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Dorf-Güller der FFH-Glückspilz

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Mittendrin, statt nur dabei: Matthias Rüb (r.) und Schwiegersohn Daniel Heil genießen die Stadionatmosphäre. Foto: privat © privat

Matthias Rüb war beim Finalsieg der Frankfurter Eintracht in Sevilla live dabei. FFH hatte es möglich gemacht. Zusammen mit seinem Schwiegersohn genoss er nicht nur das Spiel.

Pohlheim . »Hola« in spanischer Sprache und »Gudde« in Frankfurter Mundart waren dieser Tage die beiden häufigsten Wörter, die der Dorf-Güller Matthias Rüb weit ab von seiner Heimat unter Gleichgesinnten freudig von sich gab. Er gehörte als Eintracht-Fan zu den überaus Glücklichen, die das Europa-League-Finale gegen die Glasgow Rangers live im Estadio Ramon Sanchez-Pizjuan - das seit 1958 die sportliche Heimat des Fußballvereins FC Sevilla ist - nicht nur miterleben, sondern auch nach spannenden und nervenauftreibenden 120 Minuten, insgesamt 13-minütiger Nachspielzeit sowie dem Elfmeterschießen den Europapokalsieg jubelnd mitfeiern konnten.

Mit ihm dabei war sein aus Linden stammender und jetzt in Grünberg wohnender Schwiegersohn Daniel Heil.

Für den noch 59-jährigen Matthias Rüb, verheiratet mit Kornelia Rüb und Vater von zwei erwachsenen Töchtern, war dies ein unvergessliches Erlebnis, ein nicht vorstellbarer Traum, der Wirklichkeit wurde.

Doch wie es tatsächlich dazu kam, das konnte uns Matthias Rüb, auf dessen Eintracht-Trikot auf der Rückseite sein Kosename »Mattis« und die »13« (seine Glückszahl) steht, erst drei Tage nach dem Finalsieg auf der Terrasse seines Hauses erzählen.

Glück hatte Matthias Rüb, dass Radio FFH in der Woche vor dem Europa-Pokal-Endspiel über den Äther zu einem Gewinnspiel aufrief, bei dem es zwei Finalkarten zu gewinnen gab. Auf einer App konnte man mitspielen und begründen, warum man die richtige Person für dieses Ereignis sei. Das hat auch Matthias Rüb gemacht, in der Region kein Unbekannter. Er war über viele Jahre hinweg Vorsitzender der Trachtengruppe Grüningen, tanzte dort mit seiner Ehefrau Kornelia, war im Vorstand der Hessischen Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege (HVT)-West und ist unter anderem Vizevorsitzender der Dorfgemeinschaft Dorf-Güll.

Seine Begründung muss wohl bei den Verantwortlichen bei FFH überzeugt haben: Daniel Heil, 28-jähriger Schwiegersohn der Eheleute Rüb und Mitglied bei der SG Eintracht Frankfurt, besuchte mit seinem Lindener Freund Tim-Ole Steinberg bereits das Viertelfinalspiel beim FC Barcelona. Mit dem Auto auf der Fahrt nach Spanien machten sie wegen Müdigkeit kurz Rast auf einem französischen Parkplatz. Dort wurde Daniel Heil, als er ein kleines »Nickerchen« machte, ausgeraubt. Alles war weg, bis auf die zwei Eintrittskarten und einen alten Reisepass, mit dem er ins Stadion kam. Zum Glück hatte die Eintracht in Barcelona 3:2 gewonnen.

Mit diesem ärgerlichen Ereignis, das aber für die weit angereisten Fans ein gutes Ende hatte, bewarb sich Matthias Rüb bei FFH mit dem Versprechen, wenn er die Tickets gewinne, würde er seinen Schwiegersohn mitnehmen, dem ein solches Pech des Raubes widerfahren war. Darüber hinaus versprach er dem Sender, dass er sich bei einem Sieg der Frankfurter ein Eintracht-Tattoo stechen lassen will. Dies wäre dann sein erstes Tattoo.

