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»Bauwillige warten mehr als lange«

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Bauherren können voraussichtlich ab 2023 im zukünftigen Baugebiet Hausen Ost loslegen. Dafür stellten die Pohlheimer Stadtverordneten die Weichen. © Schu

Bauwillige aufgepasst. Nächstes Jahr könnte es im Neubaugebiet Hausen Ost schon losgehen. Die Weichen dafür sind gestellt.

Pohlheim (ww). Die Stimmenmehrheit der Pohlheimer Stadtverordneten entschied sich für den Bebauungsplan Hausen Ost in der letzten Fassung des Planers Hendrik Christophel. Mit 400 neuen Einwohnern kann Pohlheim rechnen, nachdem alle Bauplätze belegt sind. Jetzt muss noch der Umweltbericht zum Entwurf abgewartet werden.

Die CDU konnte sich mit ihren Forderungen nach einer Kita im Bereich wie auch einer erweiterten Flächennutzung der Grundstücke nicht durchsetzen. Der Grasweg wurde auf eine Breite von 1,50 Meter reduziert. Alle weiteren CDU-Vorschläge wie die Verpflichtung der Bauherren zu Solaranlagen auf dem Dach soll geprüft werden, genauso wie die Versorgung mit Nahwärme der Liegenschaften.

Peter Alexander (SPD) sprach von einem jetzt »optimierten Bebauungsplan«. Die Liberalen um Fabian Schäfer hatten noch einmal angeregt, die Solarpflicht, die in den Grundstückskaufverträgen verankert werden könnte, rechtlich genauer prüfen zu lassen.

»Wir wollen jetzt voranschreiten. Bauwillige warten mehr als lange.« Eine Kindertagesstätten-Planung im Bereich würde zu einer massiven Verzögerung führen. Von Aussagen des CDU-Fraktionsvorsitzenden Malke Aydin zum reduzierten Grasweg zeigte sich der Garbenteicher irritiert. »Von mehreren tausend Euro kann man da nicht sprechen, die wegfallen würden.« Es seien je nach anzusetzendem Quadratmeterpreis zwischen 90 000 bis 108 000 Euro. Die Summe sei zu verschmerzen, wenn dafür die Anwohner eine Nutzungsmöglichkeit hätten. Eine Versiegelung an dieser Stelle sei ausgeschlossen.

Reiner Leidich (CDU) erklärt, dass die bisher genannten Summen noch auf dem 3,50 Meter breiten Weg beruht hätten. Ihm war ein Dorn im Auge, dass im Altbestand an Häusern in der Danziger Straße bis zu 300 Quadratmeter Wohnfläche möglich seien, aber im Neubaugebiet dann nur noch bis zu 180 Quadratmeter. Und durch eine Kita-Planung im Gebiet verschiebe sich nichts.

100 Autos mehr im Verkehr

Andreas Schuch (FW) dankte noch einmal dem Planer, der bereits eine höhere Wohndichte realisiert habe, indem Wendehämmer anstatt einer Karree-Straßenführung vorgesehen wurde. Zur zeitlichen Schiene meinte er, dass mit der Bautätigkeit dort Mitte 2023 begonnen werden könnte. Anfang 2024 hätte die gewünschte Kita mit fünf Gruppen ihre Arbeit aufnehmen können. 400 Neubürger bedeuteten auch mindestens 100 Autos. Daher schlagen die Freien Wähler vor, zwei zentrale Parkdecks und auch Ladesäulen für E-Autos zu installieren. Fassaden sollten begrünt werden, Dächer Photovoltaik erhalten, aber nur als Anregung. Auch eine Fahrradbrücke über die Landesstraße von Gießen nach Lich sei anzudenken. »Beim Grasweg kann ich mir vorstellen, dass er komplett wegfällt.« Mit der verminderten Breite könne er persönlich aber leben.

Michel Kögler von den Grünen fand die Diskussion »beschämend«. Der Grasweg bedeute »ein Stück Lebensqualität«, könne aber auch als Abfluss bei Starkregen dienen. Es sei ein Zeichen der Wertschätzung der Bürger, ihn zu erhalten. Prof. Dr. Ernst-Ulrich Huster (SPD) sah das ähnlich. Wer für die Verkehrswende sei, müsse Angebote machen, fußläufige wie auch für Fahrradfahrer.

Er erinnerte an den Vorschlag von Bürgermeister Andreas Ruck (unabhängig) einen Hollandkreisel als Überführung der Landesstraße vorzusehen, auch wenn dieser in Deutschland derzeit nicht zugelassen sei.

Malke Aydin (CDU sah das anders: »Wenn wir schon grünes Acker- in Bauland umwandeln, sollten wir da nicht auch eine optimale Festsetzung wählen? Das Festhalten am Grasweg ist ein klammer Strohhalm. Was wir vorschlagen ergibt Sinn.«

Eckart Hafemann (Grüne) wollte sich dem CDU-Vorschlag nicht ganz verschließen und der Beschluss zum Baugebiet drohte, kurzfristig zu platzen. »Über die Geschoss- und Grundflächenzahl im Bebauungsplan könnte man reden. Wir werden uns ansonsten heute enthalten.«

Es wurde eine Sitzungsunterbrechung beantragt und darüber mit dem Kooperationspartner SPD diskutiert. Danach erklärte Hafemann, dass der Status beibehalten werde: »400 Personen mehr in Hausen sind schon eine Menge Holz. Es sollten nicht mehr werden.« SPD, Grüne und FDP lehnten die Veränderung der Festsetzung mit ihrer Mehrheit ab. Norman Klotz von der FW enthielt sich.

Auch der von der CDU beantragte Standort für eine neue Kita im Baugebiet wurde ablehnt, wobei sich die FDP enthielt. SPD und Grüne setzten sich hier mit einer Einstimmen-Mehrheit durch.

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