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Musik und Lichtermeer zum Abschluss

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Mit Hits der 1980er und 1990er Jahre sowie einem Wunschkonzert der Marburger Sängerin Diana Biolan klang das Musik- und Lichterfest aus. Foto: Schu © Schu

Bei Groß und Klein es sehr gut an: Das Familien- und Kinderfest des Kleintierzuchtvereins Dorf-Güll bot für jeden Geschmack etwas.

Pohlheim (jüs). Voll auf gelungen, gut angenommen und besucht wurde das mit einem Familien- und Kinderfest beginnende und in der Nacht mit einem erlebnisreichen und stimmungsvollen endeten Musik- und Lichterfest des Kleintierzuchtvereins H30 Dorf-Güll auf dessen Vereinsgelände.

Zahlreiche Besucher haben den kleinen Dorf-Güller Verein unterstützt und dabei dessen Arbeit gewürdigt. Anlass für dieses gelungene Fest war trotz der Corona-Pandemie der Aufschwung des Vereins und die sehr gute Entwicklung im vergangenen Jahr. All dies und noch viel mehr wurde gemeinsam gefeiert und präsentiert. Zur Aufwärtsentwicklung trug wesentlich auch das Kinder- und Jugendkonzept mit verschiedenen Aktionen zur Zukunftssicherung des Vereins bei.

Am frühen Nachmittag begann für Jung und Alt der Festtag, an dem auch der Wettergott seinen Beitrag leistete und für angenehme Temperaturen sorgte. Auf dem abwechslungsreichen und kurzweiligen Programm stand ein Flohmarkt für Kinderbegleitung, Spielwaren, Kinderbücher- und Unterhaltungselektronik. Für die Kinder gab es mit einer Hüpfburg, lustigen Spielen, Glücksrad und Schminken (durch Stella Keller) und Glücksrad drehen viel Abwechslung. Viel Spaß hatten sie auch, die Kleintiere in ihren Volieren nicht nur zu erleben, sondern auch zu füttern und zu streicheln. Attraktiv war eine Tombola, bei der jedes Los gewann. Für Speis und Trank war bestens gesorgt; der Absatz beim Grillgut war so gut, dass noch nachgeordert werden musste.

Bei Anbruch der Dunkelheit verwandelte sich das große und schön angelegte Vereinsgelände mit den vielen Beleuchtungen in ein buntes und farbenfrohes Lichtermeer, das allen zu Gefallen wusste. Höhepunkt am Abend war das unter dem Thema »Musik unter bunten Lichtern« stehende große Wunschkonzert, bei dem die Marburgerin Sängerin Diana Biolan ein mit aktuellen und sorgfältig ausgewählten Hits präsentierte. Dazu kamen die Besucher mit ihren persönlichen Musikwünschen »voll auf ihre Kosten«. Mit einem Lagerfeuer und der musikalischen Unterhaltung (Gesang und Gitarre) von Thomas Reiter klang am späten Abend gemütlich ein tolles und gelungenes Fest aus, auf dem der aufstrebende Verein stolz sein kann.

Linden (twi). »Das Bild gehört nach Leihgestern - gehört zu dem Ölgemälde, das bereits im Museum hängt«, mit diesen Worten übergab Marianne Sümmerer eine Rötelzeichnung ihres Mannes mit dem Porträt von Marie Jäger dem Lindener Ehrenbürgermeister Dr. Ulrich Lenz und Ehefrau Karin Lenz zur Weitergabe an das Hüttenberger Heimatmuseum. Es ist dies das Geschenk zu einem runden Geburtstag, der leider nicht mit der Bevölkerung gefeiert wird.

Vor 70 Jahren, am 20. Juli 1952, wurde das Hüttenberger Heimatmuseum unter großer Anteilnahme der Bevölkerung als eines der ersten seiner Art überhaupt in der Region seiner Bestimmung übergeben (wir berichteten). Zum 40. Geburtstag war es der damalige Aufsichtsratsvorsitzende der Volksbank Leihgestern, Carl Wolter Waydelin, der während der Mitgliederversammlung im Saal des Landgasthofs »Zum Löwen - beim Philipp« im Beisein von Karl Sümmerer an den damaligen Bürgermeister Ulrich Lenz als »Geburtstagsgeschenk« für das Museum ein von Sümmerer geschaffenes Ölgemälde mit dem Porträt von Marie Jäger in Hüttenberger Tracht überreichte. Im ersten Obergeschoss des Museums hat dieses Gemälde vor der Trachtenausstellung einen Platz erhalten und hier wurde auch noch eine weitere Porträtzeichnung Sümmerers von Marie Jäger aufgehängt. Als Sümmerer und Marie Jäger, die alle in Leihgestern als »Jäjisch Morrie« kannten, sich in den 80er-Jahren begegneten, war es vor allem die Tracht, die den Maler faszinierte.

