintensive Aufforstung zu stemmen. Die Vision eines Masterplanes sieht einen gesunden Wald mit 85 Prozent Kronendichte vor. Die Finanzierung des Projektes könnte über EU-Mittel, Landesmittel und Bundesmittel geschehen sowie durch Lenkung der Stiftung durch die Gemeinden. Die Vorteile liegen laut Schmidt auf der Hand: Es würde mehr Arbeitsplätze geben, die Luft und das Wasser würden sich verbessern. Auch eine regionale Wertschöpfung wäre vorhanden und außerdem würde es wieder eine verbesserte Artenvielfalt geben.

Die Kernzone, die die Orte Biebertal, Lohra, Lollar und Wettenberg betrifft, hat 1636 Hektar Wald, bestehend aus Kommunalwald, privatem Besitz und Staatsforst. Davon bringt Lollar 226 Hektar Kommunalwald ein, 64 Hektar sind Staatsforst. Das Wegerecht würde bei der Gemeinde bleiben. »Es ist eine gemeinsame Aufgabe«, sagte Schmidt. Die Kernzone gelte als Flächenvorschlag. Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek erklärte dazu, dass das ganze Projekt mit Wettenberg stehe und falle. »Ich würde es vom Tempo her etwas entschleunigen« sagte er.

Die »Vergabekriterien für Baugrundstücke der Stadt Lollar« standen als nächstes auf der Agenda. Der Magistrat hatte eine Antragsberechtigung ausgearbeitet, wobei Eigennutzung gelten sollte, und Bewerber nur berücksichtigt würden, wenn sie in den vergangenen fünf Jahren nicht über ein oder mehrere Wohnhäuser oder Wohnbaugrundstücke in der Stadt Lollar verfügt haben. Nichteheliche Lebensgemeinschaften sollten Ehepartnern gleichgestellt werden, Ehepaare sollten als ein Bewerber gelten, außerdem müsste die Bebauung innerhalb von drei Jahren erfolgen. Investoren wären grundsätzlich von der Vergabe ausgeschlossen. Ausnahmen im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus seien zu begründen und vom Magistrat der Stadt zu genehmigen. Punkte soll es zudem sowohl für die Zahl der Kinder als auch für freiwillige, ehrenamtliche Tätigkeiten geben. Der Käufer sollte der Stadt auch ein Wiederkaufsrecht einräumen.

Norman Speier (SPD) schlug vor, »dass ein Investor sich ebenfalls bewerben kann, wenn wir mit ihm entwickeln wollen«. Das müsse aber immer abgewogen werden. Wieczorek betonte, dass die vorhandene Bewerberliste weiterhin Bestand habe. Außerdem soll anstelle des Magistrats die Stadtverordnetenversammlung über die Vergabe entscheiden. Einstimmig wurde dem zugestimmt. Einen Grundsatzbeschluss zum Eigentumsvorbehalt bei der Ausweisung von Bauland hatte die CDU beantragt.

Vorausgegangen war eine Diskussion, die der Bürgermeister angeschoben hatte: »Was ist, wenn ein älterer Herr der Stadt ein Grundstück verkauft und die Enkelin kommt nicht an das Grundstück heran? Sie müsste dann für teures Geld ein neues Grundstück von der Stadt erstehen. Solche Fälle möchte ich ausschließen, das kann man niemand vermitteln, dass man der Stadt ein Grundstück verkauft, um es dann für eine höhere Summe von der Stadt als Bauland zurückzukaufen«, so der Bürgermeister. Die Ausschussmitglieder schlossen sich dem an und lehnten den Antrag mehrheitlich ab.

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