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Fotos aus Krieg und Frieden in der Ukraine

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Jenia Bezborodova unternalte die gezeigten Bilder musikalisch an der Bandura. Foto: Schmidt © Schmidt

Die ukrainischen Fotografen Nelli Spirina und Serhii Mykhalchuk präsentierten eine Auswahl ihrer Motive anlässlich einer Vernissage des Pohlheimer Forums »Kopf und Herz«.

Pohlheim (ger). Den harten Kontrast von Zeiten des Friedens und des aktuellen Krieges mit all seinem Leid und Zerstörung in der Ukraine bildeten Bilder der beiden ukrainischen Fotografen Nelli Spirina und Serhii Mykhalchuk. Eine Auswahl ihrer Motive war anlässlich einer Vernissage des Pohlheimer Forums »Kopf und Herz« unter der Überschrift »Die Ukraine im Krieg und im Frieden« in der Volkshalle Watzenborn-Steinberg zu sehen. Sie bildeten dabei den Rahmen für ein kulturelles Programm mit Chor- und Instrumentalmusik, Gesang und Tanz.

In Unterstützung nicht nachlassen

Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Claus Leggewie machte in seinen Betrachtungen im Blick auf den aktuellen Konflikt in der Ukraine den rund 100 Zuhörern wenig Hoffnung, dass der Krieg bald enden wird. »Die Lage ist schrecklich!«, sagte er und mahnte dabei, in der Unterstützung für eine freie Ukraine nicht nachzulassen.

Fotos seien wichtig, da sie die Kriegsverbrechen gegen die dortigen Menschen später beweisen helfen, so Leggewie.

Moderatorin Alexandra Böckel, Geschäftsführerin des Freiwilligenzentrum Gießen, konnte zu Beginn am Flügel die junge ukrainische Instrumentalistin Jenia Bezborodova begrüßen, die im Verlauf des Abends auch am Lauteninstrument Bandura vor Bilderimpressionen zu hören war. Nicht nur ukrainische Tänze steuerte Nelly Syupur bei. »Heimat, Heimat, ewig liebe Heimat« sangen die Sänger des Watzenborner Männerchores von Harmonie und Sängerkranz unter Leitung von Peter Schmitt eines ihrer Lieder als Zeichen für die Ukraine und für die eigene Heimatliebe. Und auch die Modern Voices des Gesangverein Germania mit Andreas Stein hatten bei ihrem Gastauftritt nachdenkliche Stücke ausgesucht, unter anderem Goiserns »Weit, weit weg«. Es war wie eine Reminiszenz an entwurzelte Kriegsflüchtlinge und ihre Sehnsucht nach Frieden und nach Hause kommen. Zudem hatte Sängerin Nidia Ortiz ihren Auftritt, die gemeinsam mit Harald Mantei Organisatorin des Veranstaltungsformats »Forum Kopf & Herz« ist.

Grußworte an alle Beteiligten überbrachte für die Stadt Pohlheim deren Bürgermeister Andreas Ruck und sagte dabei: »Krieg macht keinen Sinn.«

Leggewie, der selbst einen Krieg im Kessel von Sarajewo miterlebt hatte, erläuterte die imperiale Ideologie, die das autokratische Putin-System verfolgt. Es folge einer Linie von Zarismus über den Kommunismus der Sowjetunion bis hin zu Putin. Der sei kein Kommunist, viel mehr ein Stalinist.

Der Krieg richte sich nicht nur gegen die Ukraine, vielmehr gegen den gesamten freien Westen, denn die eigentliche Bedrohung des Putin-Systems sei die Demokratie, unterstrich Leggewie. Zu seinem Machterhalt benötige Putin unfreie Satellitenstaaten. Jetzt, wo es kälter werde, sagte er mit dem Blick auf ausbleibende Gaslieferungen, würden im linken wie im rechten Lager die Putin-Freunde aktiv, erwartet der Politikwissenschaftler und mahnte weitere Solidarität mit der Ukraine an. Allerdings sei Russland im Energiebereich am verwundbarsten, denn das weitere industrielle Potenzial befinde sich auf dem Niveau eines Entwicklungslandes.

»Berlin für Putin das Fernziel«

»Russland müssen wir daher Perspektiven aufzeigen«, Kontakte mit russischen Bürgern, gerade in der Kultur, müssten verstärkt werden, appellierte er für Gespräche und gegen Ausgrenzung. Viele Russen seien nicht mit diesem Krieg einverstanden und wüssten nicht, was in der Ukraine geschehe. Auf die Frage aus den Gastreihen, ob auch das ehemalige Gebiet der DDR ein Ziel des russischen Imperialismus sein könne, hatte er aus seiner Sicht keine guten Nachrichten. Für Putin sei Berlin das Fernziel, so Leggewies Einschätzung.

Am Ende des Abends war bei Getränken und Snacks dann Zeit, sich die Bilder anzuschauen und Gespräche zu führen. In den kommenden Tagen sind ausgesuchte Bilder noch in der Stadtverwaltung Pohlheim, der freien evangelischen Kirchengemeinde sowie in der Christuskirche in Watzenborn-Steinberg zu sehen.

Erlöse aus den gesammelten Spenden gehen auch an die humanitäre Hilfe für die Ukraine des »Bündnis Entwicklung Hilft - Gemeinsam für Menschen in Not«.

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Kritische Worte kamen von Politikwissenschaftler Claus Leggewie. Foto: Schmidt © Schmidt

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