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Am Seechen soll getilgt werden

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Bauerwartungsland zwischen Oberweg IV und dem Grüninger Weg festzusetzen, findet keine Mehrheit unter Pohlheimer Kommunalpolitikern.

Pohlheim (ww). Der Pohlheimer Teil des Regionalplans wurde erneut im Bauausschuss emotional diskutiert, gerade vor dem Hintergrund, dass sich der Magistrat etwas anderes wünscht, als die Parteien im Stadtparlament. Der Erste Stadtrat Klaus-Dieter Gimbel (SPD) sprach für das Gremium, weil Bürgermeister Andreas Ruck (parteilos) derzeit erkrankt ist. Der Magistrat wünscht, dass im Regionalplan eine Siedlungsfläche Am Seechen/Oberer Grenzweg, eine 29,5 Hektar umfassende Verbindung zwischen Oberweg IV bis hin zur Bebauung Grüninger Weg, als Baulanderwartungsfläche aufgenommen werden sollte,scheiterte aber vorerst damit.

Auch die jüngst bei der Regionalplanvorstellung umstrittene Ausweisung eines Güterverteilladezentrums in Garbenteich im Bereich des Logistikzentrums auf dem ehemaligen Voko-Gelände war Thema, da hier die Lahn-Kinzig-Bahn vorbeiführt. Planer Hendrik Christophel versuchte, mit Erläuterungen die Gemüter zu beruhigen, was aber nicht gelang. Im Regionalplan heißt es dazu: »Weitere Planungshinweise werden zur Prüfung der Realisierung von möglichen Schienengüterverladepunkte im Zusammenhang mit ausgewiesenen Industrie- und Gewerbegebieten aufgenommen, die sich in direkter räumlicher Nähe zu vorhandenen Schienentrassen befinden.« Im Kreisgebiet sind es insgesamt sechs, unter anderem im Magna-Park Rhein-Main in Niederkleen und auch in Lich die Langsdorfer Höhe. Ein Planungshinweis sei eine der untersten Stufen im Regionalplan, hatte Christophel immer wieder betont.

Zweites Gleis wäre möglich

Es gehe hier um den Güter- und Schienenverkehr und auch ein zweites Gleis der Lahn-Kinzig-Bahn in ferner Zukunft. Im Regionalplan seien aus raumordnerischer Sicht nicht nur in Pohlheim solche Zentren vorgesehen.

»Es gibt keine Veranlassung, ein großes Logistikzentrum dahinter zu vermuten«, sagte Christophel. Das war allerdings die Befürchtung einiger Kommunalpolitiker, weil sich angrenzend auch das neue Gewerbegebiet Garbenteich Ost befindet. »Wir wollen doch weg von der Straße auf die Schiene«, meinte allerdings der Planer.

Beim Seechen/Oberer Grenzweg gehe es letztendlich um Spielraum für Siedlungsflächen im Norden Pohlheims. Hier müssten Vorrangflächen aufgehoben werden, um handlungsfähig zu bleiben. Bisher sei das Areal als regionaler Grünzug ausgewiesen, was nicht nachvollziehbar sei. Christophel hatte im Rahmen einer Vorstellung des Teils Pohlheim im Regionalplan, der alle zehn Jahre fortgeschrieben wird, deutlich gemacht, dass der Norden der Limesstadt langfristig als eine Siedlungsfläche zu begreifen ist und aus drei sich vereinigenden Stadtteilen bestehen wird.

Andreas Schuch (FW) hatte noch ein anderes Anliegen. Er wollte die Siedlungsfläche, auf der die Kita »Am schwarzen Morgen« vorgesehen wird, als Arten- und Biotopschutzgelände im Regionalplan ausweisen lassen. Sie grenzt direkt an das Naturschutzgebiet Lückebachaue.

Für Peter Alexander (SPD) war klar, dass es hier nur um eines gehen könne, die Kita zu verhindern, die sich die FW zusammen mit der CDU an anderer Stelle gewünscht hätte. Schuch gefiel nicht, dass Alexander beides vermenge. Das Naturschutzgebiet sei 2020 geschaffen worden und die Siedlungsfläche befinde sich in unmittelbarer Nähe, nur ein Weg grenze sie ab. Dort, wo Rebhühner und Lerchen brüteten, müsse es Pufferflächen geben. Christophel wies allerdings auf das Gewerbe im Bereich Leipziger/Magdeburger Straße am Rande Watzenborn-Steinbergs hin. Letztlich konnte sich Schuch mit seinem Antrag nicht durchsetzen. Sein Gegenargument wurde jedoch dazu verwandt, die Gießener Gewerbefläche nördlich des Sportplatzes Neumühle im Kernort abzulehnen. Hier waren die Ausschussmitglieder gleich einer Meinung.

»Das riecht nach Logistik«

Zum Güterverteilladezentrum meinte dann der SPD-Fraktionsvorsitzende, dass das bereits mit großer Mehrheit verabschiedete Gewerbegebiet Ost eine große Belastung für die Garbenteicher und Dorf-Güller Bürger darstellen werde. Daher lehne er die Vorrangfläche klar ab. »Das Güterverteilladezentrum riecht nach Logistik.« Zum Seechen/Oberer Grenzweg meinte der Garbenteicher, dass man in seiner Fraktion kontrovers darüber diskutiert habe, es aber auch eine starke Nachfrage nach Bauplätzen in Pohlheim gebe. »Wir haben in Pohlheim Nord nur zwanzig Bauplätze im vergangenen Jahr geschaffen. Das hat zu einem erheblichen Stau geführt. Das kann man so oder so diskutieren.« Die SPD werde sich daher in dem Punkt im Hinblick auf eine Empfehlung enthalten. Er sprach die Möglichkeit an, die gesamte Fläche zu verkleinern und eventuell am Grüninger Weg Baupotenzial im Regionalplan zu schaffen.

Michaela Schöffmann (Grüne) unterstrich, dass Flächenfraß und ein Güterverteilzentrum mit ihrer Fraktion nicht im Regionalplan stehen dürfen. Geschäftstüchtig Investoren würden Letzteres »ruckzuck« ins Gespräch bringen, wenn es im Regionalplan verankert sei. Zu den Bauerwartungsflächen sagte sie, dass mit den zwei in Planung befindlichen Baugebieten in Hausen und Garbenteich rund 1000 Einwohner nach Pohlheim ziehen würden. Weitere Flächen bedeuteten, dass wiederum Kindergartenplötze fehlten, mehr Verkehr komme, aber der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs damit nicht Schritt halte: »Wachstum kann sich nicht immer positiv auswirken.«

Reiner Leidich (CDU) machte deutlich, dass mit den Christdemokraten eine Erweiterung am Seechen nicht umsetzbar sei. 43 Hektar, 58 Fußballfelder, an Bebauungspotenzial in Pohlheim wären dann in Zukunft im Regionalplan verankert. Christophel erinnerte daran, dass seine Stellungnahme auf Annahmen für den zukünftigen Wohnraumbedarf beruhten. Für die Bauerwartungsfläche Seechen/Oberer Grenzweg plädierte letztlich niemand. Es wurde von CDU, Grünen und FDP-Ausschussmitgliedern abgelehnt. FW und SPD enthielten sich. Das Güterverteilladezentrum im Regionalplan fanden nur FW und FDP hilfreich. SPD und Grüne wollen es im Plan tilgen lassen. Die CDU enthielt sich. Die Stadtverordnete müssen letztlich über die Stellungnahme in ihrer Sitzung befinden. Inwieweit die Stellungnahme der Stadt Pohlheim berücksichtigt wird, entscheiden danach die Regionalplaner.

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