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Hier sind drei Ermittlerinnen am Werk

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Bei der »Ladies Crime Night« in Holzheim lesen Christine Drews, Sabine Weiß und Eva Almstädt aus ihren an der norddeutschen Küste spielenden Kriminalromanen.

Pohlheim . Während in Watzenborn-Steinberg mit der Eröffnung der Wiesn bajuwarisch dominierte Stimmung gefeiert wurde, bot der Süden Pohlheims zeitgleich norddeutsche Alternativen der etwas dezenteren Art. Denn in der Kulturellen Mitte Holzheim waren im Rahmen von »Leseland Gießen« (unter dem Dach von »Leseland Oberhessen« der Ovag) drei Autorinnen zu Gast, die sich mit den kriminalistischen Untiefen an Nord- und Ostsee beschäftigten. Die »Ladies-Crime-Night« versammelte Eva Almstädt, Christine Drews (alias Emmi Johannsen) und Sabine Weiß auf der vor schwarzem Hintergrund rot ausgeleuchteten Bühne der »Kulti«. Zwar blieben wieder einige Plätze leer, doch bei der dritten Lesung dieser Art in Holzheim war erneut ein deutlicher Besucher(innen)-Zuwachs festzustellen.

Eingespieltes Trio

»Wir sind in dieser Runde schon ein paar Jahre zusammen«, erläuterte Christine Drews im Anschluss, was die Eingespieltheit des Trios und ihre professionelle Art der Vorträge erklärte. Denn die Autorinnen haben nicht nur den Verlag (Bastei Lübbe) gemeinsam, sie zählen auch zu den bekanntesten Gesichtern im längst etablierten großen Feld der Regionalkrimis. Zudem sind bei ihnen jeweils Ermittlerinnen auf der Suche nach Tätern und Täterinnen sowie den Motiven der Verbrechen.

Bei Christine Drews ist es die Hobbydetektivin (und Kioskverkäuferin) Caro Falk, die zusammen mit dem Türsteher Jan Ackermann auf der Nordseeinsel Borkum den Abgründen des Lebens auf der Spur ist. Sabine Weiß hat die Fälle der Kommissarin Liv Lammers von der Mordkommission Flensburg auf der mondänen Insel Sylt beheimatet und Eva Almstädt lässt ihre Kommissarin Pia Korittke von Lübeck aus an der Ostseeküste auf Verbrecherjagd gehen. Dabei haben die Autorinnen die fiktiven Biografien ihrer Protagonistinnen schon über eine Reihe von Büchern entwickelt. Doch beeilen sie sich, beim Vortrag zu versichern, die Werke seien für sich abgeschlossen und könnten auch als Einzelstücke gelesen werden. Verkaufsfördernde Anmerkungen sind ja nicht verboten, wenn am Ausgang der Büchertisch wartet. Jeweils eine halbe Stunde lang trugen die drei Schriftstellerinnen Passagen aus ihren aktuellen Büchern vor. Drews hat dem dritten Beitrag ihrer »Mordsee«-Serie um das Duo Falk/Ackermann den Titel »Fest« gegeben und nutzt die alljährlich große Strandparty auf der größten der ostfriesischen Inseln als Hintergrund für ihren Kriminalfall.

Weiß verbindet für »Düsteres Watt«, den sechsten Teil ihrer Sylt-Krimireihe, Erlebnisse inmitten der Wanderdünen mit Einblicken in Politikerleben. Und Almstädt lässt in »Ostseekreuz«, dem 17. Band ihrer Lübeck-Krimis, Kommissarin Korittke eine private Auszeit in einem Kloster nehmen, wo natürlich ein Mord passiert. Allen drei Autorinnen ist eigen, dass sie sehr detailgenau von ihren örtlichen Schauplätzen berichten, wie einige Besucherinnen lobend anmerkten. Christine Drews konnte sich dabei nicht die Anekdote verkneifen, dass sie sich großes Lob von den Besitzern einer Strandsauna auf Borkum verdient habe. Denn nach der entsprechenden Erzählung von einem Mordfall ebendort seien in der Folge Besuch und Umsatz deutlich angestiegen. Allerdings verzichten die Krimi-Schreiberinnen in der Regel auf die genaue Nennung von Lokalen, Geschäften etc. bei der Schilderung der laufenden Ermittlungen. Eva Almstädt berichtete, dass sich das von ihr im aktuellen Buch beleuchtete Kloster aus den Backstein-Gebäuden des Klosters Cismar und den eigenen Erlebnissen (bei einem Kurs im Aktzeichnen) im Kloster Nütschau zusammensetze.

Interessant auch die explizite und detaillierte Erwähnung der ortstypischen Getränke in den drei Kriminalromanen. Während sich das Klosterleben auf Tee und Kaffee bescheiden muss, wird auf Borkum in schwierigen Situationen den Sanddorn-Schnäpsen zugesprochen, während auf Sylt, wenig verwunderlich, Champagner und Aquavit angesagt sind. Auch hier klare Unterscheidungsmerkmale im Blick auf die Wiesn in Watzenborn-Steinberg.

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