1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Pohlheim

Pohlheim wird im Süden grüner

Erstellt:

gikrei_ww194429_170222_4c
Alles schön bunt hier. Im aktuellen Regionalplanentwurf 2022 kommt es auf die grünen Striche an. Die stehen für Naturflächen und mit Ansiedlungen wird es an diesen Stellen später einmal an Ortsrändern schwerer. Screenshot: Weißenborn © Red

Kopfschütteln gab es im Pohlheimer Bauausschuss, als der Regionalplan-Entwurf für Pohlheims Norden vorgestellt wurde.

Pohlheim (ww). Emotionale Diskussionen gab es in Pohlheim, als es um die Zukunft der Siedlungsentwicklung am Dienstagabend in der Garbenteicher Sport- und Kulturhalle ging. Und schon am Mittwochmorgen war der planerische Gedanke, ein Güterverteilzentrum im Bereich des ehemaligen Voko-Geländes vorzusehen, vom Tisch.

Hendrik Christophel von der Planungsgruppe Seifert stellte am Dienstag den Teil des Regionalplanentwurfs vor, der Pohlheim betrifft. Neben den Bauausschussmitgliedern waren die Ortsbeiräte zur Präsentation eingeladen worden. Bis zum 25. März sind alle Kommunen gehalten, ihren Teil des Regionalplans durchzusehen, Fehler mitzuteilen und Änderungsanträge zu stellen. Hierbei geht es vorrangig um Flächen für die Ansiedlung.

Ein Teilregionalplan Energie, den Christophel kurz zeigte, war bereits vor zwei Jahren in Kraft getreten. Er sieht für Pohlheim nur Potenzialflächen für Solaranlagen vor. Windkraftanlagen, die einmal am Obersteinberg vorgesehen waren, sind wegen des Unesco-Kulturerbes Limes vom Tisch, betonte der Planer, der in Pohlheim wohnt, und am Höhlerberg, einer Exklave Pohlheims auf Fernwälder Gebiet, sei keine Anlage umsetzbar, betonte Christophel.

Der noch im Entwurfsstadium befindliche Teil Siedlungs- und Strukturentwicklung wurde erstmals der gesamten Öffentlichkeit in Mittelhessen zugänglich gemacht, unterstrich er.

Das war vor mehr als zehn Jahren noch anders, als der Regionalplan lediglich intern in den Kommunen begutachtet worden war. Auch Bürger dürfen jetzt Anregungen abgeben. Dazu gibt es auf den Internetseiten des Regierungspräsidiums umfangreiche Informationen mit Kartierung. Auf zehn Jahre angelegt, könnte der Regionalplan auch bis zu 15 Jahre gelten, informierte Christophel in einer Einführung. Die letzte Richtschnur für die Region datiert aus dem Jahr 2010.

43 Hektar an Zuwachsflächen

Er machte deutlich, dass Pohlheim bei der Bevölkerungsentwicklung in Hessen ganz oben ansteht. Daher sind im Regionalplan auch 43 Hektar an Zuwachsflächen vorgesehen, allerdings nur im Norden des Stadtgebietes. Letztlich geht es um das Zusammenwachsen der drei Stadtteile Watzenborn-Steinberg, Hausen und Garbenteich. Pohlheim werde in einem Atemzug mit Limburg, Gießen, Wetzlar und Marburg in der Ansiedlung genannt.

Schon jetzt würden tausend Menschen Bauplätze in der Limesstadt suchen. »Mit denen müssen wir uns auseinandersetzen.«

Ob diese Areale allerdings alle zur Umsetzung gelangen, ist Sache der Kommunalpolitik, aber die Regionalplanung sieht diese Ausweitung übergeordnet zunächst vor.

Die Landesstraße 3133 Richtung Hungen sei im Übrigen eine wichtige Trasse für die Regionalentwicklung, ergänzte Christophel. Anrainer-Kommunen, an denen sie vorbeiführe, würden auch mehr Unterstützung vom Land erhalten. All das ist dem Regionalplan zu entnehmen.

