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Scharfe gegenseitige Kritik

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Von: Volker Böhm

Intensiv wurde im Pohlheimer Hauptausschuss über die künftige Nutzung des Sportgeländes »An der Neumühle« in Watzenborn-Steinberg debattiert.

Pohlheim (vb). Zur künftigen Nutzung des Sportgeländes »An der Neumühle« in Watzenborn-Steinberg muss mehr miteinander geredet werden. Zumindest darüber waren sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses am Mittwochabend einig. Ansonsten drehte sich die dritte Beratung des Antrags von SPD und Grünen mehr um die Frage, wer die Schuld an der intensiven und kontroversen Diskussion in der Öffentlichkeit trägt: Die Antragsteller oder die CDU wegen ihrer scharf formulierten Pressemitteilung dazu? Rechtliche Fragen zu Pachtverhältnissen oder die finanziellen Auswirkungen des Antrags wurden nicht thematisiert. Bei der Abstimmung gab es sechs Ja-Stimmen (SPD, Grüne und einmal CDU) bei zwei Enthaltungen der CDU. Freie Wähler und FDP waren nicht im Ausschuss vertreten.

SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Alexander sprach von »einigen Irritationen«, die der ursprüngliche Antrag ausgelöst hatte. In der überarbeiteten Fassung steht nun, dass die »Neumühle« dem FC Turabdin Babylon Pohlheim (TuBa) als »Heimspielstätte« zur Verfügung gestellt werden soll. Um einen »reibungslosen Sportbetrieb« sicherzustellen, soll es Absprachen mit den anderen nutzungsberechtigten Vereinen geben, insbesondere mit dem FC Gießen 1927 Teutonia/1900 VfB. Dieser war im Ursprungsantrag nicht erwähnt. Kernpunkte des überarbeiteten Antrags sind, den Kunstrasenplatz zu sanieren und den Bau eines Multifunktionsgebäudes zu prüfen.

»Ergebnisoffen diskutieren«

Dr. Melanie Neeb (CDU) zeigte sich über den Antrag »überrascht«. TuBa brauche dringend eine Sportstätte, nur müsse dies »ergebnisoffen« diskutiert werden. Die »Neumühle« sei vom FC Gießen stark frequentiert. Im Haushalt dieses Jahres stehe Geld bereit, um für TuBa am sanierten Kunstrasenplatz in Garbenteich Räume zu schaffen.

»Endlich wird mal was auf den Weg gebracht und nicht nur geredet«, verteidigte Matthias Kücükkaplan (SPD) den Antrag. Details müssten von Magistrat und Verwaltung geklärt werden. In Garbenteich könne es angesichts der Nähe zum Wohngebiet Probleme wegen des Lärms der vielen Zuschauer geben.

Aus Sicht von Lorenz Diehl (CDU) klang die erste Fassung des SPD/Grünen-Antrags so, als wolle man den FC Gießen rauswerfen. Er stellte die Frage, ob sich 20 Jugendmannschaften des FC und zehn von TuBa den Platz teilen könnten.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Simon Hafemann, erklärte, dass man TuBa mit dem Antrag »den Rücken stärken« wolle, so dass »auf Augenhöhe« verhandelt werde. Er beklagte erneut das »Kommunikationsdesaster« nach dem Antrag. Die CDU habe in ihrer Pressemitteilung mit »Unterstellungen« gearbeitet, anstatt zu fragen, wie Dinge gemeint seien.

Nie in Frage gestanden

Kücükkaplan schloss daran an. Es habe nie in Frage gestanden, dass der FC Gießen den Platz nicht mehr nutzen solle. Wenn es diesen Eindruck gab, hätte die CDU dies ja ansprechen können.

Die CDU habe mit ihrer Pressemitteilung »Polemik und Hetze« betrieben, »böswillig« Dinge hinein interpretiert, »Öl ins Feuer gegossen und dadurch Unruhe geschürt«, kritisierte Alexander. Ziel des Antrags sei, das Gelände für alle Nutzer auf einen vernünftigen Stand zu bringen. »Der Antrag kann sehr leicht missverstanden werden«, antwortete Diehl.

Die SPD betreibe »Whitewashing«, beklagte Professor Helge Stadelmann (CDU). Ursache für die öffentliche Diskussion und den »schwelenden Konflikt« sei der »schlecht gemachte Antrag« gewesen. Der zweite sei nun besser. SPD und Grüne redeten nicht mit dem FC Gießen, aber von »höchster Stelle der Stadt« (gemeint ist der Bürgermeister) sei beim Verein nachgefragt worden, ob auf das Pachtrecht verzichtet werde. »Daher kam die Aufregung, also bitte nicht Ursache und Wirkung verwechseln.«

Kücükkaplan störte sich daran, dass seit 2017 über das Thema gesprochen werde, es aber nicht vorangehe. »Die CDU wollte mit der Pressemitteilung die Bevölkerung aufwiegeln und die Vereine gegeneinander ausspielen«, kritisierte er.

Alexander ergänzte diese Kritik mit dem Hinweis auf die in der CDU-Mitteilung genannten Kosten von vier Millionen Euro. »Woher kommt diese Zahl? Das sind alles Gerüchte und Halbwahrheiten.«

Wie bereits am Montag im Bauausschuss wurde mehrfach das in Arbeit befindliche Sportstättenentwicklungskonzept angesprochen. Simon Hafemann vertrat die Ansicht, dass man das »Neumühle«-Thema und das Konzept parallel laufen lassen könne. Ergebnisse aus dem Konzept könnten in die Gespräche einfließen.

Parlament tagt am 10. November

Eckart Hafemann (Grüne) forderte schließlich den Schluss der Debatte, da weder rechtliche Fragen noch Kosten besprochen würden. Es wurde abgestimmt. Das letzte Wort hat das Stadtparlament am Donnerstag, 10. November.

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