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»Ein geschlossenes System«

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Pohlheim (ww). Eine Schweigeminute für die, die im Ukraine-Krieg getötet wurden und die, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, wurde in der Stadtverordnetenversammlung in Pohlheim eingelegt. Stadtverordnetenvorsteherin Hiltrud Hofmann (Grüne) hatte darum am vergangenen Donnerstag in der Volkshalle gebeten.

»Die Welt ist 2022 ein andere geworden. Wir haben einen Krieg in Europa, den viele nicht für möglich gehalten hätten, direkt vor unserer Haustür.« Was Putins Krieg für die Ukraine und Europa bedeute, lasse sich bei weitem nicht überblicken. Millionen seien auf der Flucht. »Halten wir derer inne, die in diesem Krieg hungern, die vor Bomben flüchten und die ihr Leben verloren haben.«

Alle Fraktionen stellten zudem einen gemeinsamen Antrag, indem festgestellt wird, dass auch die Stadt Pohlheim jede erdenkliche Hilfe für die Geflüchteten zusammen mit der Bevölkerung leisten wolle. Professor Dr. Ernst Ulrich Huster, einer der beiden Vize-Vorsitzenden der SPD-Fraktion, begründete den Antrag und widersprach der Stadtverordnetenvorsteherin in einem Punkt ihrer Rede: »Das ist nicht nur Putin, das ist ein geschlossenes System, eines der Oligarchie (Anm. der Red.: Staatsform, in der eine kleine Gruppe die Herrschaft ausübt).« Der Sozialdemokrat erinnerte daran: »Auch wir haben in der Nachkriegssituation vom Ausland Hilfe bekommen.«

Bürgermeister Andreas Ruck (parteilos) informierte über die Ankunft von Flüchtlingen. Der Kreis sei bei der Zuweisung federführend. Derzeit seien 32 Ukrainer in Privatwohnungen in Pohlheim untergebracht. Das Einwohnermeldeamt verzeichne den Aufenthalt, das Ausländeramt sei für die Versorgung zuständig. »35 Wohnungen, teils ganze Häuser, werden angeboten«, unterstrich er. Die Pohlheimer Hilfsbereitschaft mache ihn stolz. Die Stadt selbst richte gerade eine städtische Wohnung in Holzheim für eine Familie her. Die Liegenschaft Ludwigstraße 37, angedacht als Jugendzentrum in Zukunft, stehe bekanntlich Ende des Monats leer. Auch hier könnten Ukrainer unterkommen. Kinder unter sechs Jahre sollen zunächst nicht in die Kitas mit aufgenommen werden.

Man arbeite mit den Kirchen als Sozialträger an einer Lösung in Form einer zusätzlichen Einrichtung. Einfacher sei es bei Schülern, die bereits in der Limesschule und der Adolf-Reichwein-Schule untergebracht seien. Am Montag, 4. April, werde es ab 17.30 Uhr eine Informationsveranstaltung für freiwillige Helfer in der Dorf-Güller Klosterwaldhalle geben. Im Rahmen der Gemeinwesenarbeit sei bereits ein Café-Treff angedacht, in dem sich die Ukrainer treffen und austauschen könnten, um auch Kontakt in Richtung Heimat zu halten.

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