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Enttäuschte Anlieger

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Die Anwohner sind sauer, der Grasweg wird zum reinen Fußweg. © Schu

40 Jahre haben Anlieger einen Feldweg genutzt. Jetzt wird er auf eine unbrauchbare Breite geschrumpft, für ein Baugebiet.

Pohlheim (jüs). Viel diskutiert wurde in den vergangenen Monaten über den Grasweg in Hausen, der sich hinter den Häusern entlang der bebauten Danziger Straße befindet. Pohlheims Bürgermeister Andreas Ruck (unabhängig) hatte sich für den Erhalt in gesamter Breite eingesetzt, konnte sich aber nicht durchsetzen. Da sich dort das Baugebiet »Hausen-Ost« anschließen wird, wurde der unbefestigte Weg in seiner Breite so reduziert, dass sich dort nur noch Fußgänger bewegen können.

Damit sind die Anwohner nicht einverstanden. Wegen der Lage ihrer Grundstücke nutzen sie diesen Behelfsweg seit mehr als vier Jahrzehnten mehrmals jährlich für Anlieferungen und auch für die Pflege des gesamten Grundstücks, weil ihr Grund von der Danziger Straße aus nicht oder nur schwer zugänglich sei.

Die Anlieger Erwin und Veronika Müller wie auch die Familien Baldauf, Volk und Otto sind sehr enttäuscht darüber, dass keiner der Parlamentarier, gleich welcher Partei er angehört, mit ihnen gesprochen hat. Unverständlich sind ihnen die Aussagen von Erich Klotz (Freie Wähler) und Malke Aydin (CDU), die den Grasweg sogar ganz wegfallen lassen wollten.

Die Anlieger blicken noch einmal auf die Anfänge zurück, als 1978/79 die Grundstücke erworben wurden. Schon Altbürgermeister Willi Balser habe seinerzeit den Feldweg angepriesen, da schnell klar war, dass sich die Zufahrt zur Häuserreihe von der Danziger Straße aus problematisch gestalte. Es sei von der Stadt Pohlheim zugesichert worden, dass alle Anlieger den Feldweg ebenso wie die Landwirte nutzen könnten. Diese Erlaubnis habe Bürgermeister Hermann Georg 1979 erneuert. Nach Bezug der Häuser sei der Weg ab 1980 von den Eigentümern dann gemäht und gepflegt worden. Die Situation des Weges stelle sich 40 Jahre später so dar, dass er als Spazierweg, aber auch als Spielplatz für Ballspiele genutzt werde. Die Anlieger sahen hier schon Menschen picknicken, aber auch Priester in Gedanken versunken. Veronika Müller abschließend: »Jeden Tag konnten wir eine kleine Völkerwanderung sehen. Auf dem Weg hat sich alles abgespielt. Wege dieser Art brauchen wir, die unser Leben begleiten und die ihren Sinn schon seit Jahrzehnten haben. Wer will, kann sich in der Nachbarstadt Lich, der Stadt mit Herz, umschauen und wird feststellen, dass es dort viele solcher Wege gibt. Man sieht, mit gutem Willen geht das. Wenn die Stadt Pohlheim sagt, wir brauchen einen Bürgerpark und das und jenes, dann kann ich auch sagen, ihr könnt die 3,50 Meter breite Grünfläche hier stehen lassen.«

Was ist mit dem Wegerecht?

Im Übrigen beruft sie sich auf das Wegerecht. Hier heiße es, wenn eine Straße oder ein Weg über einen relativ langen Zeitraum von (einem) Anwohner genutzt werde, könne ihm dies, eben aufgrund des Gewohnheitsrechtes, in aller Regel nicht für die Zukunft verweigert werden.

Pohlheims Bürgermeister Andreas Ruck (unabhängig) hatte sich für den Erhalt des Graswegs in seiner ganzen Breite im vergangenen Jahr stark gemacht. »Mir ist der dörfliche Charakter wichtig. Solche Wege haben diesen. Jetzt ist der Weg nur noch 1,50 Meter breit, aber es ist noch ein Weg, den man nutzen kann. Besser als nix. Die Mehrheit sah das anders. Mehr war nicht drin.«

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