Zu Beginn der Finalwoche ging es über den FFH-Sender, dass Matthias Rüb der Gewinner der beiden Finalkarten, mit Flug, Beförderung vom Flughafen zum Hotel und zurück sowie drei Übernachtungen im Vier-Sterne Hotel SilkenAl-Andalis-Palace in der Avenida de la Palmera in Sevilla (Andalusien) ist, nachdem er zuvor schon unterrichtet wurde.

Live-Schaltung

Rüb, der in der Verwaltung bei der Polizei Mittelhessen in Gießen arbeitet, ist seinem Freund und Arbeitskollegen Ralf Heller sehr dankbar, dass er für ihn eingesprungen ist und dessen Dienst übernahm. So stand dem Unternehmen nichts mehr im Wege.

Tochter Nina brachte am Dienstag vor dem Finalspiel die beiden Fans mit dem Auto zum Hauptbahnhof, von dort ging es mit dem ICE weiter nach Nürnberg. Mit Ryanair ging der Flug nach Malaga, wo sie um Mitternacht ankamen. Dort wurden sie mit einer Limousine abgeholt und in das 208 Kilometer entfernte Hotel nach Sevilla gebracht, wo sie gen 3 Uhr in der Nacht ankamen.

Um 7.15 Uhr gab es schon die erste Live-Schaltung von FFH zu Rüb. Es war heiß in Sevilla, 37 Grad Celsius und die Sonne brannte. Den Tag über verbrachte man in der Fanmeile am Prado de San Sebastian, bevor es um 17.30 Uhr mit einem Fanmarsch Richtung Stadion ging.

Für das Spiel hatte man Super-Tickets, wie Matthias Rüb hervorhob, direkt an der Mittellinie und in der dritten Reihe von unten. Alles war bestens, nur nicht die Versorgung mit Getränken. Man hatte Durst und es gab nichts zu Trinken, selbst das Wasser in den Toiletten wurde abgestellt, nachdem Fans davon Gebrauch gemacht hatten.

Bis eine Stunde nach Mitternacht waren die Eintrachtler im Stadion, danach waren keine Taxis mehr aufzutreiben und die Kneipen waren alle zu.

Für Matthias Rüb und Schwiegersohn Daniel hieß es nach all den Anstrengungen, erstmal ausschlafen, bevor dann am Donnerstag eine Stadtbesichtigung und der Besuch der Stierkampfarena folgte. Tags darauf, am Freitagmorgen wurden die beiden Mittelhessen wieder von der Limousine abgeholt und zum Flughafen nach Malaga gebracht. Von dort aus ging der Rückflug mit Ryanair nach Dortmund, wo Tochter Nina sie abholte.

Als Matthias Rüb am Freitagabend wieder in der Region war, ließ er es sich nehmen, in der Gaststätte »Zum Ritter« das Erlebte mit Freunden noch einmal aufleben zu lassen. Nach dem viertägigen Trip nach Andalusien hieß es scherzhaft, ob er in der Eingliederungsphase sei.

Übrigens, Rüb und sein Schwiegersohn trafen in Sevilla und im Stadion auch einige bekannte Gesichter, sowohl aus Pohlheim als auch Linden. Auch Tim-Ole Steinberg war natürlich als Eintracht-Fan auch wieder dabei.

Begeistert war Matthias Rüb von den schottischen Fans, die trotz Niederlage stets sehr freundlich, herzlich und zuvorkommend auftraten.

Tattoo geplant

Jetzt fehlt nur noch das Tattoo, das demnächst auf der rechten Schulterseite von Matthias Rüb, der schon genaue Vorstellung darüber hat, wie es aussehen soll, gestochen wird.

Der Gießener Anzeiger bleibt am Ball und berichtet darüber, wenn es soweit ist.

Für Matthias Rüb scheint das Jahr 2022 ein gutes und glückliches Jahr zu werden, denn nach dem großen Erlebnis beim Fußball werden er und seine Ehefrau Kornelia im September erstmals Oma und Opa. Einen weiteren Grund zum Feiern gibt es, denn Tochter Laura heiratet noch in diesem Jahr und im Januar 2023 wird Matthias Rüb 60 Jahre jung.

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Die 13 ist Matthias Rübs Glückszahl. Foto: Schu © Schu

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