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»Angemessene Sportstätte für beide Vereine«

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Die mögliche Übergabe der Sportanlage »An der Neumühle«an den FC Turabdin Babylon Pohlheim kommt bei der CDU ganz schlecht an

Pohlheim (red). Was hat wohl SPD und Grüne geritten, einen Antrag zu stellen, um die Sportstätte »An der Neumühle« im Ortsteil Watzenborn-Steinberg an den FC Turabdin Babylon Pohlheim zu übergeben? (Der Anzeiger berichtete). CDU-Stadtverbandschef Jörg Buß ist sauer. Wohlwollend könne man Unwissenheit darüber unterstellen, dass der FC Gießen 1927 Teutonia 1900 VfB bereits seit vielen Jahren über einen aktuellen Pachtvertrag zur Nutzung der Sportstätte verfüge, heißt es in einer Pressemitteilung.

Auffällig sei zumindest, dass im Antrag der FC Gießen mit keinem Wort Erwähnung werden. Der gesamte Antrag liest sich wie ein Schnellschuss, nachdem im Sommer weder die antragstellenden Parteien noch Bürgermeister Ruck mit ausformulierten und sachlich fundierten Anträgen oder gar mit der Fertigstellung des Sportstättenkonzeptes aufgewartet hätten. Letzteres warte nunmehr seit zwei Jahren auf die Umsetzung, da Ruck ursprünglich glaubte, diese Aufgabe im Alleingang lösen zu können, »verbaselte und nun doch die von CDU/FW favorisierte Fachfirma übernahm«. Erste Ergebnisse hierzu seien immer wieder zugesagt, jedoch nicht abgeliefert worden.

Die CDU habe immer wieder darauf gedrungen, dass zumindest die Freiluft-Sportstätten mit Priorität und vorab angegangen werden müssten - leider ohne Erfolg. Der Grundgedanke bei SPD und Grünen in Sachen Sportplatznutzung sei »Entweder - oder«, das Leitmotiv der CDU »Sowohl als auch«. Es könne doch nicht ernsthaft erwogen werden, einem Verein, dessen Heimat über 95 Jahre lang die Neumühle ist, das Sportgelände zu entziehen, obwohl hier mit 19 Mannschaften und über 310 aktiven Jugendlichen aktiv trainiert und gespielt werde.

Die Abstimmung über einen Vertragsbruch, eine Enteignung und Ausgaben in Höhe von knapp vier Millionen Euro soll schon in der nächsten Stadtverordnetensitzung erfolgen. »Kraftvolles Beschließen bei vollkommener Ahnungslosigkeit«, nennt das die CDU. Stadtverordnete aller Parteien hätten nicht einmal die Möglichkeit, sich ein Urteil aufgrund von Gesprächen zu bilden.

»Begründung ist wirr«

Völlig wirr lese sich die Antragsbegründung. Falsche Annahmen der Belegung der Sportplätze, widersprüchliche Aussagen zur Parkplatznutzung und Bauleitplanung sowie keinerlei Betrachtung der aktuellen Vertragsgrundlagen und Eigentumsverhältnisse enthalte die Begründung.

Der FC Gießen 1927 Teutonia 1900 sei der Verein, in dessen Obhut die Watzenborn-Steinberger seit Jahrzehnten ihre Kinder geben und dessen Geschichte der Ort teilt. »In diesem Verein hatten übrigens auch viele Spieler des FC Turabdin Babylon Pohlheim ihre ersten Ballkontakte«, betont die Vize-Vorsitzende der CDU, Dr. Melanie Neeb. »Den FC Gießen mit einem Handstreich entrechten zu wollen und damit vielen Jugendlichen und Ehrenamtlichen den Respekt zu entziehen, den sie in ganz Pohlheim und darüber hinaus genießen, ist für die CDU ein Unding!«

Buß würdigt die Leistungen des FC Turabdin. Beide Vereine müssten eine angemessene Sportstätte zur Verfügung gestellt bekommen. Dazu seine Lösungen zu finden. Gemeinsam resümieren Buß und Neeb: »Es geht bei diesem Antrag um viel, viel mehr als nur um den Gewinn einer Abstimmung. Wir Kommunalpolitiker sind ein Teil unserer gesamten Gemeinschaft und dürfen gegenüber uns selbst nicht respektlos erscheinen.« Vertragliche Vereinbarungen dürften in einem Rechtsstaat nicht als unbedeutend beiseite gewischt werden. Anderenfalls stelle sich unweigerlich die Frage, welches der nächste Fußball-, Turn- oder Gesangverein ist, der einfach so vor die Tür gesetzt wird.

Buß fordert: »Rot-Grün sollte sich korrigieren, den Antrag zurückziehen und in Würdigung des zeitnah zu erwartenden Sportstättenkonzeptes gerechte Lösungen suchen.«

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