Blaulicht bizarr: Kurioses im September

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MITTELHESSEN - Wir wollen einmal ganz anders auf den Monat zurückblicken. Denn abgesehen von den Unfall- oder Brandmeldungen beinhalten Polizeipresse-Neuigkeiten kuriose Perlen, die in der normalen Berichterstattung untergehen. Dabei haben sie genauso Aufmerksamkeit verdient, zumal sie zu den wenigen Mitteilungen der Einsatzkräfte gehören, die auch mal ein Lächeln ins Gesicht des Lesers zaubern können.

Beleidigungen als Morgengruß: Ein betrunkener Mann hat in Löhnberg die Polizei mehrfach beschäftigt und dabei eine Reihe von Straftaten begangen. Anwohner riefen die Polizei in die Forsthausstraße, da ein 51-Jähriger immer wieder unbefugt die Grundstücke seiner Nachbarn berat und dort randalierte. Trotz Aufforderung verließ der sichtlich angetrunkene Mann das Grundstück nicht, sondern beleidigte die Anwesenden fortwährend. Auch einem folgenden Platzverweis durch die Polizei kam der 51-Jährige erst nach der Androhung einer Festnahme nach. Kurz darauf riefen die Anwohner wieder die Polizei, da der 51-Jährige abermals auf dem Grundstück pöbelte. Er beleidigte wieder die Anwesenden und musste schließlich festgenommen werden. Hierbei leistete er Widerstand, trat nach den Beamten, bedrohte und beleidigte diese aufs Übelste. Als er am nächsten Morgen nach der Ausnüchterung in einer Gewahrsamszelle entlassen werden sollte, begrüßte er die Beamten mit weiteren Beleidigungen. Eine entsprechende Menge an Strafanzeigen gegen den 51-Jährigen wurde gefertigt.

Weg geschaf(f)t: "Wie viel ist dir dein Leben wert?", fragen Gangster gerne ihre eingeschüchterten Opfer in alten Filmen. Im Falle eines Lammes, das am 12. September außerhalb von Neustadt in Richtung Willingshausen von einer Wiese geklaut wurde, lässt sich das durch den Polizeibericht ganz genau beziffern: 70 Euro. Falls Sie Ihrer Frau also mal ein besonderes Geschenk machen oder ihre Kinder an Ostern mit einer rituellen Schlachtung verstören wollen ... aber bitte legal erwerben!

Bleiben wir beim Thema Diebstahl - und weiter im Raum Marburg:

Dreistes Quartett: Gleich mehrere Taschen und Koffer füllte ein Quartett mit Diebesgut auf ihrem Beutezug durch Bekleidungsgeschäfte in Marburg. Am 17. September alarmierten Ladendetektive eines Einkaufszentrums in der Universitätsstraße die Polizei. Sie hatten zwei Männer auf frischer Tat erwischt und zusammen mit einer weiteren Komplizin festgehalten. Eine Durchsicht brachte Kleidungsstücke verschiedenster Läden zutage. Quittungen oder Kassenbons konnten die Festgenommenen dafür nicht vorweisen. Dann noch eine Zusatz-Überraschung: Eine zweite Frau kam hinzu, die sich dreist einen Koffer griff und den Polizisten erklärte, dass sie die Besitzerin der darin aufbewahrten Kleidungsstücke sei. Allerdings konnte auch sie keinen Eigentumsnachweis erbringen. Kurzerhand klickten die Handschellen.

Es ist aber nicht so, als gäbe es nur im Norden unseres Verbreitungsgebiets kuriose Fälle von Diebstahl. Das beweist dieser Fall aus Gießen - offenbar ging es einem Trio auch um besonders saubere Zähne...

Viel Ärger für ein paar Zahnbürstenköpfe: Einer Ladendetektivin fielen am 11. September drei verdächtige Männer in einem Baumarkt in der Pistorstraße auf. Als das Trio die Frau entdeckte, wurde es offenbar misstrauisch und verließ das Geschäft. Die Frau hinterher. Anschließend gingen die Männer in einen Lebensmittelladen in der Ferniestraße. In dem Geschäft trennten sie sich, sodass die Detektivin nur einem Mann folgte. In der Kosmetikabteilung steckte er Zahnbürstenköpfe und Kosmetika im Wert von etwa 250 Euro ein. Als der Verdächtige an der Kasse lediglich eine Flasche Wasser zahlte, informierte die Frau die Polizei. Die drei Verdächtigen im Alter von 31, 21 und 44 Jahren präsentierten Zahnbürstenköpfe und weiteres mutmaßliches Diebesgut.

Ein Mann in Weilburg hat indes nicht einmal das Wasser gezahlt, sondern direkt auch noch heimlich Quartier am Ort des Diebstahls bezogen, wie diese Meldung vom 12. September aufzeigt.

