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Jeder Korb ein echtes Unikat

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Die Jugendlichen nach zweistündiger Arbeit mit Edith Hutzfeld (rechts) und Anneliese Bergmann (links). Foto: Schu © Schu

Pohlheim (jüs). Das Gestalten mit Peddigrohr gehörte zu einem der letzten Ferienspielangebote der Stadt Pohlheim in diesem Jahr. Unter der Leitung vom Edith Hutzfeld (Garbenteich) fand bei ihr im Wintergarten der vierstündige Kurs statt, nachdem eine Woche zuvor an gleicher Stelle - jedoch wetterbedingt unter freiem Himmel - schon einmal mit einer anderen Gruppe das Flechten eines Korbs auf dem Programm stand.

Flechten mit Peddigrohr macht Spaß und ist eine leicht erlernbare, schöpferische Tätigkeit, denn unter den eigenen Händen können kleine Kunstwerke entstehen, die für viele Menschen eine bereichernde und wohltuende Erfahrung ist. So ging es einigen Jugendlichen bei den Ferienspielen 2022 in Pohlheim.

Dieses schöne Handwerk ist etwas in Vergessenheit geraten. Bei Edith Hutzfeld aber nicht. Sie hat es vor über 60 Jahren im Schulunterrichts- fach »Werken und Handarbeit« gelernt, Spaß daran gehabt und bis heute nicht aufgegeben. Das mag zum einen auch daran liegen, dass die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin ihr Hobby zum Beruf gemacht hat.

Sie betreibt eine Werkstatt für Handarbeit und leitet seit vier Jahrzehnten auch Kurse in der Familienbildungsstätte Gießen sowie Kreisvolkshochschule, zu denen »Hessenkittel sticken und nähen«, »Hessenstickerei«, »Klöppeln«, »Hardanger Stickerei« (für Anfänger und Fortgeschrittene) gehören. Dazu kommen Sticknachmittage zu Hause, monatliche »Hardanger Treffen« in der Familienbildungsstätte Gießen, Stickseminare und auch Ferienspiele in Wetzlar und Pohlheim. Selbst auf der Landesgartenschau in Gießen durfte sie nicht fehlen.

Nun zurück zum Thema »Peddigrohr«.

Seit einigen Jahren rückt es jedoch zunehmend in das Licht einer breiteren Öffentlichkeit, weil man erkannt hat, welche vielfältigen Möglichkeiten es bietet. Die Grundbegriffe des Flechtens mit Peddigrohr sind dem klassischen Korbflechten mit Weide verwandt, aber durch die einfache Handhabung des Materials bietet es nahezu jedem die Möglichkeit, schöpferisch zu arbeiten. Da es sowohl geistig als auch manuelle Fertigkeiten fördert, gewinnt es besonders in Schule und Therapie an Bedeutung.

Unterstützt wurde die Gastgeberin des Ferienspielangebots von ihrer Freundin Anneliese Bergmann aus Fernwald- Anneord, die mit ihr das Hobby Handarbeit teilt und den Ferienspielkindern fachmännisch mit Rat und Tat sowie Unterstützung bei der Herstellung eines Körbchens zur Seite stand. Die Kinder hatten ihren Spaß daran und waren begeistert.

Für eine junge Teilnehmerin, die zuvor an den Ferienspielkursen Handarbeit und Zaubern teilgenommen hatte, war dieses Angebot am interessantesten.

Peddigrohr ist ein rundes, weiches und biegsames Flechtmaterial, welches sich sehr gut zum Flechten von Körben und zum Basteln eignet. Peddigrohr wird aus dem Mark der Rotangpalme gewonnen und wächst größtenteils in Indonesien. Angeboten wird es in verschiedenen Stärken; sie sind auch ungleich lang, wie Edith Hutzfeld über das verwendete Material zu berichten wusste. Der Flechtfaden ist ein Naturmaterial, den man feucht halten muss. Wenn er trocken ist und man damit arbeitet, bricht er leicht. Staken und Fäden sollen feucht verarbeitet werden, speziell vor dem Biegen sind die Staken gut zu wässern. Das Material wird feucht in seine Form gebracht und erhärtet durch das Trocknen.

Die Staken (Staken sind die senkrechten Peddigrohre, die umflochten werden und damit das Grundgerüst des Korbes bilden) sollen immer dicker sein als die Fäden. Aus Zeitgründen hat man einen Boden aus Holz gewählt, anstatt diesen auch zu flechten, auch um es den Kindern und Jugendlichen etwas zu vereinfachen.

Die Arbeit des Flechtens ist ein fortwährendes Biegen, Halten, Verwinden, um die Arbeit in Richtung der gedachten Form zu bringen. Am Ende steht fest, jeder Korb ist ein Unikat.

Fertige Körbe kann man auch farbig anmalen oder nach eigenen Wünschen farbig gestalten. Klarglanz macht sich auch ganz gut, dann ist der Korb geschützt, so Edith Hutzfeld, die aus Erfahrung spricht.

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