Der Planer stellte den alten dem neuen Regionalplan gegenüber. Auffällig ist, dass die Grünzüge bis an die Ortsgrenzen in zwei südlichen Stadtteilen heranreichen. Da es sich um Vorrangflächen handelt, könnte es dort schwer werden, weiteres Bauland umzusetzen. Dorf-Güll und Holzheim sind umrahmt davon, sodass die mögliche Eigenentwicklung von fünf Hektar brutto pro Ortsteil schwer umsetzbar wäre, wenn sie denn kommunalpolitisch gewollt wären. In Grüningen wäre dagegen noch Luft an den Ortsrändern, was selbst Christophel verwunderte.

Im Bereich Holzheim ist westlich von der Landesstraße am Ortsrand Richtung Grüningen im nördlichen Anschluss an das bestehende Neubaugebiet eine Erweiterungsfläche verzeichnet. Das Planungsbüro Seifert empfiehlt für diesen Stadtteil, dass die Ortsränder nur dort geschützt werden, wo es gerechtfertigt erscheint, zum Beispiel im Bereich von Streuobstwiesen. »An manchen Stellen ist der Entwurf übertrieben«, meinte Christophel. Eine mögliche Baulanderweiterung in Dorf-Güll fiel auch Naturflächen zum Opfer, womöglich ein Fehler.

Möglicherweise haben sich die Regionalplaner auch ganz auf den Norden Pohlheims konzentriert und den ländlicheren Süden daher geschont.

Das Waldeck am Bereich Watzenborn-Steinberg Hallenbad soll als Siedlungsfläche ausgewiesen werden. Diskussionen über das Areal gibt es schon lange, doch das Areal ist weiterhin in privater Hand. Auch im Bereich Erlenhof östlich davon könnten noch Bauplätze entstehen. Auch das soll aufgenommen werden. Im Anschluss an den Oberweg könnte noch gebaut werden, um in die Siedlung Grüninger Weg vorzustoßen, ohne natürlich den Segelflugplatz zu tangieren.

All diese Vorschläge machte das Planungsbüro im Hinblick auf den erwarteten hohen Bevölkerungszuwachs und natürlich vor dem Hintergrund, dass der Regionalplan die mögliche Entwicklung bis 2035 abbildet. »43 Hektar klingen nach Erschlagen, letztlich sind es 21 Hektar Rohbau.« Der Sozialdemokrat Karsten Becker, entschiedener Gegner von Flächenfraß, schüttelte an dieser Stelle deutlich den Kopf. »Zuwachs ist nach der Regionalplanung nur am zentralen Ort machbar«, unterstrich Christophel.

Als es um das Güterverteilzentrum als Richtschnur für das jetzige Logistik-Sammelsurium auf dem ehemaligen Voko-Gelände ging, waren sich Becker und Vertreter der Pohlheimer Grünen wie Ortsbeiratsmitglied Sven Stoffer aus Holzheim, die Stadtverordnete Simone van Slobbe aus Dorf-Güll und Stadtverordnetenvorsteherin Hiltrud Hofmann einig, das geht gar nicht.

Eine interessante Fläche findet sich am Abzweig Gießener Straße vom Steinberger Weg Höhe der Selbstbedienungstankstelle in Watzenborn-Steinberg bis hin zur Nordseite des Sportplatzes »An der Neumühle«. Dorf verläuft die Gemarkungsgrenze zu Gießen hin und die dahinter befindliche Wiesenfläche von zehn Hektar ist als potenzielles Gewerbeareal der Nachbarstadt ausgewiesen. Sie könnte zukünftig einmal interkommunal entwickelt werden.

Nur erste Offenlage

Bürgermeister Andreas Ruck (unabhängig) meinte, dass jetzt Fehler im Plan ausgemerzt und Wünsche geäußert würden. Es werde nach der ersten weitere Offenlegungen geben, bevor das Werk Rechtskraft erlangt. Der Sozialdemokrat Karsten Becker war da ganz anderer Meinung: »Wir wachsen zu viel, als das es uns guttut.« Christophel hatte da schon erklärt, dass längst nicht alle möglichen Siedlungsflächen aus dem alten Regionalplan umgesetzt worden seien.

Auch interessant