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Kreisverwaltung bleibt Ausschusssitzung fern

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Pohlheim (twi). »Einrichtung einer Natur- und Bauernhofkitagruppe« lautete der mit Spannung erwartete Tagesordnungspunkt der Sozialausschusssitzung in Pohlheim. Eine Powerpoint-Präsentation stand bereit, um auf der Leinwand in der Volkshalle abgespielt zu werden.

Kreis in Doppelrolle

Doch als Ausschussvorsitzender Uwe Happel (SPD) den Punkt aufrief, musste er mitteilen, dass seine Bemühungen, beim Landkreis eine Referentin für diese Sitzung zu gewinnen, erfolglos blieben.

Der Landkreis habe darauf verwiesen, dass er als Fachaufsicht wie Beratungsstelle eine Doppelrolle einnehme und deshalb keine Mitarbeiterin entsende.

FW-Fraktionsvorsitzender Andreas Schuch zeigte sich sichtlich enttäuscht, verwies darauf, dass bereits seit 2020 zu diesem Thema ein klarer Arbeitsauftrag bestehe. Verärgert angesichts dieser Vorgehensweise des Magistrats äußerte sich Björn Feuerbach (FW), der daran erinnerte, dass am 25. März 2021 im Parlament beschlossen wurde, dass der Magistrat mit Gehöften in Gespräche treten und anschließend darüber informieren sollte. Man einigte sich darauf, dass der Magistrat in Frage kommende Träger zu einer Veranstaltung einladen soll. »Wer kommt, bekundet sein Interesse, und wer nicht kommt, hat damit seine Chance verwirkt«, so der Tenor der Diskussion. Erster Stadtrat Klaus Dieter Gimbel (SPD) sicherte dies für den verhinderten Bürgermeister zu.

Anita Ladberg von der Fachberatung Kindertagesbetreuung beim Landkreis Gießen hatte die Tischvorlage erstellt. In dieser geht die Erzieherin und zertifizierte NABU-Naturführerin auf die Merkmale einer Bauernhof-Kita ein. Konzeptionell richtet sich der pädagogische Alltag an der Fruchtfolge, der Versorgung der Nutztiere und Instandhaltung aller Bereiche aus und ist somit eng an die jahreszeitlichen Abläufe gekoppelt. Zum Teil werden eigene Bauerngärten angelegt und die Ernte und Verarbeitung dieser erlebt.

Futterkosten & Co.

Für eine Betriebserlaubnis sind mehrere Behörden einzubinden sowie ein pädagogisches Konzept vorzulegen. Zur Haltung von Wirtschaftsgeflügel oder anderen Nutztieren bedarf es einer Erlaubnis. Sämtliche Nutztiere sind bei der hessischen Tierseuchenkasse zu versichern. Möglicherweise fallen Tierarztkosten an, zudem regelmäßig Kosten für Futter und Hygiene. Bei kleinen Beständen sollte eine Mitgliedschaft in einem Tierschutz- oder Kleintierzüchterverein bestehen, um an die vorgeschriebenen Impfstoffe zu gelangen. Bei Geflügelhaltung ist die Aufstallungspflicht während der Geflügelpest zu beachten, bei Schweinen die Schutz- und Hygienevorgaben zur Afrikanischen Schweinepest.

Bei Natur- und Waldkindergärten sind folgende Standards vorzuhalten: Pro Gruppe 15 bis maximal 20 Kinder ab drei Jahre. Das Spielen zwischen Geräten, Tieren oder gelagerten Futtermitteln und Einstreu birgt Gefahren. »Alle Formen von Natur-Kitas bergen großes Potenzial am Umwelt-, Gesundheits- und Familienbildung und frühkindlicher Förderung, was in Zeiten von Klimawandel und Ressourcenbewusstsein ein hohes Gut für die Umsetzung des staatlichen Auftrages der Elementarbildung, Erziehung und Betreuung darstellt. Demgegenüber stehen ein hohes Maß an Planung und Organisationsbedarf, verbunden mit unterschiedlich ausgeprägten Risiken und Gefährdungen je nach Standort«, heißt es im Fazit der Vorlage.

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