1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Pohlheim

Sehnsucht nach der Heimat

Erstellt: Aktualisiert:

gikrei2004Stadtmission_U_4c
Constanze Gramsch begrüßt die Flüchtlinge aus der Ukraine auf Russisch. © Schmidt

Pohlheim (ger). 60 Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten der Ukraine, die in Pohlheim Zuflucht gefunden haben, waren dieser Tage auf Einladung der Evangelischen Stadtmission in den Gemeindesaal nach Watzenborn-Steinberg gekommen. Dort gab es neben Kaffee und Kuchen auch dringend benötigte Kleiderspenden für die Geflüchteten, überwiegend Frauen und Kinder.

Achim Gramsch von der Gemeindeleitung und seine Frau Constanze sprechen Russisch und so war dank der Übersetzung auch die Verständigung zwischen Besuchern und den Flüchtlingen gegeben. Gemeinsam wurde gesungen.

Elja aus Charkow ist entsprechend glücklich, dass sie hier gut aufgenommen wurde. Schon einmal musste die gebürtige Armenierin ihre Heimat verlassen, damals 1988 nach einem schweren Erdbeben in der Kaukasus-Region mit vielen Toten und einer Million Obdachlosen.

Kriegsnacht

Selbst aus einer freien evangelischen Gemeinde in Charkow, hat sie nun den Schrecken des Krieges erlebt. »Am Anfang habe ich gedacht es würde an uns vorbeigehen«, sagt sie. Die dritte Kriegsnacht sei für sie alle schrecklich gewesen, denn rundherum seien die Bomben gefallen und überall in der Stadt habe es gebrannt. Auf den Rat ihres Sohnes, Pastor der Gemeinde, ging sie zunächst in die städtischen Randgebiete und von dort in die West-Ukraine über die Karpaten nach Budapest in Ungarn und kam von dort über Frankfurt nach Gießen. Jetzt habe sie »Stress und Ängste« erst einmal hinter sich gelassen und lebe langsam wieder auf. Über den Kontakt zur Gemeinde kam sie nun mit Mann, Schwiegertochter und dem zwei Monate alten Enkel nach Pohlheim. Sie hat Sehnsucht nach ihrer Heimat in der Ukraine, aber keiner kann sagen, wie es weitergeht. Mit der Kennenlern- und Kleiderbörse, die nun regelmäßig donnerstags ab 15 Uhr stattfinden wird, wolle die Stadtmission den Menschen eine erste Hilfe geben und ihnen eine Anlaufstelle bieten, so Achim Gramsch. Bald sollen in Absprache mit der Stadt Pohlheim Deutsch-Kurse angeboten und auch ein Mutter-Kind-Kreis etabliert werden, blickt er in die Zukunft. Kuchenspenden für die Treffen sind übrigens immer willkommen.

Auch interessant