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Besuch lässt zu wünschen übrig

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Pohlheim (jüs). Rund 45 Besucher gab es bei der Bürgerversammlung der Stadt Pohlheim in der Volkshalle zu verzeichnen. Stadtverordnetenvorsteherin Hiltrud Hofmann hatte sich im Vorfeld entschieden, das Thema Kinderbetreuung in den Blick zu nehmen.

Zunächst gab Ralf Landgraf, stellvertretender Fachbereichsleiter und Sachbearbeiter für Kita-Angelegenheiten, eine Darstellung der aktuellen Situation. Aktuell stehen neun Kitas mit 828 Plätzen zur Verfügung stehen. Sechs Kitas stehen in der Trägerschaft der Stadt Pohlheim, drei Kitas (darunter die Wald-Kita »Rocky Hill« unterhalb des Schiffenbergs) werden durch die Lebenshilfe betrieben.

Die Gesamtzahl von 828 Plätze reduziert sich durch die Aufnahme von U3-Kindern oder durch Einzelintegrationsmaßnahmen (derzeit 23). Zusätzliche Betreuung gibt es durch Zukaufstunden. Es gibt eine Halbtagsbetreuung von 13 Uhr bis 17 Uhr. Derzeit gibt es in Pohlheim 16 Tagespflegepersonen, die rund 60 Kindern einen Betreuungsplatz anbieten. Über weitere Themen wie Anmeldeverfahren, Bedarfsplanung, Aufnahmekriterien, Einführung neuer Standards, Pauschale zur Umsetzung des Kita-Qualitäts- und Teilhabeverbesserungsschutz sowie Bedarfsplanung berichtete Landgraf ausführlich.

Stadtverordnetenvorsteherin Hiltrud Hofmann informierte darüber, wie sich seit April 2021 die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung entwickelt haben. Im Mai 2021 wurde erstmals diskutiert, den Standort der Kita in der Kirchstraße nicht weiter zu verfolgen. Danach wurde über einen neue Standort »Am Schwarzen Morgen« in Steinberg befunden. Auch in Garbenteich soll später eine weitere Kita hinter der Friedensstraße entstehen. Ebenfalls beschlossen wurde die Erweiterung der unteren Kita in Garbenteich.

In einer zweiten Sitzung entschied sich die Mehrheit, die Planungen Kirchstraße endgültig einzustellen. Im November 2021 wurde der Bebauungsplan »Am Schwarzen Morgen« beschlossen. Weitere Beschlüsse wurden im Januar gefasst, zu denen die Einrichtung einer Bauernhof/Natur-Kita und die Prüfung der Einrichtung von weiteren Familienzentren gehörten.

Im Juli wurde ein Antrag zur Prüfung der Förderung von Naturerfahrungen in Kitas verabschiedet.

Neue Stelle geschaffen

Um das alles umsetzen zu können, wurde im Haushalt 2022 eine Stelle für eine Kindheitspädagogin geschaffen. Im November wurde beschlossen, dass der Antrag »Kurze Beine, kurze Wege« in der von der Uni Gießen durchzuführenden Befragung der Kita-Eltern mitberücksichtigt wird, dass jährlich auch eine Bedarfsplanung vorgelegt werden soll und dass an Land und Bund appelliert werden soll, die »Sprach-Kita- Förderung« dauerhaft weiterzuführen. Noch nicht verabschiedet wurde, so Hofmann, dass das Stadtparlament bei der konkreten Bauplanung für Kitas mehr Mitsprache erhält. Beschlossen wurde auch ein »Corona-Bonus« für die Kita-Beschäftigten.

Über die geplanten Umsetzungen zu Neubauten von Kindertageseinrichtungen berichtete Bürgermeister Andreas Ruck. In der Umsetzungsphase befindet sich die Kita »Am Schwarzen Morgen« mit fünf Gruppen (125 Kinder) mit der Option der Erweiterung um eine Natur-Gruppe.

Im Sommer wurde dafür das europäische Vergabeverfahren angestoßen, die Angebote der Architekten gesichert und die Bewertung durchgeführt, sodass in den kommenden Tagen der erste Entwurf vorliegen wird. Im Vorfeld des Vergabeverfahrens wurde im letzten Jahr mit Bauabteilung und Kita-Leitungen ein Wunschkindergarten entworfen.

Mit der Kita »Hinter der Friedensstraße« Garbenteich mit fünf Gruppen (125 Kinder, Erweiterung von 25 Kindern), Kita »Kirchstraße« Watzenborn-Steinberg mit fünf Gruppen (125 Kinder, Erweiterung von 25 Kindern) und Kita »Fröbelstraße 4 / Unten« Garbenteich befinden sich weitere Einrichtungen in Planung. Wenn alles wie vorgesehen gelingt, wird in den kommenden Jahren für 300 Kinder Platz geschaffen.

Ein Modell für die Zukunft ist die Betreuung 24 Stunden/sieben Tage die Woche für Familien, die im Schichtdienst arbeiten. Im Bereich der Personalgewinnung steht das Kita-System vor dem Kollaps. Um den drohenden Zusammenbruch des Systems abzuwenden, sind erhebliche Investitionen und mittelfristig eine kontinuierliche Erhöhung der Ressourcen für das System frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung notwendig. Für die Zukunft ist eine Trägervielfalt in der Stadt Pohlheim wünschenswert, um unterschiedlichste Angebote für die Kinder zu erhalten, wie Andreas Ruck feststellte.

Offene Fragerunde

Stadtverordnetenvorsteherin Hiltrud Hofmann und Bürgermeister Andreas Ruck informierten über Fachkräfte und standen zu Fragen Rede und Antwort.

Entgegen dem Bund will das Land Hessen die Sprach-Kita fördern, das Programm soll weiterlaufen.

Besorgt war ein Vater eines fast dreijährigen Kindes, der seit einem Jahr die Pohlheimer Politik verfolgt: »Wie sollen die Kita-Plätze in den nächsten Jahren aufgefangen werden und wo wollen Sie das Personal herbekommen für die speziellen Kitas?« Simone van Slobbe-Schneider (Grüne), möchte den Kindergarten-Fachbereich vergrößern sollen. Leitungskräfte in den Kitas müssten von Büroarbeiten entlastet werden. U3-Kinder sollten in besonderen Gruppen betreut werden. In jedem Stadtteil sollte eine Krippengruppe zur Verfügung stehen, so ihr Wunsch.

Selbst der Landkreis Gießen bemüht sich zusammen mit den Kommunen, dass Fachkräfte gewonnen werden, hob Ruck hervor.

»Neben der Gewinnung von neuen Fachkräften sollte man versuchen, dass die vorhandenen Fachkräfte, die wir haben, erhalten und arbeitsfähig bleiben«, so eine Erzieherin.

Nicht nur die Erfahrung müsste stimmen, sondern auch die Rahmenbedingungen. Dieser Aussage stimmte die Pohlheimer Stadtverordnetenvorsteherin Hiltrud Hofmann (Grüne) zu, die hervorhob, dass sie in ihrer Funktion auf Kreisebene alles Mögliche tun werde, um im Jugendhilfebereich Fortschritte erzielen zu können. Sie werde am Tag einen Beschlussantrag vorbereiten für den Fachausschusshilfeplan.

Nach 90 Minuten war die Bürgerversammlung beendet. In ihrem Schlusswort hob Hiltrud Hofmann hervor, dass sie es schade findet, dass die Veranstaltung nicht auf ein größeres Echo gestoßen sei.

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