Geklaut, gemütlich gemacht, gestürzt: Ein Mann hat sich in Weilburg in ein Hotel eingeschlichen, sich dort unberechtigt aufgehalten und diverse Gegenstände und Nahrungsmittel im Keller entwendet. Der 58-Jährige hatte einfach unbemerkt ein Zimmer bezogen. Nachdem der "blinde Hotel-Passagier" von Reinigungskräften entdeckt worden und vom Hoteldirektor im zweiten Obergeschoss angesprochen worden war, kletterte er aus dem Fenster und versuchte, über das Dach zu flüchten. Dieser Plan erwies sich aber als schlecht, denn: Hierbei rutschte er aus und fiel auf eine tiefer liegende Terrasse. Bei dem Sturz verletzte sich der Mann und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Immerhin dort wusste man dann also ganz normal um seinen Aufenthalt. Das Hotelzimmer war aber bestimmt komfortabler.

Blöd lief eine Konfrontation auch für einen "Lügenbold", wie die Polizei in ihrer Mitteilung von 17. September schreibt, bei einer Verkehrskontrolle in Wettenberg bei Gießen.

Der viel zu alte junge Mann: Bei einer Verkehrskontrolle in der Straße "Am Augarten" fielen Polizeibeamte nicht auf die Ungereimtheiten eines 48-jährigen Autofahrers rein. Gegen 6.45 Uhr stoppte eine Streife den Lügenbold, der keinen Führerschein und Fahrzeugschein dabeihatte. Auf Nachfrage gab er einen falschen Namen an und außerdem, 32 Jahre alt zu sein. Offenbar sah der Fahrer aber deutlich älter aus. Die Beamten wurden zurecht misstrauisch. Als sie den seltsam gealtert aussehenden "jungen Mann" durchsuchten, fanden sie seinen Personalausweis. Danach räumte der Mann ein, wegen einer Trunkenheitsfahrt keinen Führerschein mehr zu haben. Und da ist die Story noch nicht zu Ende: Denn der Drogentest des Mannes reagierte positiv auf Amphetamin. Es folgte eine Blutentnahme auf der Polizeiwache.

Dort ging es auch für einen Pechvogel hin, der eigentlich nur sein Licht hätte gut checken müssen...

Licht defekt, Alkoholtestgerät intakt: Was ein defektes Abblendlicht für Folgen haben kann, hat ein Vorfall am Dienstag, 21. September, in der Marburger Innenstadt gezeigt. Die defekte Beleuchtung am Auto weckte gegen 2 Uhr das Interesse einer Streifenwagenbesatzung. Die Kontrolle für den jungen Autofahrer verlief dann auch suboptimal. Denn neben dem Atemalkoholtest schlug auch ein Drogenvortest positiv an. Doch damit nicht genug: Zudem stellten die Beamten eine geringe Menge Marihuana sicher. Der 21-Jährige musste eine Blutentnahme über sich ergehen lassen und durfte anschließend die Polizeiwache zu Fuß wieder verlassen.

Kennen Sie diesen alten Flachwitz? "Sagt der Wachtmeister 'Sie wollen noch fahren? Sie können doch nicht mal mehr laufen!' 'Aber Herr Wachtmeister, deshalb will ich ja fahren!'" Leider so ähnlich in Gießen passiert. Zum Glück gab es aufmerksame Zeugen.

Nicht laufen können, aber fahren wollen: Gegen 18.30 Uhr beobachteten Zeugen am 6. September einen offenbar volltrunkenen Mann, der mit einer weiblichen Begleitung im Waldbrunnenweg einstieg. Zuvor lief er schwankend und stolpernd einen Weg in der Kleingartenanlage entlang und fiel fast ins Gebüsch. Am Pkw stützte er sich sogar vorm Einsteigen ab, um nicht umzufallen. Nach kurzer Zeit fuhr er in Schlangenlinien los. Während der gesamten Fahrt war offenbar der Heckscheibenwischer trotz gutem Wetters eingeschaltet. Ein Zeuge fuhr hinterher, so dass der Betrunkene durch eine Streife gestoppt werden konnte. Der Fahrer und seine Begleitung rochen deutlich nach Alkohol. Sagen wir so: Der Zeuge hatte einen guten Instinkt, denn der Alkoholtest des "Trunkenboldes" ergab 3,45 Promille - Führerschein weg. Und das ist wohl auch ganz gut so.

Zum Schluss noch eine Episode aus Marburg aus der Kategorie: Einfach so tun, als ob nie was passiert wäre.

Wenn Chuck Norris einen Fahrradunfall hat: Ein Radfahrer kollidierte am 8. September mittags mit einem Auto, fiel zu Boden, stieg dann aber wieder wortlos auf sein Fahrrad und fuhr in Richtung Bahnhof davon. Auch die Rufe der beteiligten Autofahrerin änderten daran nichts mehr. Der Unfall passierte an der Kreuzung Anneliese Pohl Allee / Bahnhofstraße, nachdem die 71-jährige VW-Fahrerin nach rechts in die Bahnhofstraße abbiegen wollte. Am VW entstand ein Schaden von etwa 1500 Euro. Da scheint der Radler stabiler als das Auto gewesen zu sein.

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