Maler von Tracht fasziniert

Marie Jäger war eine der letzten Trachtenträgerinnen im Ort und beide näherten sich in Gesprächen an.

Während Sümmerer das Dorfleben interessierte und seinem Ölgemälde den Namen »So ist Müh und Arbeit gewesen« gab, befasste sich Jäger mit der Vita Sümmerers, der 1933 nahe Asch im Sudetenland geboren wurde und mit 13 Jahren seine Heimat verlassen musste. Sümmerer wurde Bäcker, kehrte aber dem Handwerk den Rücken, trat 1951 in die Hessische Bereitschaftspolizei ein und war von 1954 bis 1979 Polizeibeamter in Gießen. Das Zeichnen und Malen war für ihn stets mehr als nur ein Hobby, sein Handwerk eben und das beherrschte er bestens. So gelang es ihm auch, Marie Jäger zu überzeugen, für ihn Modell zu sitzen und dabei sind etliche Arbeiten entstanden.

Jene Rötelzeichnung, die nun Sümmerers Witwe dem Hüttenberger Heimatmuseum schenkte, befand sich bisher in ihrem Privatbesitz. Was Sümmerer aber seinerzeit nicht ahnen konnte, ist die Tatsache, dass er Lindens älteste Bürgerin in Öl und anderen Malformen verewigte. Am 21. Januar 2004 verstarb Marie Jäger im Alter von 106 Jahren im Seniorenheim Rödinghausen. Sie stammte aus einer alten Leihgesterner Bauernfamilie. Ihr Bruder Otto starb 1985 mit 83 Jahren, ebenfalls unverheiratet. Danach übernahmen die Eheleute Harnisch die Betreuung von Marie Jäger. »Zu dieser Zeit war sie eine völlig introvertierte, misstrauische, unbeholfene alte Frau. Ihr Bruder Otto hatte ihr keinen Spielraum zur Selbstverwirklichung und Weiterentwicklung gelassen, Marie hat nach dem Tod ihres Bruders unter der Fürsorge von Harnisch eine unglaubliche Veränderung durchgemacht. Sie ist vitaler geworden. Ihr Wissensdurst war grenzenlos. Sie wurde aufgeschlossener für alles Neue und Unbekannte und nahm alles auf wie ein trockener Schwamm. Sie hatte einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ein gutes Gedächtnis. Nach einer schweren Erkrankung 1990 ging sie ins Altenheim nach Lollar.

Seniorin »Schnatz« verweigert

Auf eigenen Wunsch übersiedelte sie 1992 nach ihrem 95. Geburtstag nach Melle (Kreis Osnabrück), um in der Nähe der zwei Jahre zuvor dorthin verzogenen Familie Harnisch zu sein«, hieß es seinerzeit in einem Nachruf. Verschwiegen wurde dabei jedoch, wie schwer es Marie Jäger fiel, als sie im Seniorenheim quasi ihrer Identität beraubt wurde, als ihr verweigert wurde, weiterhin ihre Tracht zu tragen und auch der »Schnatz« auf dem Kopf wurde ihr untersagt. Keine jemals in Leihgestern geborene Bürgerin wurde so alt wie Marie Jäger. Dies erlebte der Gießener Maler, Grafiker und Zeichner Karl Sümmerer noch, der 2015 verstarb.

Der langjährige Museumswärter Heinz Lothar Worm. versicherte, dass diese das Ensemble über »Jäjisch Morrie« ergänzende Zeichnung einen Ehrenplatz erhalten wird.

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Eine Rötelzeichnung von Karl Sümmerer überreichten Lindens Ehrenbürgermeister Dr. Ulrich Lenz und Ehefrau Karin im Auftrag von Sümmerer-Witwe Marianne an Museumswärter Dr. Heinz Lothar Worm (links). Foto: Wißner © Wißner
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Zum 40. Geburtstag des Hüttenberger Heimatmuseums hatte der damalige Volksbank-Aufsichtsratsvorsitzende Carl Wolter Waydelin (links) im Beisein von Maler Karl Sümmerer (rechts) das Ölgemälde »Marie Jäger« für das Museum an Bürgermeister Ulrich Lenz übergeben. Foto: Wißner © Wißner

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