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Heimat für viele Menschen

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Der evangelische Kirchenchor Hausen bei seinem letzten »Auftritt«, eingeschlossen von Pfarrerin Sabine Guder (links) und Kirchenvorstand Dr. Horst-Werner Korf. Foto: Schu © Schu

Nach 95 Jahren löst sich der evangelische Kirchenchor Hausen auf. Die verbliebenen Sängerinnen wurden im Gottesdienst mit dem Segen der neuen Pfarrerin Sabine Guder verabschiedet.

Pohlheim (jüs). Freude und Trauer zugleich im ersten Gottesdienst des Jahres der evangelischen Kirchengemeinde Garbenteich und Hausen/Petersweiher in Hausen. Freude zum einem, dass die lange Vakanz in den beiden Pfarrstellen Hausen und Garbenteich zu Ende und mit Pfarrerin Sabine Guder besetzt sind. Für die ehemalige Vikarin der Partnergemeinde Watzenborn-Steinberg, deren Ordination am 12. Februar in Hausen erfolgt, war es gleichzeitig der erste Gottesdienst im Dorf unterhalb des Schiffenbergs. Ein Neuanfang für die Pfarrerin und die Gemeinden.

Traurig auf der anderen Seite, dass sich der evangelische Kirchenchor Hausen, einst am 20. August 1927 von Altbürgermeister Ludwig Happel und Pfarrer Ernst Steiner als gemischter Chor gegründet, sich nach über 95 Jahren auflöst und die verbliebenen Sängerinnen im Gottesdienst mit dem Segen der Pfarrerin verabschiedet wurden.

Zu den verbliebenen Sängerinnen gehörten Elke Becker, Elke Linsenmann, Renate May, Karin Agel, Roswitha Schardt, Erika Will, Ingrid Jost, Irene Munzert, Doris Brückel, Albine Steuernagel, Irmgard Schäfer und Doris Müller. Kurzfristig aus privaten Gründen absagen musste Erika Liesenfeld.

Froh und dankbar muss man sein, dass der Chor vielen Menschen eine Heimat gewesen ist und über 95 Jahre Freude am Singen und in der Gemeinschaft über mehrere Generationen hinweg, verbreitet hat, wie Pfarrerin Guder hervorhob. Im Gottesdienst wurden Lieblingslieder des Chores gemeinsam gesungen.

Abschied stimmt traurig und demütig

»Die Stunde an der wir Abschied nehmen, stimmt uns traurig und demütig«, wie Dr. Horst-Werner Korf, Mitglied des Kirchenvorstandes, in seiner Ansprache betonte. Über sehr viele Ereignisse und Gegebenheiten könnte er berichten, dies alles aufzuzählen würde Stunden füllen. Er verwies auf einen Zeitungsartikel vom 5. März 1937, bei dem der Chor damals schon einen bemerkenswerten Heimatabend zusammen mit der Heimatvereinigung Schiffenberg-Ortsverein Hausen veranstaltete und bewies, dass der Kirchenchor und die Kirchengemeinde in das öffentliche Leben eingebunden waren, was bis zum heutigen Tage anhält. Die Corona-Pandemie hat die Gesellschaft stark erschüttert und den evangelischen Kirchenchor Hausen lahmgelegt, so Korf. Das Leben neu zu gestalten und dem Chor neue Impulse zu geben, ist trotz zahlreicher Werbeversuche und Bemühungen neue Sängerinnen zu erreichen, nicht gelungen. Korf: »Uns bleibt die Erinnerung an sehr viele Auftritte«. Im Namen des Kirchenvorstandes überreichte er an Vorsitzende Elke Becker einen Blumenstrauß für jahrzehntelange Unterstützung,

Der Kirchenchor hatte der Kirchengemeinde zum Abschied einen großen Stern geschenkt. Dieser soll alljährlich zur Weihnachtszeit beim Weg in die Kirche leuchten und an den Chor erinnern.

Seit 2003, insgesamt 20 Jahre, stand Elke Becker als Vorsitzende an der Spitze des Kirchenchores, der nach ihren Worten in dieser langen Zeit viele Höhen und Tiefen erlebt hat. Erinnert hat sie in ihrer Ansprache an die beiden plötzlich verstorbenen Chorleiter Walter Jung, der den Kirchenchor fast 39 Jahre leitete und an Jürgen Schöffmann, der nach dem Tod von Jung den Chor fünf Jahre dirigierte. Da beide auch gleichzeitig Chorleiter des MGV »Eintracht« Hausen waren, konnte der Kirchenchor in diesen Zeiten oftmals als gemischter Chor mit der »Eintracht« singen, was allen gefiel.

Zahlreiche passive Mitglieder

Ab 1. Mai 2017 leitete Katharina Döring den Kirchenchor. Mit ihr konnte am 8. Oktober 2017 das 90-jährige Bestehen gebührend gefeiert werden. Die Chorleitung ging am 1. April 2019 an Adele Granz über. Die letzte Chorprobe mit ihr datiert vom 9. März 2020, danach konnten Corona-bedingt keine Singstunden mehr stattfinden. Versuche, den Chor zu erhalten und neu zu beleben, sind leider fehlgeschlagen. So konnte im vergangenen Jahr auch nicht mehr das 95-jährige Bestehen gefeiert werden.

Einen Dank sprach Vorsitzende Elke Becker noch allen Sängerinnen aus, von denen die meisten 30, 40, 50, 60 Jahre und noch mehr jede Woche die Chorproben besuchten und viele Gottesdienste sowie Veranstaltungen und Feiern mitgestaltet haben.

Einen ganz besonderen Dank erhielt Irene Munzert, die als aktive Sängerin am längsten im Chor gesungen und fast nie eine Chorprobe versäumt hat. Im vergangenen Jahr waren es sage und schreibe 70 Jahre.

Der Chor hatte aber nicht nur Aktive, sondern auch passive Mitglieder, die ihn unterstützten. Dazu gehört auch das älteste Mitglied Elfriede Knaus, inzwischen 95 Jahre alt und seit 80 Jahren im Verein Kirchenchor. Sie nahm bis heute - auch im Gottesdienst - immer regen Anteil am Chorgeschehen und an den Aktivitäten. Ein besonderes Bedürfnis der Vorsitzenden war, der Rechnerin Renate May ein Dankeschön auszusprechen, die seit 51 Jahren vorbildlich die Kasse geführt hat und auch immer bereit war, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Dankesworte erhielt auch der Kirchenvorstand Hausen als guter Ansprechpartner und vielfältiger Unterstützer.

Für die Sängerinnen und Elfriede Knauss gab es einen Blumenstrauß.

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